Kronach
Umstellung

Funklöcher werden 2015 gestopft

Der Digitalfunk soll im kommenden Jahr im Bereich der Integrierten Leitstelle Coburg Einzug halten. Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren.
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Die neue Technik immer auf dem Schirm: Klaus Langer verweist auf die Unterlagen der Regionalen Projektgruppe DigiFunk ILS Coburg. Geräte wie das dort abgebildete sind in der Region jedoch noch rar gesät, weil die Ausschreibungen dafür noch am Laufen sind. Foto: Marco Meißner
Die neue Technik immer auf dem Schirm: Klaus Langer verweist auf die Unterlagen der Regionalen Projektgruppe DigiFunk ILS Coburg. Geräte wie das dort abgebildete sind in der Region jedoch noch rar gesät, weil die Ausschreibungen dafür noch am Laufen sind. Foto: Marco Meißner
Was tun, wenn's brennt und keiner kommt? Diese provokante Frage stellt die Feuerwehr im Zuge ihrer Nachwuchswerbung. Eine andere Frage, die sich bei Notfällen bald nicht mehr stellen soll, lautet: Was tun, wenn einer kommt, den aber keiner mehr hört?

Gerade in unserem Mittelgebirgsraum keine unberechtigte Überlegung, denn der Analogfunk, den Brandschützer, Polizei, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk nutzen, stößt bei der Netzabdeckung an seine Grenzen. Nun soll's der Digitalfunk richten. Die Weichenstellungen dafür prägen schon seit Wochen die Tagesordnungen der Stadt- und Gemeinderatssitzungen.

"Im Digitalfunk wird das Netz der Sendemasten wesentlich dichter", erhofft sich Klaus Langer ab 2016 eine deutliche Verbesserung des Funkverkehrs bei Polizei und Hilfsdiensten.
Und der Mann vom Lichtenfelser Landratsamt weiß, wovon er spricht, gehört er als Leiter der "Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit" doch der "Regionalen Projektgruppe Digitalfunk" für den Bereich der Integrierten Leitstelle Coburg an.

Von einer 99,6-prozentigen Netzabdeckung durch den Digitalfunk ist seiner Aussage nach allgemein die Rede. "Oberbayern-Nord und Mittelfranken sind schon im Probebetrieb. Die Erwartungen haben sich dort bestätigt, wenn sie nicht sogar übertroffen wurden", sagt Langer in der Zuversicht, dass das neue Funksystem auch bei uns gut funktionieren wird.

"Auslöser war sicherlich die Polizei, die Probleme in der Funkversorgung hat. Es gibt Funklöcher in den Tälern. Das gilt auch für den Rettungsdienst", schildert Langer die Gründe für das funktechnische Umdenken in Bayern. Auch die mangelnde Abhörsicherheit sei ein wichtiger Grund für den Wechsel hin zum digitalen Funkverkehr.
Der Freistaat sei eines der letzten Bundesländer, die diesen Schritt vollziehen. Und Oberfranken wiederum sei der drittletzte Regierungsbezirk in Bayern, der die Umstellung des Funks in Angriff nimmt.

Dass so ein Vorhaben nur schrittweise vollzogen werden könne, liege auch daran, dass der Digitalfunk ein Bürokratiemonster sei. "Man muss vieles vorplanen", unterstreicht Langer. Das reicht von der Einteilung der Gruppen, die man mit der neuen Technik bilden kann, über die stufenweisen Schulungen der Einsatzkräfte bis hin zu der individuellen Sicherheitskarte, die für jedes Gerät angefordert werden muss. Außerdem müssen die Standorte für die Funkmasten präzise geplant werden. Am Reißbrett oder besser gesagt mit einem Computerprogramm lässt sich die optimale Verteilung schon vorab berechnen. "In der Regel geht man da auf die schon vorhandenen Mobilfunkmasten", ist Langers Erfahrung. Überhaupt sei die Technik des Digitalfunks dem Handy-Telefonieren sehr ähnlich.

Vorteile für Einsatzkräfte

Schon seit Mai 2013 laufen die Vorbereitungen in der heimischen Region. Zunächst wurde eine Projektgruppe mit allen Beteiligten gebildet. Dann wurden Schulungen durchgeführt. "Auch der Kreis Kronach ist in der ,Projektgruppe Digitalfunk‘ vertreten. Dort läuft alles ganz normal - wie in anderen Kreisen auch", ist Langer froh, dass Gegenwind aus der Bevölkerung - wie etwa im südlichen Freistaat - bei uns nicht zu spüren ist. Denn in Sachen Netzabdeckung, Abhörsicherheit und somit Datenschutz, Bedienbarkeit und Leistungsspektrum sieht der AG-Leiter entscheidende Vorteile im Digitalen für Polizei und Hilfsdienste, die letztlich den Menschen zugute kommen.

Bis Mai sollen die Ergebnisse der laufenden Ausschreibungen für die Funkgeräte der Feuerwehren vorliegen, blickt Klaus Langer nach vorne. Ein sehr ausgiebiger Testlauf steht ab Februar 2015 an, ehe ab Oktober 2015 der so genannte Wirkbetrieb - also die alltägliche Nutzung - beginnen soll. Dabei arbeitet man aber mit Netz- und doppeltem Boden - sprich: der analoge Funk bleibt parallel in Betrieb, bis alles hundertprozentig klappt. "Das dürfte wohl so Mitte 2016 sein." Dann soll die kritische Frage nach der Nicht-Erreichbarkeit der Einsatzkräfte im Ernstfall endgültig aus der Welt sein. Auf eine andere Frage hat Langer momentan jedoch noch keine Antwort parat: Was passiert dann mit den alten Geräten?

Das ändert der Digitalfunk

Vom Digitalfunk erwarten sich die Nutzer diverse Verbesserungen gegenüber dem Analogfunk:

  Es gibt ein gemeinsames Funknetz für alle Beteiligten. "Benutzergruppen" können frei eingerichtet werden.

  Die Qualität der Verständigung wird erheblich verbessert, weil Nebengeräusche ausgefiltert werden.

  Der Digitalfunk gilt auf Grund seiner eigenen Verschlüsselung und einer zusäzlichen Kryptierung als abhörsicher.

  Auch Daten können weitergeleitet werden.

  Funkteilnehmer wie auch Telefonnetze können gezielt angewählt werden.

  Die Geräte können einen Notruf samt GPS-Daten des eigenen Standorts absetzen.

  Neben dem Netzbetrieb ist auch das Funken von Gerät zu Gerät möglich.
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