Kronach
Sommerzeit

Gerhard Spörl hält die Kronacher Stadtturmuhr am Laufen

Gerhard Spörl stellt die Uhr am Kronacher Stadtturm um. Damit er sie nicht täglich aufziehen muss, hat er sich etwas Cleveres einfallen lassen.
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Von vielen Stellen der Stadt kann man den Stadtturm und natürlich auch die Uhr sehen. Gerhard Spörl hat dafür gesorgt, dass die Zeiger richtig stehen.  Foto: Vanessa Schneider
Von vielen Stellen der Stadt kann man den Stadtturm und natürlich auch die Uhr sehen. Gerhard Spörl hat dafür gesorgt, dass die Zeiger richtig stehen. Foto: Vanessa Schneider
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Gerhard Spörl tat als Kind alles um drei Uhr. Zumindest wenn es nach der Uhr am Stadtturm ging, denn die Zeiger standen jahrzehntelang still. Gerhard Spörl wurde vor 77 Jahren direkt neben dem Turm, in der ehemaligen oberen Apotheke in Kronach, geboren. Das Haus musste später dem heutigen Rathaus weichen.

Schon als kleinem Jungen ist Gerhard Spörl aufgefallen, dass die Uhr nicht mehr tickt. Das weckte seine Neugier. Schließlich musste es ja einen Grund für den Stillstand der Uhr geben und genau den wollte er herausfinden. Immerhin ist der Turm von vielen Stellen der Stadt zu sehen. Da sollte die Uhrzeit schon stimmen.


Ältestes Gebäude Kronachs
Der Kronacher Stadtturm gab es schon im frühen 13. Jahrhundert. Es ist das älteste Gebäude der Stadt. Im Jahr 1571 wurde der Turm erhöht.

Als Dach diente eine geschwungene Schieferhaube.Die Festung befindet sich oberhalb des Turmes, von dort beschoss man die Feinde. 1813 wurden die drei oberen Stockwerke abgetragen, damit sie dafür nicht im Weg standen. Das neue Dach, ein Provisorium, ist auch das heutige. Die Menschen, die im obersten Stockwerk wohnten, mussten Tag und Nacht Feuerwache halten.

Uhrumstellung Stadtturmuhr by Infranken.de

In den 70er Jahren zogen die letzten Bewohner des Turmes aus und Gerhard Spörl nutzte seine Chance. Er verstand sich gut mit dem ehemaligen Bürgermeister Baptist Hempfling. Dieser hatte Zugang zum Stadtturm. "Ich habe ihn gefragt, ob er mir nicht mal den Schlüssel für den Turm gegeben kann. Ich schau mal nach, was mit der Uhr ist, ob man da irgendwas machen kann", erzählte Spörl. Der Bürgermeister hat ihm bereitwillig den Schlüssel ausgehändigt.

Dann stieg Spörl zum ersten Mal die über hundert schmalen Stufen des Turmes empor.

Die Überraschung: Die Uhr war intakt. Dennoch standen die Zeiger auf der drei. Spörl stellte fest, dass die Uhr einmal täglich mit einer Kurbel aufgezogen werden muss.

Ein Gewicht von 60 Kilogramm hätte täglich zwei Stockwerke hochgezogen werden. "Das habe ich einige Wochen lang gemacht, dann wurde mir das zu dumm", sagte Spörl. Er tüftelte und kam auf eine Idee, die ihm noch heute erspart, sich täglich um die Uhr zu kümmern. "Die Sache ist vielleicht primitiv, aber auch wirkungsvoll."


Bohrmaschine ersetzt Kurbel
Er entfernte die Kurbel und schloss eine Bohrmaschine an. Sobald das schwere Gewicht der Uhr am Boden aufkommt, betätigt es ein Relais, das mit der Bohrmaschine verbunden ist. Diese setzt sich in Bewegung und zieht das Gewicht die zwei Stockwerke nach oben.

Dann schaltet sich die Bohrmaschine wieder aus und die Uhr tickt die nächsten 24 Stunden weiter. "Das ist eine Sache, die seit Jahrzehnten problemlos funktioniert", erklärt Spörl.

Doch zwei Mal im Jahr muss er hoch in den Turm. Immer dann, wenn die Uhr umgestellt wird. Spörl freut sich darauf. Er läuft wieder die Stufen hinauf, vorbei am Uhrwerk, bis zur Wohnung im sechsten Geschoss. Diese hat Stefan Wicklein zu einer Art Museum gemacht. Ein altes Grammophon steht im Eck, alte Möbel. Spörl mag diesen Raum. "Das alte Kronach", sagt er. Durch die Fenster kann er über die ganze Stadt schauen.

Doch erst einmal öffnet er eine schmale Tür. Darin verstecken sich zwei Zahnräder. Sie übertragen das Uhrwerk einen Stock nach oben zum Zifferblatt. "Das Getriebe der Stunden und Minutenzeiger ist direkt im Mauerwerk untergebracht", sagt Spörl und dreht an den Rädern. "Man kann die Uhr leicht nachstellen, in dem man die beiden Räder voneinander entfernt und sie in die entsprechende Stellung bringt" erklärt Spörl und fügt hinzu: "Das ist das ganze Geheimnis."

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