Weißenbrunn
Aufregung

Gampertbräu auf Rechtsrock-Festival? "Beweisfoto" sorgt im Internet für wütende Reaktionen

Nicht nur die Förster-Fans waren schockiert - auch die Weißenbrunner Brauerei selbst.
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Das Foto eines Ausschankwagens mit Werbung von Gampertbräu beim Rechtsrock-Festival im südthüringischen Thermar machte am Samstag auf Facebook die Runde - und sorgte für Kritik an der Weißenbrunner Brauerei. Foto: Marian Hamacher
Das Foto eines Ausschankwagens mit Werbung von Gampertbräu beim Rechtsrock-Festival im südthüringischen Thermar machte am Samstag auf Facebook die Runde - und sorgte für Kritik an der Weißenbrunner Brauerei. Foto: Marian Hamacher

Eine unschönere Bildkomposition hätte sich Anette Höfner wohl kaum vorstellen können. In weißen Buchstaben prangt der traditionelle Gampertbräu-Schriftzug auf der Vorderseite eines Ausschankwagens. Soweit, so gewöhnlich. Problematisch wird es für die Geschäftsführerin der Weißenbrunner Brauerei allerdings durch das, was ein paar Meter davor zu sehen ist: Ein Banner der rechtsextremen Kleinpartei NPD, das an einem Bauzaun befestigt ist.

Ein Banner, in dessen Umgebung die wenigsten Firmen auftauchen wollen dürften. Ebenso wenig wie an dem Ort, den der Bauzaun eingrenzt - den des Rechtsrock-Festivals in der südthüringischen Kleinstadt Themar. "Wir sind aktuell noch ziemlich geschockt", sagt Höfner am Montag im Gespräch mit dem Fränkischen Tag.

Ein übliches Vorgehen

Am frühen Samstagabend machte das Foto auf dem sozialen Netzwerk Facebook die digitale Runde und tauchte rasch auch auf Höfners Bildschirm auf. "Gampertbräu heute auf dem Nazi-Rockfestival in Themar!", hatte ein Facebook-Nutzer über das Bild geschrieben, ehe er es veröffentlichte. "Schämt euch!!! Gebt Nazis keine Chance....! Und kein Bier!"

Aufgrund des Fotos sei ihr schnell klar gewesen, wer für den Ausschankwagen auf dem Festivalgelände verantwortlich sein muss, sagt Höfner und teilte dies entsprechend kurze Zeit später ebenfalls auf Facebook mit. "Wir, die Gampertbräu, haben nichts damit zu tun und distanzieren uns deutlich von solchen Veranstaltungen", schrieb sie auf der Seite ihrer Brauerei. "Der Wagen gehört einem Großhändler, welcher vor Jahren diesen Wagen beklebt bekommen hat."

Nazi-Konzert

In der Branche sei das ein übliches Vorgehen, erklärt die Geschäftsführerin. "Verschiedene Großhändler, mit denen wir zusammenarbeiten, fragen uns an, ob sie einen Aufdruck auf ihren Ausschankwagen haben können. Und im Regelfall stimmen wir dann auch zu." Schließlich handelt es sich um Werbung, die - einmal finanziert und angebracht - im besten Fall jahrelang auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen der Region zu sehen ist. Das Problem: Im Zweifelsfall auch auf fragwürdigen. Denn vorschreiben könne eine Brauerei Großhändlern nicht, auf welchen Events sie ihr Bier nicht verkauft wissen möchte. "Ideal wäre es, wenn man vorher auf uns zukommen und fragen würde, ob man den Wagen dort aufstellen darf", so Höfner. "Aber es ist letztlich das Eigentum der Großhändler und sie können damit machen, was sie wollen."

Abgehakt ist das Wochenende für sie damit aber noch lange nicht. Nach der öffentlichen Distanzierung werde sie als nächsten Schritt das Gespräch mit dem Großhändler suchen und fragen, was sich dieser dabei gedacht hat. "Denn jeder in Oberfranken kennt ja eigentlich Themar", sagt Höfner. Sie kenne den Mann zwar nicht persönlich, aber so wie es ihr geschildert wurde, habe sich dieser "einfach nichts dabei gedacht, wo er seinen Wagen abstellt".

Welche Konsequenzen Gampertbräu aus dem vergangenen Wochenende ziehe, hänge nun von der Reaktion des Großhändlers ab. "Wenn er wirklich ein Rechtsextremer ist, muss man die Zusammenarbeit natürlich beenden und ihn nicht mehr beliefern", betont sie. Falls er dies nicht sein sollte, sich entschuldigt und erklärt, sich nicht ausreichend informiert und zu kurzsichtig gehandelt zu haben, bekomme er eine zweite Chance. "Ich kann den Mann ja deswegen nicht kreuzigen", meint die Geschäftsführerin.

Was schwierig wird

Ob die Brauerei rechtliche Schritte einleiten wird, stehe noch nicht fest. Sowohl auf Facebook als auch per Mail sei sie dazu aufgefordert worden, sagt Höfner. "Ich weiß aber nicht, ob das Sinn macht. Ist es geschäftsschädigend? Keine Ahnung, ob ich da Chancen habe."

Vermutlich nicht, schätzt die Kronacher Rechtsanwältin Sabine Gross. "Nachträglich etwas zu machen, wird schwierig." Schließlich sei das Festival längst beendet und ein Schadensersatz schwer zu beziffern. Möglich wäre es allerdings, für die Zukunft eine Unterlassung zu verlangen. "Aber das geht nur bei rechtswidrigen Maßnahmen." Das fragwürdige Festival in Themar war allerdings angemeldet und genehmigt. "Man muss sich einfach damit abfinden, dass das Grundgesetz auch jene schützt, die es tief verachten und am liebsten außer Kraft setzen würden", sagt Gross. Als Brauerei bleibe nur die Möglichkeit, mit Großhändlern, die dort Getränke verkaufen wollen, nicht mehr zusammenzuarbeiten.

Nah geht Anette Höfner der Vorfall vor allem vor dem Hintergrund, dass Gamperts Markenzeichen vor einigen Jahren schon einmal von Rechten vereinnahmt wurde. Damals tauchte der weißbärtige Förster in WhatsApp-Gruppen sowie sozialen Netzwerken als Fotomontage auf und zeigte den Hitlergruß. Der Fall landete sogar beim Staatsschutz, wurde aber nicht aufgeklärt. "Diese Personen wissen sich leider so gut zu tarnen, dass man sie nicht entdeckt", weiß Höfner. "Und wenn man es über Facebook publik macht, heißt es dann: Wo Rauch ist, ist auch Feuer. "

Ein kleiner Trost für die Brauerei: Sonderlich viel Weißenbrunner Bier dürfte nicht durch die Kehlen der Rechtsextremen geflossen sein. Am Freitag gestattete die Polizei aus Sicherheitsgründen lediglich den Ausschank von Leichtbier mit bis zu 2,7 Prozent Alkohol, am Samstag herrschte sogar komplettes Alkoholverbot.

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