Ludwigsstadt
Mauerfall

Gefühl der Dankbarkeit macht sich breit

Mit einer beeindruckenden Ausstellung im Ludwigsstädter Rathaus und einem Festakt in Probstzella feierten die beiden Gemeinden Ludwigsstadt und Probstzella 30 Jahre Grenzöffnung am Falkenstein.
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Bodo Ramelow und Joachim Herrmann zeigten sich von der Ausstellung beeindruckt und erinnerten sich selbst an die Geschehnisse von vor 30 Jahren. Foto: Veronika Schadeck
Bodo Ramelow und Joachim Herrmann zeigten sich von der Ausstellung beeindruckt und erinnerten sich selbst an die Geschehnisse von vor 30 Jahren. Foto: Veronika Schadeck

Prominente Gäste waren der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Es war eine gute Atmosphäre zu spüren. Auch 30 Jahre nach der Grenzöffnung war aus den Worten der politischen Prominenz eine Dankbarkeit dahingehend zu spüren, dass dieses damals unerwartete und historische Ereignis friedlich und ohne Blutvergießen erfolgte.

Beim Rundgang durch die Ausstellung wurden wohl bei den meisten Teilnehmern Erinnerungen wach. Ihm sei es, genauso wie damals, den Rücken heruntergelaufen, meinte Altlandrat Werner Schnappauf. Damals habe er zusammen mit der Vorsitzenden des Rates des Kreises Saalfeld, Edith Ludwig, am Falkenstein das Band durchschnitten. "Das war so ergreifend!"

Innenminister Joachim Herrmann erinnerte an seine Fahrten im Interzonenzug von München nach Berlin, vorbei an Ludwigsstadt und Probstzella. Vor der Grenze hatte er wegen den Grenzkontrollen immer ein mulmiges Gefühl.

Landrat Klaus Löffler erinnerte sich an Menschen, die sich vor Freude in den Armen lagen, an die Autoschlangen, die durch seinen Heimatort Steinbach/Wald fuhren. Sein Kollege aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Marco Wolfram, sprach von seiner schönsten Erinnerung. Am 12. November 1989 sei er mit seiner "Schwalbe" von Probstzella nach Ludwigsstadt gefahren. Er habe sich die Menschen dort drüben anschauen wollen, denn zu DDR-Zeiten lag Moskau gefühlsmäßig näher an seinem Heimatdorf als Ludwigsstadt.

Idee vom Landrat

Der Hausherr und Ludwigsstadter Bürgermeister Timo Ehrhardt dankte Landrat Klaus Löffler. Die Ausstellung sei seine Idee gewesen. Und in der Tat, ein Besuch lohnt sich. Denn bei der Betrachtung der 24 Bildertafeln wird einem bewusst, dass dieses historische Ereignis ganz anders hätte verlaufen können. Ein Gefühl der Dankbarkeit, aber auch des Mutes, die Heimat weiter zu entwickeln, kommt auf.

Der Heimatpfleger Siegfried Scheidig hat sich zusammen mit seinem Team, der heimatgeologischen Arbeitsgemeinschaft, und mit der Tourismusbeauftragten Manja Hünlein viel Mühe gemacht. Gezeigt werden unter anderem Bilder von Klein Lichtenhain, das aus drei Häusern bestehende Dorf bei Kleintettau, das sich in der DDR-Zone befand - aber dessen Bewohner Bier in Tettau tranken. Es gibt einen Einblick ins Leben der fränkischen Schieferarbeiter, die in den Jahren von 1948 bis 1952 und von 1955 bis 1961 in den Schiefergruben der DDR arbeiteten. Informationen gibt es über den Grenzübergang in Falkenstein, der am 30. September 1951 auf Befehl der sowjetischen Militäradministration angeblich wegen Instandsetzungsarbeiten geschlossen wurde. Es wird auch auf das Londoner Protokoll aus dem Jahre 1944 eingegangen. Am Falkenstein bedeutete dies, dass die alte bayerische-thüringische Landesgrenze die Grenze zwischen der amerikanischen und sowjetischen Zone bildete. Da diese jedoch durch ein Stück Gebäude und Anwesen führte, handelten amerikanische und sowjetische Offiziere eine Änderung des Grenzverlaufs aus. Somit wurde das Bierdeckelabkommen geboren. Weiterhin sind Fotos von einem regen Tourismus an der Thüringer Warte zu sehen - und natürlich von der Grenzöffnung. Überfüllte Züge, jubelnde Menschen, Trabischlangen und vieles mehr.

Für Freiheit eintreten

Der thüringische Ministerpräsident erinnerte daran zu denken, dass es die Menschen waren, die in den Kirchen ihre Angst überwanden, Kraft fanden, um für die Freiheit einzutreten. Sowohl er als auch Innenminister Joachim Herrmann betonten, dass sie diese Region unterstützen werden (mehr davon in der Ausgabe am Donnerstag). Abschließend betonte er: "Wir brauchen keine Miesmacher, sondern Mutmacher."

Die Ausstellung wird am morgigen Donnerstag um 18 Uhr für die Bevölkerung geöffnet und ist bis zum 12. Dezember zu sehen.

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