Kronach
Urteil

Gefängnisstrafe wegen versuchten Totschlags

Der Mann aus dem Landkreis Kronach, der seine Ex-Freundin mit dem Schraubenzieher attackiert hat, muss für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter.
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Der 58-Jährige muss in Haft - hier ein Symbolbild - und außerdem 8000 Euro Schmerzensgeld an seine ehemalige Lebensgefährtin zahlen.Imago/Archiv
Der 58-Jährige muss in Haft - hier ein Symbolbild - und außerdem 8000 Euro Schmerzensgeld an seine ehemalige Lebensgefährtin zahlen.Imago/Archiv
Der 58-Jährige muss außerdem 8000 Euro Schmerzensgeld an die 42-jährige Geschädigte zahlen. Die erste große Strafkammer am Landgericht Coburg sah den Tatbestand des versuchten Totschlags gegeben. Die Merkmale eines Mordversuches stellte die Strafkammer nicht fest.

Mit den Worten "Glück gehabt" , so die Vorsitzende Richterin Bianca Franke, habe der Gutachter die Verletzungen der Frau beschrieben. Demnach hat der 58-Jährige mit einem Schraubenzieher mehrfach auf die Frau eingestochen. " Die Stiche erfolgten mit Wucht durch die Bauchdecke.Glücklicherweise wurden keine lebenswichtigen Orange verletzt", so die Richterin. Die Stiche hätten laut Richterin Franke genauso gut den Oberkörper oder den Kopfbereich treffen können.

Die Kammer ging davon aus, dass sich die Ereignisse so zugetragen haben, wie sie von der Geschädigten erzählt wurden. "Es war vielleicht sprunghaft geschildert, aber die Kammer ist zu der Überzeugung gekommen, dass sie es genauso erlebt hat," so Richterin Franke. Demnach kam das einstige Liebespaar aus unterschiedlichen Kulturkreisen. So lernte der türkisch-stämmige traditionsbewusste Mann die temperamentvolle Frau aus der Ukraine kennen. In der Beziehung kam es vermutlich aus Eifersucht zu Spannungen, Streit und Gewalt. Nach der Trennung pflegten die beiden wegen der drei gemeinsamen Kinder, weiterhin regelmäßigen Kontakt.
Wie die Richterin ausführte, war der Auslöser für die Tat Streit um das Sorgerecht der Kinder, ein Wiederaufnahmeverfahren eines Strafverfahren gegen den Angeklagten und Eifersucht. "Die lebensfrohe Frau machte keinen Hehl daraus, dass ein anderer Mann in ihrem Leben getreten ist." Am Tattag zog sich der 58-jährige Handschuhe an, holte einen Schraubenzieher aus dem Handwerkskasten und stach auf die Frau mit Wucht ein.
Es kam zwischen dem Paar zu einem Gerangel, in der Folge ließ der Mann von der Frau zwar ab, griff aber erneut viermal an. Es kam schließlich zu einem "Katz und Maus-Spiel" vor dem Haus, wo er die Frau verfolgte. "Seinen Entschluss, von der Frau abzulassen, kam nicht von alleine, sondern weil ein Zeuge dazu gekommen ist", so die Richterin. Das Gericht ging davon aus, dass der Mann in der Absicht handelte, die Ex-Freundin zu töten. Dafür spreche auch sein Ausruf: "Ich werde Dich umbringen.”
Wie Richterin Franke weiter ausführte, habe die Kammer reichlich überlegt, ob der Mann in Mordabsicht gehandelt habe. "Wir haben lange diskutiert, ob die Heimtücke und die Arg- und Wehrlosigkeit der Nebenklägerin vorlag," so Franke. Letztendlich konnte dies nicht nachgewiesen werden. Oberstaatsanwalt Martin Dippold hatte wegen versuchten Mordes ein Strafmaß von neun Jahren gefordert. Dies wich weit von dem Strafmaß ab, das Rechtsanwalt Oskar Steiger für seinen Mandanten für angemessen hielt. Steiger plädierte für sieben Monate ohne Bewährung. Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort die Tat bedauert und bekräftigt, er habe niemanden töten wollen.


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