In der Tettauer Turn- und Festhalle fanden schon viele politische Veranstaltungen statt. Teilweise war auch politische Prominente wie der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß oder der ehemalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering vertreten. Und damit soll es nun schon bald vorbei sein?

Die Gemeinde jedenfalls wird sich demnächst mit der Frage beschäftigen müssen, welche Art von Veranstaltungen in der Tettauer Turn- und Festhalle abgehalten werden sollen. Der Grund ist die Empfehlung des Pächters Benjamin Baier. Er will den Pachtvertrag dahingehend abgeändert wissen, dass künftig generell keine politischen Veranstaltungen in der Turn- und Festhalle abgehalten werden sollen. Er wolle damit Spannungen zwischen ihm als Pächter und der Gemeinde vermeiden.


"Weniger Ertrag"

"Allerdings", so Baier, "müsste die Gemeinde dann als zweiten Schritt auch die Pacht senken. Denn wenn die Möglichkeiten beschränkt würden, könne ich auch weniger Ertrag erwirtschaften!" Hintergrund der der Diskussion ist das Treffen der "Alternativen Mitte", die am 3. Oktober in Tettau ihre Deutschlandtagung abhielt. Die "Alternative Mitte" ist ein bürgerlich-konservative Interessengemeinschaft innerhalb der AfD. Benjamin Baier spricht von hitzigen Diskussionen, von einer Spaltung der Gemeinde Tettau sogar. Teilweise sei er angefeindet worden, teilweise hätten Bürger ihm gegenüber aber auch Respekt für seine Entscheidung gezeigt.

Benjamin Baier selbst kann den ganzen Trubel nicht nachvollziehen. Denn schließlich sei es die Gemeinde gewesen, die den Kontakt hergestellt habe. Bei der Veranstaltung der Alternativen Mitte habe es zudem nicht einen Hauch von Rechtspopulismus gegeben. Die Alternative Mitte sei eine Gruppierung der AfD, die sich deutlich von den Rechten innerhalb dieser Partei abgrenze. Deshalb findet Baier es auch toll, dass Tettau für diese Tagung ausgewählt wurde. Eben weil Integration in Tettau funktioniere.


Türkische Hochzeit

Benjamin Baier beteuert, dass er mit türkischen Mitbürgern aufgewachsen ist und er nicht ausländerfeindlich sei. Erst am vergangenen Samstag erst fand eine türkische Hochzeit mit über 500 Gästen in der Festhalle statt. Baier spricht davon, dass er monatlich eine Pacht an die Gemeinde zu entrichten habe.

"Dass die Veranstaltung der Alternativen Mitte in der Festhalle stattfand, mag sicherlich rechtmäßig gewesen sein", so Bürgermeister Peter Ebertsch (BfT). Aber es handele sich eben auch um eine Frage der Moral und des Anstands. Gerade am Tag der deutschen Einheit hätte es auch in Tettau um anderes gehen sollen als um die künftige Ausrichtung der AfD - zumal Tettau 40 Jahre lang unter der deutschen Teilung zu leiden hatte.
Für Peter Ebertsch sind Veranstaltungen der SPD oder CSU eine "andere Hausnummer". Für ihn hängt die AfD mit einer rechten Gesinnung zusammen. Auch ärgert es ihn, dass er erst wenige Tage von der Veranstaltung erfuhr: "Für mich war das ganze kein Spaß!"

Seine geschäftsleitende Beamtin, Katharina Morgenthum, ergänzt, dass bei der Gemeinde eine telefonische Anfrage eingegangen sei - wegen einer bundesweiten Firmenveranstaltung. Daraufhin habe sie den Anrufer an den Pächter verwiesen. Und wie denken einige Gemeinderäte über die Empfehlung von Benjamin Baier? Während sich der CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Müller dazu nicht äußern will, meint der Zweite Bürgermeister Falk Wick (CSU): "Man kann CSU- oder SPD Veranstaltungen nicht mit denen der Alternativen Mitte vergleichen".
Ihm wäre es lieber gewesen, wenn diese Tagung nicht stattgefunden hätte. Benjamin Baier hätte diese verhindern können.


Wunsch nach mehr Fingerspitzengefühl

Falk Wick war nicht bei der Demonstration dabei, die vom "Aktionsbündnis für ein buntes Leben", spontan ins Leben gerufen wurde. "Ich hätte die ganze Sache gar nicht beachtet!". Wick ist überzeugt, dass durch diese Aktion die ganze Veranstaltung der Alternativen Mitte erst aufgewertet wurde.
Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Heiko Nebatz, spricht sich dafür aus, dass weiterhin politische Veranstaltungen in der Festhalle stattfinden sollen. Allerdings: "Man sollte mehr Fingerspitzengefühl zeigen".

Er meint damit, dass man eben derartige Tagungen wie die der Alternativen Mitte nicht mehr erlauben sollte. Gerade im Tettauer Winkel lebe die Bevölkerung seit Jahrzehnten friedlich und harmonisch mit ausländischen Mitbürgern zusammen. Anette Christel von den Freien Wählern will erst noch das Für und Wider abwägen.

Klar ist für die Gremiumsmitglieder, dass demnächst in geschlossener Sitzung über die Empfehlung von Benjamin Baier diskutiert wird. Was dann herauskommt, bleibt abzuwarten. Eventuell, so Nebatz, könnte der Pachtvertrag dahingehend geändert werden, dass die Gemeinde ein Mitspracherecht bei Veranstaltungen bekommt.