Burggrub
Gebetsstätte

Grenz- und Friedenskapelle Burggrub: seit 25 Jahren eine Oase der Menschlichkeit

Die Grenz- und Friedenskapelle bei Burggrub gibt es seit 25 Jahren. Beim Jubiläumsgottesdienst predigt die thüringische Landesbischöfin Ilse Junkermann.
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Blick in das schlichte Innere der Friedenskapelle mit einem in Bronze gearbeiteten Christuskönig. Als Altar dient ein Sandsteinquader. Dahinter stehen Teile des zerborstenen Grenzzaunes. Seit 25 Jahren ist Willi Bischoff Vorsitzender des Kapellenbauvereins.
Blick in das schlichte Innere der Friedenskapelle mit einem in Bronze gearbeiteten Christuskönig. Als Altar dient ein Sandsteinquader. Dahinter stehen Teile des zerborstenen Grenzzaunes. Seit 25 Jahren ist Willi Bischoff Vorsitzender des Kapellenbauvereins.
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25 Jahre ist es nun her, dass die Grenz- und Friedenskapelle am ehemaligen Todesstreifen zwischen Burggrub und dem thüringischen Neuhaus-Schierschnitz auf Grund privater Initiative durch Regionalbischof Wilfried Beyhl aus Bayreuth eingeweiht wurde. Die internationale Jugendbegegnung mit 280 Jugendlichen aus 21 Ländern sowie der Kreuzweg mit sieben Stationen bildete dazu einen würdigen Rahmen. Die spektakuläre Grenzöffnung, die 1989 die Weltöffentlichkeit bewegte, war der historische Hintergrund für diesen beachtenswerten Einsatz des 1990 gegründeten Kapellenbauvereins Burggrub, der von Willi Bischoff seit nunmehr 25 Jahren sehr engagiert geleitet wird.


Geist wirkt über Region hinaus

Tausende von Menschen haben bisher diese eindrucksvolle Gebetsstätte am ehemaligen "Eisernen Vorhang" besucht und um den Frieden in dieser Welt gebetet. Nach wie vor bewegt das schlichte Gotteshaus die Menschen und ermahnt sie, das Vereinende zu suchen und das Trennende zu überwinden. Der Geist der Friedenskapelle wirkt weit über die Region hinaus. Diese Stätte - vom Kapellenbauverein liebevoll ganzjährig betreut, ist ein Ort der Erinnerung, der Dankbarkeit und letztendlich der Hoffnung.
Der 43 Mitglieder starke Kapellenbauverein Burggrub wird am Sonntag, 3. September, in gebührender Weise dieses Jubiläum begehen. Dazu werden um 10 Uhr hochkarätige Kirchenvertreter erwartet. Die thüringische Landesbischöfin Ilse Junkermann hält die Festpredigt, für den Gottesdienst ist Pfarrer Michael Foltin (Burggrub) zuständig. Die musikalische Umrahmung erfolgt durch die Posaunenchöre Burggrub, Neuhaus-Schierschnitz, Mitwitz und durch den Jugendposaunenchor Elisabeth Sibbor. Vor dem Gottesdienst ist um 9.45 Uhr eine Kirchenparade der Burggrüber Vereine ab Abzweigung Burggrub West vorgesehen. Ihre Teilnahme haben angesagt: Dekanin Dorothea Richter, die Superintendenten Dr. Ulrich Lieberknecht und Wolfgang Krauß, Altbürgermeister Hennrik Oberender sowie die Bürgermeister Rainer Detsch (Stockheim) und Andreas Meusel (Neuhaus-Schierschnitz), Pater Waldemar (Glosberg), Landrat Klaus Löffler sowie Architekt Alexander Treiber.
Als am 9. November 1989 in Berlin und wenige Tage später, am 24. November 1989, in Burggrub die Mauer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR fiel, war es für die Bürger der Ortschaft Burggrub eine Selbstverständlichkeit, dass für dieses Ereignis, der friedlichen Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, ein sichtbares Zeichen für die Nachwelt gesetzt werden musste.


Hauptsächlich in Eigenleistung

So gründete sich in Burggrub ein Kapellenbauverein zunächst mit 17 Visionären unter der Leitung von Hubert Knauer. Maßgeblich unterstützt wurden sie durch Pfarrer Detlef Sibbor und durch Vikar Friedrich Hohenberger. Für die Planung zeichnete Architekt Alexander Treiber (Schenkenau-Itzgrund) verantwortlich. Der Grundstein wurde am 24. November 1991 gesetzt. Und im Juni 1992 konnte dann das Richtfest gefeiert werden. Die Weihe erfolgte am 6. September 1992.
Die Kapelle wurde hauptsächlich in Eigenleistung mit Zuschüssen von der Gemeinde Stockheim und vom Kreis Kronach gebaut. Hinzu kamen Spendengelder. Schließlich brachten die Mitglieder 1100 Stunden an Eigenleistung auf. Für die Realisierung waren trotzdem noch 64 000 Mark erforderlich.
Der Standort am ehemaligen Todesstreifen wurde so gewählt, dass er in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Schlagbaum an der Bundesstraße 89 zwischen Burggrub auf Bayerischer und Neuhaus-Schierschnitz auf Thüringer Seite liegt. Die Kapelle, so die Vorstellung des Architekten, soll einen Ausschnitt der Weltkugel mit einem davor stehenden russischen Wachturm als Glockenturm darstellen. Der Innenraum ist so gestaltet, dass der Christuskönig den Stacheldrahtzaun, also die einst schreckliche Grenze, öffnet. Vor allem soll die Kapelle die Besucher an die gefallene Grenze, an die friedliche Wiedervereinigung und an den Weltfrieden erinnern.
Auch 25 Jahre nach der Weihe ist die Grenz- und Friedenskapelle - sie hat übrigens in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal - ein mystischer Anziehungspunkt geblieben. Sie bezeugt, dass selbst eine so schreckliche Grenze wie der Eiserne Vorhang mit Wachtürmen, Minenfeldern und Selbstschussanlagen friedlich überwunden werden kann. Verantwortlich für dieses außergewöhnliche Bauwerk sind heute Vorsitzender Willi Bischoff, sein Stellvertreter Kurt Wöhner, Finanzvorstand Uwe Günther, Schriftführer Friedrich Beetz, Revisoren Hubert Knauer und Reinhard Kalb sowie die Ausschussmitglieder Annemarie Wöhner, Reinhard Kießling, Angelika Rosenbauer.
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