Kronach
Umwelt

Greenpeace in Kronach und im Landkreis Lichtenfels: Wie belastet ist unser Wasser?

Umweltaktivisten zeigen bundesweit die Problematik intensiver Tierhaltung auf. Stationen waren auch Kronach und der Main bei Schwürbitz.
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Auf dem Kronacher Marienplatz stand ein großes Schwein aus Plastik. Fotos: Franziska Rieger/Ramona Popp
Auf dem Kronacher Marienplatz stand ein großes Schwein aus Plastik. Fotos: Franziska Rieger/Ramona Popp
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Es war ein kurzer Stopp auf der schon drei Wochen andauernden, deutschlandweiten Tour von Greenpeace. Um 10 Uhr parkte der weiße Bus mit Hamburger Kennzeichen am Rudufersee. Zum Team aus der Zentrale kamen Engagierte der Kronacher Ortsgruppe hinzu.

Die gibt es übrigens schon seit den 1980er-Jahren, und weil der Landkreis Lichtenfels keine eigene hat, ist sie für diesen mit zuständig. Zwischen drei und 30 Jahren machen Helmut Wesolek, Markus Geiger und Carsten Walther bei der Umweltschutz-Organisation schon mit. An diesem regnerischen Vormittag ging es darum, zu erkunden, wie es um unser Wasser bestellt ist.

Für sein Trinkwasser bekommt Deutschland im Allgemeinen gute Noten. Es wird kontinuierlich überwacht, Grenzwerte - etwa für Nitrat - müssen eingehalten werden. Gegebenenfalls wird aufbereitet, gemischt oder ein stark belasteter Brunnen außer Betrieb genommen. Vor diesem Hintergrund sind die Trinkwasseruntersuchungen also nur bedingt aussagekräftig. Etwa ein Drittel des Grundwassers in Deutschland weist viel zu hohe Nitratwerte auf.

Die nördlichen Regierungsbezirke in Bayern sind stärker betroffen als der Süden. In rund 30 Prozent des fränkischen Rohwassers konnten laut Landesamt für Umwelt auch Pflanzenschutzmittel wie Bentazon und Glyphosat nachgewiesen werden. Es ist also nicht alles bestens. Ganz abgesehen davon, dass höherer Aufwand für eine Reinhaltung des Wassers auch mit steigenden Kosten einhergeht - für die letztlich alle zahlen müssen.

Nitrat aus Massentierhaltung

Nitrat kann aus organischem und Kunstdünger ins Wasser gelangen. Vor allem durch Massentierhaltung mit einem Überschuss an Mist und Gülle entstehen Probleme. Deshalb plädieren Umweltschützer für kleinteilige Strukturen in der Landwirtschaft und vor allem ein Verbot des Gülle-Tourismus aus den Niederlanden und Dänemark.

Am idyllischen Rudufersee wähnt man sich von derlei Sorgen weit entfernt. Entnahmestelle war allerdings nicht der See, sondern der dahinter vorbeifließende Main. Mehrere Becher schöpften die Männer heraus und beschrifteten sie. Nitrat- und Phosphatgehalt konnten gleich bestimmt werden. Für die Suche nach multiresistenten Keimen wird ein Hamburger Labor eingeschaltet.

Die Auswertung wird laut Markus Wichmann von Greenpeace in frühestens 14 Tagen vorliegen. Mit dem am Montag gemessenen Nitrat-Stickstoff-Gehalt von 3,25 Milligramm pro Liter falle der Main jedoch bereits in die Kategorie schlechte Gewässerqualität. Man kann sich Gedanken machen, ob die Werte sonst noch schlechter wären, denn eigentlich begünstigt lange Trockenheit das Ergebnis, da weniger Eintrag aus dem Boden ausgewaschen wird. Wichmann spekulierte nicht: "Es ist immer eine Momentaufnahme."

Am Nachmittag hatten Leute aus Kronach und Umgebung die Gelegenheit, am Greenpeace-Stand auf dem Marienplatz eine Wasserprobe aus dem eigenen Gartenbrunnen oder einem nahen Bach kostenfrei untersuchen zu lassen.

Riesen-Schwein ist dabei

Ein riesiges Schwein aus Plastik machte auf den Stand aufmerksam: Ein dreckiges Schwein als Symbol für die Massentierhaltung. Wegen der entsteht immer mehr Gülle, die auf den Feldern landet und so den Nitratwert im Grundwasser erhöht. Im Vorbeigehen schauten einige Passanten neugierig, manche steuerten mit ihren Wasserproben in Einmachgläsern oder Wasserflaschen zielgerichtet den Stand an.

Mit einer Pipette entnahm Holger Krohn von Greenpeace Hamburg eine Probe. Die wurde dann mit einem Messgerät auf Nitrat und Nitrat-Stickoxid untersucht. Nach 15 Minuten lieferte das Messgerät das Ergebnis. Die 13 Proben, die in den ersten zwei Stunden getestet wurden, seien alle im durchschnittlichen Bereich, erklärte Krohn. "Einer ist ein bisschen auffällig."

Herta Baier

Herta Baier brachte zum Stand auf dem Kronacher Marienplatz eine Wasserprobe von einem Bach aus Wilhelmsthal. Sie war damit im Auftrag einer Bekannten unterwegs. "Sie will wissen, ob man mit dem Wasser den Garten gießen kann", sagt Baier. Schließlich wächst in den Beeten auch Gemüse, das verzehrt werden soll. fr

Elisabeth Hoffmann

Das Wasser, das Elisabeth Hoffmann in einem kleinen Marmeladenglas mitbrachte, war aus dem Remschlitzbach in Rosslach. Vor ein paar Jahren habe es Anwohnerbeschwerden gegeben, dass auf dem Wasser Schaum sei. Neben den Landwirten sieht sie auch die Verbraucher in der Pflicht. "Wenn man schon Fleisch isst, dann sollte man schauen, wo es herkommt." fr



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