Kronach
Ausstellung

Großstadt-Kunst in Kronach

Die Stuttgarter Künstlerinnen Angelika Flaig und Claudia Thorban zeigen ihre Gemeinschaftsausstellung "farnfolgen und lichtteich".
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Die Installation "lichtteig" von Angeika FlaigMichael Wunder
Die Installation "lichtteig" von Angeika FlaigMichael Wunder
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Mit einer "Doppelausstellung" setzt der Kronacher Kunstverein (KKV) seine Ausstellungsreihe mit repräsentativen Werken der zeitgenössischen Kunst fort. Die beiden Stuttgarter Künstlerinnen Angelika Flaig und Claudia Thorban betiteln ihre am Sonntag in der Galerie des KKV eröffnete Gemeinschaftsausstellung "farnfolgen und lichtteich". Zu sehen sind große Digitaldrucke auf Acrylglas, alte und defekte Gegenständen sowie Zeichnungen und Installationen.

Dabei werden in den Werken von Angelika Flaig Messbarkeit von Zeit und deren Dauer einerseits und die Erfahrung berührenden, erfüllten Augenblicks andererseits sichtbar. Es stehen meist filigrane, großformatige Unikat-Lithografien, fast immer schwarzweiß und nur manchmal zurückhaltend farbig, neben skulpturalen Arbeiten aus Eisen. Gemeinsam haben sie oft das Thema Wasser, die Erinnerung und den Kreislauf der Dinge.

Die Installation "lichtteich" von Angelika Flaig wurde speziell für Kronach konzipiert und ist auch in der Kreisstadt entstanden. Dieses Werk hat es zuvor nirgendwo gegeben, deshalb gab es auch keine Beschreibung dazu. Die Stellung im Raum, die Positionierung in der Raumecke, die Projektion mit Overheadprojektoren aus Stahlwannen auf zwei Wänden mit Überlagerung ist vor Ort entstanden. Wie der Vorsitzende des KKV Karol J. Hurec sagte, seien die projizierten Bilder eine zeitaufwendige Auswahl aus unzähligen Lithografien, welche die studierte Künstlerin in den vergangenen 30 Jahren geschaffen und sie nunmehr in eine neue Beziehung zueinander gestellt hat.

Claudia Thorban untersucht mit ihren Fotoapparat, aber auch mittels Skizzenblock und Kopierer einzelne Pflanzengattungen und präsentiert einen stilisierten und komprimierten virtuellen Garten. Dieser besteht aus Digitaldrucken und Acrylglasplatten, die scheinbar temporär und sich überlagernd an die Wand gelehnt werden. Die Tafelbilder auf acht Millimeter Acrylglas müssen nicht aufgehängt werden und dürfen sich auch wölben, wenn sie schräger an der Wand lehnen. Mit zeitgenössischem Material und Drucktechnik, mit digitaler Fotografie aber auch mit tradierter Pinselzeichnung entsteht Vielschichtiges.

Mit romantischer Naturverkleidung haben ihre Werke wenig gemeinsam. Die Künstlerin Thorban nähert sich dem Farn eher analysierend und sezierend, mit einer teils wissenschaftlichen Experiment-Anordnung, wie unter dem Elektronenmikroskop. Ihre Ergebnisse visualisieren sich in einer poetischen Ästhetik mit einer feinen Sinnlichkeit.

Wie die Objekte ist auch der Titel "farnfolgen" vielschichtig. Mit ihrer Installation konfrontiert sie die Besucher mit großflächigen, zwischen Zwei- und Dreidimensionalität changierenden, reduzierten, minimalistischen Natur-Facetten, die in scheinbaren Vergrößerungen den Charakter des Uneindeutigen betonten. Die Grenzen zwischen Zwei- und Dreidimensionalität zwischen Fotografie, Malerei und Skulptur, zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen konkreten und undeutlichen Formen, zwischen Farbe und Nicht-Farbe verschwimmen. Man erlebt die Koexistenz von Zufall und bewusster Setzung, von Natürlichkeit und Künstlichkeit, von analoger Realität und virtueller Schöpfung. Die Ausstellung in der Galerie des KKV wurde in einem lichtdurchfluteten, großen, überschaubaren, offenen Raum präsentiert und ist sonst eigentlich nur in Großstädten zu sehen. Die Eröffnungsfeier wurde durch Hornbläser der Berufsfachschule für Musik mitgestaltet.

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