Kronach
Prozess

Geldgier statt Pizzahunger

Ein Trio aus dem Landkreis Kronach bestellte im April eine Familienpizza zu einem Parkplatz in Mitwitz, um dann den Kurierfahrer zu überfallen.
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Für zwei Jahre muss ein 26-Jähriger hinter Gittter, der noch unter Bewährung stand, ein 22-jähriger Mittäter kam mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldauflage davon. Symbolfoto: Christopher Schulz, dpa
Für zwei Jahre muss ein 26-Jähriger hinter Gittter, der noch unter Bewährung stand, ein 22-jähriger Mittäter kam mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldauflage davon. Symbolfoto: Christopher Schulz, dpa

Eine Pizzabestellung weit nach Feierabend an einen bestimmten Ort zu liefern, ist ein Alltags- und Nachtgeschäft für italienische Imbissrestaurants. Ein dick belegter Familienfladen wurde im April von einem Handyanrufer bei einem Lokal in Küps bestellt, mit Lieferadresse Mitwitz, Parkplatz Wasserschloß. Keine hungrige Gesellschaft, sondern eine dreiköpfige Räuberbande empfing damals den 57-jährigen Kurierfahrer vor Ort. Wie sich herausstellte, war das Trio nicht scharf auf die 21 Euro teure Pizza, sondern auf die Tageseinnahmen des Lieferanten.

Wegen versuchten Raubes und gefährlicher Körperverletzung musste sich am Dienstag vor dem Kronacher Schöffengericht zwei der einst geldgierigen Männer im Alter von 26 und 22 Jahren verantworten. Ein weiterer mutmaßlicher 17-jähriger Mittäter, der inzwischen im Landkreis Sonneberg wohnt, muss sich in in den kommenden Wochen vor Gericht wegen Mittäterschaft verantworten. Als Zeuge sagte der Minderjährige bereits am Dienstag in Kronach aus. Er wurde von Polizeibeamten zu Hause abgeholt und vorgeführt.

Verteilt wurden die Strafanteile für den Überfall von Richterin Claudia Weilmünster am späten Nachmittag bereits zu zwei Drittel. Der mehrfach vorbestrafte und unter Bewährung stehende 26-Jährige muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Der Jüngere erhielt eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten, 2000 Euro muss er an eine gemeinnützige Einrichtung überweisen. Die Angeklagten hatten sich nach eigenen Aussagen eine Bargeldausbeute von 700 Euro erwartet. Nach dem Überfall hatten sie trotz gelungenem Tatablauf das Bargeld, welches 200 Euro betrug, und auch die Familienpizza am Tatort zurück gelassen.

Nach Angaben des 26-Jährigen seien alle drei am Abend in einem Lokal auf die Idee gekommen, den Küpser Pizzaboten zu überfallen. Sein 22-jähriger Kumpel und Mittäter habe einmal als Aushilfe in dem Küpser Lokal gearbeitet und habe gewusst, dass sein Ex-Kollege, der 57-Jährige, in dieser Nacht alleine unterwegs sein werde. Gemeinsam habe man einen Tatplan zur praktischen Durchführung geschmiedet und die jeweiligen organisatorischen Aufgaben für den Überfall untereinander verteilt.

Der Angeklagte begründete: "Wir haben alle schnell Geld gebraucht, das war der einfachste und sicherste Weg. Wir dachten, der hat viel Geld dabei". Schon vor dem Eintreffen des Lieferanten sei klar gewesen, dass er und sein mitangeklagter Kumpel im Gebüsch lauern würden, während der 17-Jährige den Fahrer in ein Gespräch verwickeln sollte. Gesagt, getan: Der Jüngste habe dem Boten vor der dunklen Turnhalle und am dunklen Parkplatz erklärt, dass erst noch Geld holen müsse. Er selbst sei dann aus dem Gebüsch gesprungen und habe den Boten geschubst, der sofort zu Boden fiel.

Den Tatverlauf bestätigte der 22-jährige Mitangeklagte. "Die Geschichte stimmt aber nicht so ganz", fügte er hinzu. So sei er lediglich für den Raub des Geldbeutels eingeteilt gewesen. Als der Lieferant aber am Boden lag, hätten ihn unerwartet Skrupel gepackt. "Ich konnte es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren". Die Richterin: "Sie waren also der Gute im Spiel?"

Beute und Pizza blieben zurück

Beide Angeklagte gaben zu, dass man nach dem Überfall ohne Beute geflüchtet sei. Im Auto habe es Streit gegeben, warum der Geldbeutel nicht mitgenommen wurde, weshalb man nun trotzdem kein Geld habe. "Wir haben uns angeschrien, weil es nicht so gelaufen ist, wie es sollte." Dann sei man noch einmal zum Tatort zurück gefahren, jedoch ergebnislos, der Geldbeutel sei weg gewesen.

"Ich bin von zwei Leuten geschubst worden", bestätigte der 57-Jährige Überfallene. Durch die Gewalteinwirkung sei er mit dem Kopf gegen den Kofferraumdeckel geknallt und habe sich eine Beule und eine Kratzwunde zugezogen. Es ging alles ganz schnell, schließlich seien die drei Täter geflüchtet. Gewundert habe er sich, dass das Bargeld und die Familienpizza noch da waren.

Eine Freiheitsstrafe von drei Jahren wollte Staatsanwalt Frank Dietze für den 26-Jährigen, der vor dem Überfall bereits unter Bewährung stand; ein Jahr und neun Monaten zur Bewährung und die verhängte Geldauflage für den Jüngeren.

Die Verteidiger Josef Geiger und Albrecht von Imhoff glaubten, dass ihre Mandanten nicht wegen versuchten Raubes verurteilt werden sollten, da diese letztlich freiwillig auf die Beute verzichteten.

"Kein Abrücken vom Tatplan"

Anders sah dies die Richterin in ihrem Urteil. "Es war kein Abrücken vom einst gefassten Tatplan." So wie es eine Absprache zur Tat gegeben habe, hätte es vor Ort auch noch eine Absprache für das Nichtdurchführen geben müssen, diese habe jedoch nicht stattgefunden.

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