Mitwitz
Schulanfang

Für Mitwitzer Montessori-Schüler beginnt ein neuer Lebensabschnitt

Erwartungsvoll starteten die Erstklässler in ihren ersten Schultag an der Montessorischule in Mitwitz. Diese arbeitet nach einem ganz anderen Prinzip als der Großteil der Regelschulen.
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Die Erstklässler der Montessorischule Mitwitz konnten es gar nicht mehr abwarten in ihre Schultüten zu schauen. Foto: Theresa Heim
Die Erstklässler der Montessorischule Mitwitz konnten es gar nicht mehr abwarten in ihre Schultüten zu schauen. Foto: Theresa Heim

Mitwitz"Am meisten freue ich mich auf den Sportunterricht und auf neue Freunde", sagt freudestrahlend der kleine Maxim, dessen Schultüte derweil mit Lego- Spielsachen gefüllt ist. Gemeinsam mit 30 anderen ABC-Schützen hatte er am Dienstag seinen ersten Schultag an der Montessorischule Mitwitz.

Auf die Erstklässler und ihre Eltern wartete ein buntes Rahmenprogramm, bestehend aus musischen und kreativen Aufführungen anderer Schüler in der Aula. "Die ersten Tage dienen vor allem der Organisation und dem gegenseitigen Kennenlernen", erklärt Schulleiterin Annett Hamberger. "Außerdem erhält jeder der Neuankömmlinge einen Bus- und Pausenpaten zur besseren Orientierung an der Schule."

Montessori-Pädagogik im Fokus

Der Alltag an Montessorischulen ist anders als an anderen Schulen ganz vom Motto "Hilf mir, es selbst zu tun" geprägt, welches auf die Pädagogin Maria Montessori zurückgeht. Das Ziel ist es demnach, bereits die Jüngsten zur Selbstständigkeit zu erziehen. Zwar orientiert sich das Pädagogikprinzip am bayerischen Lehrplan, allerdings passt sich der Arbeitsplan individuell an den Wissensstand des jeweiligen Schülers und sein Befinden an. Anstelle von regulären Klassen treten hier die sogenannten Lerngruppen, die bei individuellen Fortschritten oder Problemen auch einen Schülertausch untereinander ermöglichen. Ferner hätten die Montessorischüler die Möglichkeit, sich am Nachmittag in verschiedenen Kursen weiterzubilden. Beispielsweise gibt es einen Kreativraum.

In den verschiedenen Lerngruppen fungieren neben der Lehrkraft zudem pädagogische Fachkräfte, wie beispielsweise Sozialpädagogen oder Kinderpfleger. Fächer wie Mathe und Deutsch sind fest im Stundenplan verankert, wohingegen Fächer wie Werken oder Informatik flexibel unterrichtet werden können. Außerdem unterscheidet sich die Montessorischule von einer Regelschule darin, dass es keine Prüfungen gibt, sondern lediglich Wissenstests. Somit entfällt auch die Bewertung durch Noten, welche durch individuelles Feedback ersetzt wird. "Die entspannte Atmosphäre und der nichtvorhandene Druck spiegeln sich positiv im Verhalten unserer Schüler wieder", ist Hamberger von dieser Art des Lehrens überzeugt. Am Ende des Schuljahres gibt es anstatt herkömmlicher Zeugnisse eine Information zum Entwicklungs- und Lernprozess, die vor allem die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder dokumentiert. Selbstverständlich sei es auch möglich, verschiedene Abschlüsse an der Montessorischule zu absolvieren - sogar bis hin zum Fachabitur, das bislang in der Montessori-Fachoberschule in Kronach im sozialen Bereich erworben werden kann.

Besonderheiten dieser Schulform

"Um in den Tag zu starten und die Kinder über anstehende Aufgaben zu informieren, setzen wir auf unseren Morgenkreis. Natürlich gibt es abschließend auch einen Abschlusskreis, um die getane Arbeit zu reflektieren und über das Wohlbefinden der Kinder zu sprechen", erläutert die Schulleiterin. Des Weiteren sei es für die Montessorischulen üblich, dass es in jeder Lerngruppe einen Jahreskreis in der Mitte gibt, der zum Versammeln der Kinder dient. Besonderheiten sind auch das jährliche Pflichtpraktikum, das ab der fünften Klassen absolviert wird, und der Kurs "Lebenspraxis", in dem die Kinder Selbstständigkeit praktisch anhand von einfachen Aufgaben wie das Schneiden von Gemüse erlernen.

Worauf die gesamte Schulfamilie stolz ist, ist die Naturlerngruppe, die sich in einem Haus befindet, welches ältere Schüler größtenteils selbst restauriert haben. Hier haben die Schüler die Möglichkeit, draußen und vor allem mit Naturmaterialien zu arbeiten. Jedoch betont die Schulleiterin, dass es nur eine gewisse Anzahl an Plätzen gibt. Diese seien vor allem unter den Grundschülern beliebt.

Das gewisse Etwas

Was Schulleiterin Annett Hamberger am meisten an ihrer Schule schätzt? "Das individuelle Arbeiten mit den Kindern und die Möglichkeit zu haben, gezielt auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, gefällt mir am besten." Außerdem herrsche in der gesamten Schule ein sehr familiäres Verhältnis und es sei immer wieder schön zu sehen, wie sich die Schüler in Hinblick auf ihre Selbstständigkeit und Sozialkompetenzen weiterentwickeln würden.

Für den kleinen Maxim spielt dies an seinem ersten Schultag freilich noch keine allzu große Rolle.

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