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Gebaut wird in Kronach fast immer

Die Auftragslage der Firma Otto Mühlherr ist gut. Und das wird laut Prokurist Jörg Eberlein auch so bleiben.
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In Thonberg baut die Firma Otto Mühlherr einen Regenwasserentlastungskanal sowie ein Regenwasserüberlaufbecken - auch von Regen und kühlen Temperaturen lassen sich die Arbeiter nicht schrecken.
In Thonberg baut die Firma Otto Mühlherr einen Regenwasserentlastungskanal sowie ein Regenwasserüberlaufbecken - auch von Regen und kühlen Temperaturen lassen sich die Arbeiter nicht schrecken.
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Schon seit Mitte der 90er Jahre steckt die Baubranche in der Krise. Etliche Baufirmen haben diese Krise nicht meistern können und mussten aufgeben. Ganz anders die Otto Mühlherr-Baugesellschaft. Prokurist Jörg Eberlein ist zuversichtlich, dass die Auftragslage auch in Zukunft stabil bleibt.

Die Zeiten ändern sich - und mit den Zeiten müssen sich auch die Firmen wandeln. Das ist das Geheimrezept, das sich Prokurist Jörg Eberlein zu Eigen gemacht hat. "Früher haben wir vor allem Einfamilienhäuser gebaut, aber das ist heute viel weniger", erklärt der Prokurist. "Der Einfamilienhausbau ist nur noch ein geringer Teil des Gesamtumsatzes", gibt Eberlein offen zu. Doch das Bauunternehmen Mühlherr ist trotzdem mit der Auftragslage zufrieden. "Wir konnten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23 Millionen Euro vorweisen, in diesem Jahr liegen wir bei 22 Millionen Euro, aber das Jahr ist noch nicht zu Ende", erklärt Eberlein und ist über die stabile Auftragslage sehr zufrieden.

In der gesamten Region gibt es derzeit Mühlherr-Baustellen. Sie sind leicht an den Schildern mit den drei stilisierten Ziegelsteinen, auf denen die Buchstaben OM prangen, zu erkennen. Tatsächlich ist Mühlherr im Hoch- und Tiefbau aktiv, aber auch Ingenieurbau, schlüsselfertiger Wohnungs- und Industriebau sowie eine eigene Planungsabteilung und eine Dachdeckerabteilung runden das Portfolio ab. Als regelrechtes Boomgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren der Bau von schlüsselfertigen Pflegeeinrichtungen erwiesen. Mühlherr hat die Seniorenheime in Buttenheim mit 60 Plätzen gebaut, das Seniorenheim in Adelsdorf mit 68 Plätzen, das Seniorenheim in Baunach erweitert, das Seniorenzentrum in Gundelsheim mit 52 Plätzen. Allein diese Maßnahmen schlugen mit einem Auftragsvolumen von 14,3 Millionen Euro brutto zu Buche.

Wohnanlagen für Senioren
Darüber hinaus hat sie in Scheßlitz eine seniorengerechte Wohnanlage mit 14 Einheiten gebaut. Und auch die Erweiterung der Fachklinik in Hutschdorf für alkoholkranke Frauen - das "Haus Immanuel" - mit einem Auftragsvolumen von mehr als sechs Millionen Euro geht auf das Konto der Küpser Baufirma. Derzeit prangen die OM-Schilder an den Baustellen in Thonberg. "Wir bauen einen Regenwasserentlastungskanal und ein Regelwasserüberlaufbecken für ein Volumen von 200 000 Euro", schildert Eberlein die klassischen Tiefbauarbeiten. Wegen der Witterung haben die Bauarbeiter auf dieser Baustelle derzeit schon ein bisschen zu klagen.

Denn die Baustelle ist morastig und äußerst feucht. Davon lassen sich die Männer allerdings nicht schrecken. Denn sie wissen: Die ruhige Zeit kommt schon noch. "Im vergangenen Jahr konnten wir zwischen Mitte Januar und Mitte Februar nicht arbeiten. Dann werden Überstunden abgefeiert, Urlaub weggemacht oder auch gestempelt. Wenn das Wetter passt, dann arbeiten wir natürlich im Winter durch. Aber manchmal geht das einfach nicht", so Eberlein.

Auch Dachdecker dabei
Doch die Schlechtwetterphase ist in den Zeitplänen der aktuellen Baustellen mit einkalkuliert. "Der Zeitdruck wird immer schlimmer, aber die Baubranche ist nun einmal wetterabhängig", so Eberlein.
Seit vergangenem Jahr hat sich das Portfolio der Firma Mühlherr auch um Dachdecker- und Verkleidungsaufgaben erweitert. Die Firma Dressel aus Ludwigsstadt mit zehn Mitarbeitern wurde übernommen. Derzeit stellt Mühlherr in diesem Bereich bei der Firma Wiegand in Steinbach am Wald Können unter Beweis.

Zu den größeren Aufträgen zählen auch Brückenbauten und Industriebauten, verrät der Prokurist. In diesem Bereich gelang es der Firma Mühlherr im Zuge des Baus der A 73 am Kreuz Rödental, den Zuschlag für drei Brücken und einen Tunnel in offener Bauweise mit einem Auftragsvolumen von acht Millionen Euro zu bekommen.

"Aber wir haben auch - wie viele Firmen - mit dem Fachkräftemangel in der Region zu kämpfen", gibt Eberlein offen zu. "Die Realschulabgänger drängen jetzt eher in den Industriebereich, weil die Arbeitsplätze sauberer sind. Aber wir stellen eigentlich nur noch Lehrlinge mit qualifiziertem Hauptschulabschluss ein - mindestens. Denn sie müssen auch Qualität mitbringen und müssen selbstständig mitdenken können. Das ist auf dem Bau heute wichtig", erklärt Eberlein. Derzeit bildet die Mühlherr-Baugesellschaft in Küps einen kaufmännischen Mitarbeiter und vier Bauarbeiter aus. "Wir haben aber auch schon den bayerischen Meister Michael Hetz hervorgebracht, jetzt arbeitet er bei uns als Polier", schildert Eberlein gute Übernahmechancen - vor allem für die erfolgreichen Azubis.

Generell geht es der Baufirma darum, den Umsatz und die Mitarbeiterzahlen derzeit zu halten. Jedes Jahr wird in die technische Ausstattung investiert: Bagger, Kleinbagger, Kräne und Hebezeuge werden peu à peu angeschafft.

Augen und Ohren offen
Meistens befinden sich die Baustellen etwa hundert Kilometer rund um Küps, aber für einen Bauherrn baut die Firma Mühlherr derzeit sogar in Bielefeld. "Wir kommen über öffentliche Ausschreibungen und über private Kontakte an die Aufträge. Man muss sich schon umsehen", gibt Eberlein offen zu und hält immer die Augen und Ohren offen. Doch einen Wunsch an die Politik hätte der Prokurist auch: Nicht immer nur nach dem billigsten Unternehmer schauen, sondern auch die Qualität muss stimmen. "Wir müssen auch leben können", sagt Eberlein.

Zur Mühlherr-Firmengruppe gehören allerdings nicht nur die Baugesellschaft, sondern auch noch die Mühlherr-Bau in Sonneberg und Mühlherr Beton in Küps sowie das Fertigteilwerk Obermain in Horb am Main, Mth Beton mit Mischanlagen in Kronach, Küps, Bad Staffelstein, Sonneberg, Kulmbach und Breitenau, das Autohaus Max Schultz sowie weitere Beteiligungen zum Beispiel im Logistikbereich.

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