Wenn ihre Kinder aus dem nördlichen Landkreis zu den weiterführenden Schulen in Kronach mussten, stöhnten die Eltern in den vergangenen Jahren auf. Schlechte Bus- und Bahnverbindungen sowie kein entsprechendes Schulangebot in Wohnortnähe bereiteten ihnen Kopfzerbrechen. Auch wenn zuletzt bereits an den Stellschrauben der Schülerbeförderung gedreht wurde und schon auf angestrebte Verbesserungen durch ein Nahverkehrskonzept des Kreises verwiesen wird, hätte der Landkreis-Norden trotzdem gerne eine wohnortnahe, neue Schule.

Die Politik stellte eine Option in den Raum. Pressig wurde als möglicher Realschulstandort auserkoren. Die erste Probeeinschreibung im Mai 2018 lieferte ein ernüchterndes Ergebnis. Nur 16 von 41 Kindern signalisierten ihr Interesse, statt nach Kronach lieber nach Pressig zu gehen. Seitdem kehrte Ruhe in die öffentliche Diskussion ein. Vom Tisch ist das Thema aber offenbar nicht, wie unsere Zeitung erfuhr.

Sprecherin Julia Kuntz vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus informiert, dass das Ergebnis der ersten Einschreibung für eine Realschule in Pressig nicht ausreichend sei. Sie ergänzt aber: "Sollte das Landratsamt im kommenden Jahr erneut eine Probeeinschreibung wünschen, würde diese vom Staatsministerium mitgetragen werden. Die Schülerzahlen-Entwicklung im Landkreis Kronach wird weiter beobachtet." Der Pressiger Bürgermeister Hans Pietz (FW) würde sich eine zweite Probeeinschreibung wünschen. "Dass eine Realschule Pressig gut tun würde, steht fest", betont er. Dass beim ersten Mal kein befriedigendes Ergebnis erzielt wurde, macht er auch daran fest, dass sich manche Eltern von der Einschreibung wohl etwas überrumpelt fühlten. Deshalb drängt er darauf, einen zweiten Durchgang gut vorzubereiten. "Es ist eine weitreichende Entscheidung", sagt er. Deshalb sei es auch nicht schlimm, wenn es nun noch einige Monate länger dauert, bis sie getroffen wird. "Dann hat man wenigstens das Gefühl, dass diese Entscheidung auch ausgereift ist."

Der Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) würde einen zweiten Anlauf mittragen - wenn den Menschen vorher im Detail erklärt wird, wie das Konzept für die neue Schule aussehen soll und wofür genau sie dann eigentlich abstimmen. Das sei bisher nicht konkret vermittelt worden. Außerdem würde er sich wünschen, in eine weitere Ausschreibung auch die Wahlmöglichkeit für den Standort Steinbach am Wald aufzunehmen. Denn so gerne er ein schulisches Angebot im Norden hätte, sei ihm Pressig eigentlich nicht nördlich genug.

Doch wird es überhaupt eine zweite Probeeinschreibung geben? Das Landratsamt hält sich mit einer Einschätzung des Sachstands und einer Erklärung des weiteren Vorgehens recht bedeckt. Einzig, dass sich der Kreistag im ersten Quartal mit dem Thema befassen und dann das weitere Prozedere festlegen soll, war auf Anfrage zu erfahren.

Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) untermauert diese Vorgehensweise. Er hält eine zweite Probeeinschreibung durchaus für möglich. Er beharrt aber auch auf seiner Meinung, "keine Politik gegen die Menschen" machen zu wollen. Die Idee für eine Schule im Norden sei schließlich in den Reihen der Bürger entstanden, also sollten diese auch darüber entscheiden.

Eine weitere Option

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"Es ist ein Angebot. Das wird man nicht durchsetzen, wenn es keine Nachfrage gibt", geht er darauf ein, inzwischen auch verschiedene ablehnende Stimmen gehört zu haben. So sei ihm von Seiten der Eltern, Schüler und Lehrer teilweise gesagt worden, dass die Verantwortlichen das Geld vielleicht besser in die bestehenden Einrichtungen stecken sollten und manche Kinder sich sogar gerne während des Schultags in Richtung Kronach vom Elternhaus abnabeln würden.

"Pressig war der einzige Kompromiss", stellt Baumgärtner zur Standortfrage für eine mögliche neue Schule fest. Dennoch will er seinen Blick über den Tellerrand richten und ein Thema aufgreifen, dass SPD-Kreisrat Heinz Köhler in einer Sitzung angeschnitten hat. So macht sich Baumgärtner Gedanken, ob nicht sogar eine Kooperation im Bereich der Realschulen und Gymnasien für den nördlichen Landkreis Kronach und Thüringen eine neue Option wäre.

Astrid Vetter macht sich für eine Schule im Norden keine großen Hoffnungen mehr. Die Mutter aus Ludwigsstadt und eine der treibenden Kräfte der Facebook-Gruppe "Schülerverkehr mit der Bahn im Landkreis Kronach" gesteht ein, nach den jahrelangen Diskussionen ohne ein Ergebnis gefrustet zu sein. "Mit einer Schule in Pressig wird's wohl nichts werden", deutet sie das erste Einschreibungsergebnis skeptisch.

Keine wirkliche Verbesserung

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Für Schüler aus ihrer Heimatstadt wäre eine Verkürzung der Fahrzeit um elf Minuten gegenüber der Beschulung in Kronach auch keine dramatische Verbesserung. Ihr wäre wichtiger, dass die Probleme an den Schnittstellen des Schulwegs behoben werden. Deshalb warte sie auch, ob nach der langen Debatte über ein Nahverkehrskonzept wirklich noch eine Verbesserung erreicht werden kann. Der Diskussion über eine neue Schule, die aus ihrer Sicht weiter nördlich als Pressig liegen sollte, ist sie hingegen müde.

Astrid Vetter macht sich für eine Schule im Norden keine großen Hoffnungen mehr. Die Mutter aus Ludwigsstadt und eine der treibenden Kräfte der Facebook-Gruppe "Schülerverkehr mit der Bahn im Landkreis Kronach" gesteht ein, nach den jahrelangen Diskussionen ohne ein Ergebnis gefrustet zu sein. "Mit einer Schule in Pressig wird's wohl nichts werden", deutet sie das erste Einschreibungsergebnis skeptisch.

Keine wirkliche Verbesserung

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Für Schüler aus ihrer Heimatstadt wäre eine Verkürzung der Fahrzeit um elf Minuten gegenüber der Beschulung in Kronach auch keine dramatische Verbesserung. Ihr wäre wichtiger, dass die Probleme an den Schnittstellen des Schulwegs behoben werden. Deshalb warte sie auch, ob nach der langen Debatte über ein Nahverkehrskonzept wirklich noch eine Verbesserung erreicht werden kann. Der Diskussion über eine neue Schule, die aus ihrer Sicht weiter nördlich als Pressig liegen sollte, ist sie hingegen müde.