Ludwigsstadt
Hiostorie

Glanz und Elend des Schiefers

In zwei Büchern würdigt Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig die Geschichte des Schieferabbaus nicht nur im nördlichen Frankenwald.
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Zuschneider im Oertelsbruch der 1920er Jahre Repro: Gerd Fleischmann
Zuschneider im Oertelsbruch der 1920er Jahre Repro: Gerd Fleischmann
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Wie kein anderer Baustoff hat der Schiefer die Dörfer des Frankenwalds und des Thüringer Waldes über Jahrhunderte geprägt. Noch heute sind die bläulich schimmernden Schieferdächer für Ortschaften wie Steinbach an der Haide, Reichenbach, Haßlach/Teuschnitz, Lauenhain, Tschirn, Lauenstein oder auch Neukenroth charakteristisch.
Über Jahrhunderte hinweg wurde der Schiefer im thüringisch-fränkischen Schiefergebirge und im nördlichen Frankenwald abgebaut.


Tote und Verletzte

Die Arbeit in den Brüchen brachte den Menschen Arbeit und Brot, doch sie war auch kräftezehrend und gefährlich. Die tragische Bilanz: an die 250 tödlich verunglückte Schieferarbeiter sowie viele Verletzte. Das Deutsche Schiefertafelmuseum in Ludwigsstadt weist auf etliche menschliche Dramen hin.
Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig ist von diesem einst bedeutsamen Wirtschaftsfaktor fasziniert, der vor allem den nördlichen Landkreis Kronach ganz entscheidend geprägt hat. In der Blütezeit fanden bis zu 3000 Männer in den Schieferbrüchen Beschäftigung. Seit 35 Jahren sammelt, archiviert und dokumentiert der Lauensteiner Heimatkundler akribisch und professionell die Entwicklung des Schieferbergbaus in Verbindung mit weiteren Idealisten. Und mit den Jahren ist eine historische Fundgrube mit Tausenden von Bildern und Materialien entstanden.

Schließlich ist Scheidig mit bemerkenswerter Begeisterungsfähigkeit zu Werke gegangen und hat mit maßgeblicher Unterstützung von Frank Barteld und Frank Schein zwei Bücher zu dem Thema "thüringisch-fränkischer Schieferbergbau" konzipiert, die einen bedeutsamen Beitrag mit beachtlichen 942 Abbildungen zur Wirtschaftsgeschichte des Landkreises Kronach und der angrenzenden thüringischen Landkreise darstellen. Mit nie erlahmendem Eifer ist Siegfried Scheidig - tatkräftig unterstützt von der Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Ludwigsstadt und vor allem auch Heimatkundlern aus der thüringischen Nachbarschaft - zu Werke gegangen.


Die Motive Scheidigs

Und das waren seine Beweggründe: Dachschiefer ist aus Thüringen und Oberfranken nicht wegzudenken. Seit dem 19. Jahrhundert prägt er das Bild der Ortschaften. Weit über die Region hinaus ziert er Burgen, Kirchen und Rathäuser. Auf Schiefertafeln aus Ludwigsstadt, Probstzella, Sonneberg und mit Griffeln aus Steinach hat buchstäblich alle Welt schreiben gelernt. Tausenden Menschen hat das "Blaue Gold" Arbeit verschafft, Zehntausende ernährt.

Vor allem war nach Scheidigs Überzeugung der Schieferbergbau im thüringisch-fränkischen Grenzgebiet bislang nicht angemessen publizistisch gewürdigt worden.

Eine fundierte, aber allgemeinverständliche Gesamtdarstellung fehlte. Veröffentlichungen beschränkten sich auf Einzelaspekte oder boten nur wenig Illustration. Eine "runde Sache" scheiterte bis dato wohl daran, dass das Thema schlicht sehr mächtig und in seiner Gesamtheit kaum fassbar ist. Schon Ende der 1980er Jahre hat sich die geologisch-heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Ludwigsstadt der Aufgabe angenommen. Parallel zum Aufbau des Schiefermuseums in Ludwigsstadt haben die Protagonisten Quellen und Sachzeugen gesammelt und Archivarbeit betrieben.

Das Ergebnis des jahrzehntelangen, ehrenamtlichen Einsatzes ist mehr als eindrucksvoll. So sind zwei aussagestarke Dokumentationen entstanden, welche die dramatisch verlaufene Entwicklung des Schieferbergbaus sowie deren Verarbeitung mit all ihren Höhen und Tiefen beinhalten.
Nicht nur die intensive Recherche, sondern vor allem das umfangreiche Bildmaterial ermöglichen dem Leser eine Zeitreise in eine Epoche, die geprägt war vom harten Überlebenskampf, aber auch zeitweise von der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft.
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