Kronach
HNO-Arzt

Garantie für Arztpraxis

Wegen eines Bundesgesetzes findet der Kronacher Facharzt Wolfgang Schott keinen Nachfolger für seine HNO-Praxis. Darum will der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner das Gesetz ändern lassen.
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Die HNO-Praxis von Wolfgang Schott soll in jedem Fall erhalten bleiben. Dafür will der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner das Gesetz ändern.  Foto: Sandra Hackenberg
Die HNO-Praxis von Wolfgang Schott soll in jedem Fall erhalten bleiben. Dafür will der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner das Gesetz ändern. Foto: Sandra Hackenberg
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Die Sprechstunde am kommenden Freitag sollte die letzte für Wolfgang Schott sein. Mit 70 Jahren wollte der Kronacher HNO-Arzt in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Doch jetzt hat er beschlossen, noch bis zum 31. Oktober weiterzumachen.

Nachdem der Mediziner der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und der Bundesregierung unterstellt hat, sie würden verhindern, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden, schöpft Schott nun neue Hoffnung: Der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner hat seine Unterstützung zugesagt und will eine Gesetzesänderung auf den Weg bringen.

Heute tagt der regionale Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns in Bayreuth. "Ich erwarte, dass mein Vorschlag, dass meine Praxis eine Filialpraxis des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) wird, abgelehnt wird", befürchtet Schott, der in den vergangenen Wochen Unterschriften gesammelt hat, um Druck auf die KVB auszuüben.

Monatelang war er auf der Suche nach einem Nachfolger - ohne Erfolg: "Es ist ganz schwierig, einen HNO-Arzt zu finden, der sich im ländlichen Raum niederlassen will."

Gesetz verbietet Übernahme

Lediglich das MVZ in Bad Neustadt an der Saale hatte Interesse an einer Übernahme. Das ist laut Gesetz aber nicht möglich, weil das MVZ in Unterfranken und somit außerhalb des zugelassenen Planungsbereichs liegt. "Entweder wird die Gesetzgebung geändert oder die KVB bekommt mehr Spielraum", formuliert Baumgärtner seine Forderung in deutlichen Worten. "Aber so, wie es jetzt läuft, läuft es nicht. Es kann nicht sein, dass wir als ,Feuerwehr‘ unterwegs sind."

Vor allem in ländlichen Regionen werde das Problem immer wieder auftauchen, dass sich kein Arzt aus demselben Planungsbereich findet, der eine Praxis übernehmen will.

Das Bayerische Gesundheitsministerium hält dagegen, dass das Gesetz dafür da ist, den Status quo der medizinischen Versorgung zu erhalten.

Schotts Fall wird geprüft

"Wären planungsbereichsüberschreitende Zulassungsverlagerungen möglich, stünde zu befürchten, dass sich immer mehr Arztsitze in Metropolregionen konzentrieren würden und die Versorgung in ländlichen Regionen durch in eigener Praxis niedergelassene Ärzte noch stärker ausdünnen würde", sagt Pressesprecher Jörg Säuberlich.

Allerdings gehe man derzeit dem Fall von Schott nach und hole Stellungnahmen, unter anderem von der KVB, ein. "Dabei prüfen wir auch, ob der Sachverhalt Anhaltspunkte für Nachbesserungsbedarf aufseiten des zuständigen Bundesgesetzgebers liefert."

Der Kampf um einen Nachfolger für Schott war am Montag auch Thema im Stadtrat. "Ich mache darauf aufmerksam, dass die Stadt und der Landkreis Kronach vor einem gefährlichen ärztlichen Notstand stehen", mahnte Angela Degen-Maudaus (Frauenliste), die ebenfalls Ärztin ist. Für potenzielle Nachfolger müssten finanzielle Anreize geschaffen werden.

Bis zum Ärzte-Notstand will es Jürgen Baumgärtner im Landkreis Kronach nicht kommen lassen: "Es wird nach dem 31. Oktober weitergehen", verspricht er. "Die Praxis wird bestehen bleiben."

Bis das Gesetz geändert wird, können Jahre vergehen - Zeit, die Wolfgang Schott nicht hat: "Eine Gesetzesänderung kommt für mich zu spät. Ich hoffe, dass eine Sonderlösung gefunden wird."

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