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Kronach
Derbleckn

Fünftes Derbleckn war durchschlagender Erfolg

Bei der fünften Veranstaltung dieses Starkbierfestes in der Rosenbergalm Kronach überschlugen sich die Einmaligkeiten.
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Die bestens aufgelegten Darsteller (von links): Martin Panzer, Michael Bittruf, Birgit Shah-Räder, Philipp Mahr, Nikolai Hiesl, Tina-Christin Rüger und Eva Müller, vorne Nicolas Roth. Foto: Hans Franz
Die bestens aufgelegten Darsteller (von links): Martin Panzer, Michael Bittruf, Birgit Shah-Räder, Philipp Mahr, Nikolai Hiesl, Tina-Christin Rüger und Eva Müller, vorne Nicolas Roth. Foto: Hans Franz
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Eigentlich war bislang jedes der vier "Kronacher Derbleckn" in der Rosenbergalm ein so gut wie nicht zu übertreffender Höhepunkt. Eine Steigerung dieses Starkbierfestes war deshalb nicht zu erwarten. Doch bei der diesjährigen fünften Auflage überschlugen sich die Einmaligkeiten derart, dass man uneingeschränkt feststellen musste, dass die ohnehin hochgelegte Messlatte an Heiterkeit, Humor und Spaß noch einmal übersprungen worden ist. Was da Initiator, Ideengeber und Organisator Martin Panzer und seine Crew auf der Bühne vom Stapel ließen, hatte ein derart beachtliches Niveau, das sich vom Münchener Nockherberg-Event überhaupt nicht verstecken muss.

Ob Martin Panzer selbst als König Ludwig von Bayern oder der "Bradenloher" Mönch Martin Bittruf mit seinem Begleit-Ministranten Nicolas Roth oder die über sich hinauswachsenden Akteure des Singspiels - sie alle überzeugten durch die Bank bei vollem Einsatz in ihren Rollen.

Kommunalwahlen als roter Faden

Die Kommunalwahlen, speziell im Vorfeld die Kandidatur für das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt, zogen sich nahezu wie ein roter Faden durch die Vorstellung. Dies vor allem im Singspiel, das unter dem Motto "Angela - Schicksalstage einer Kaiserin" stand. Zum Inhalt: Kurz vor der geplanten Verlobung der angehenden Kaiserin Angela (Ex-Bierkönigin Tina-Christin Rüger) und dem amtierenden Kaiser Franz (Philipp Mahr) taucht plötzlich die Adelige Sabine (Eva Müller) mit der Behauptung auf, Franz hätte ihr die Ehe versprochen. Oberst Baumgärtner (Nikolai Hiesl) versucht mit allen Mitteln die mit Sabine geplante Ehe zu verhindern. Schließlich taucht auch noch der uneheliche Sohn Johannes (Nicolas Roth) seiner kaiserlichen Hoheit Wolfgang I. (Martin Bittruf) auf. Die Mutter des Kaisers, Luduwiga, ist außer sich. In diese Rolle war Birgit Shah-Räder geschlüpft, die mit brillanten Kostümen für die und das Schminken der Darsteller tolle Arbeit geleistet hatte. Sie schaffte es, die Schauspieler in echt aussehende Doppelgänger zu verwandeln. Dies traf insbesondere für Nicolas Roth als Kandidat Johannes Vogt (Die Linke) und für Eva Müller als Kandidatin Sabine Gross (SPD) zu.

Im Stück wird es von Minute zu Minute turbulenter und unschwer wird erkennbar, dass es um den Dreikampf für das Kronacher Bürgermeisteramt geht. Untermalt wird das erregbare Geschehen mit Liedern von Mahr, Müller, Hiesl und Roth. Letztlich stellt Oberst Baumgärtner fest: "Zwei Frauen und ein Künstler. Alle drei haben Anspruch auf den Thron. Wir lassen einfach am Sonntag das Volk entscheiden. Und wehe, einer wählt nicht die CSU...".

Eröffnung mit einem Bieranstich

Begonnen hatte das Derbleckn mit dem Bieranstich durch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW). Ein Schlag genügte ihm bei seiner letzten derartigen Amtshandlung das Doppelbock "Kronator" der Brauerei Kaiserhof unter der Anleitung von Braumeister Thomas Kaiser fließen zu lassen. Musikalisch unterhielten während des Abends erneut die Wirtshausmusikanten Ed und Jürgen. Nach seiner Premiere im Vorjahr war als Gestanzlsänger Stefan Lach wieder mit von der Partie.

Martin Gehülz als Mönch

Erster Redner war Martin Bittruf aus Gehülz, der als Mönch sich größtenteils das vorjährige Stadtgeschehen zur Brust nahm. Ob ein geplanter Stadtstrand, die fertig gestellte Festungsstraße, ein riesengroßer Omnibus-Parkplatz, die Beleuchtung des LGS-Geländes oder von der CSU an Silvester verteile Linsensuppe, an allen hat er etwas zu zerpflücken. Nicht verstehen konnte er die geplante Lebok-Seilbahn zur Festung: "Da können die Touristen ja nicht unsere mega-belebte Innenstadt wahrnehmen!" Nicht vorstellen konnte er sich, dass bei den Rosenberg-Festspielen beim geplanten Stück "Michel in der Suppenschüssel" der einzige Michael im Stadtrat mitwirken könne. "Stellt Euch vor, wie groß da die Schüssel sein muss, damit der Zwingmann mit seinem Kopf in die Suppe rein kommt." Für dessen Stadtratskollegen H.G. Simon forderte der Mönch, diesen zum Ehrenhydranten der Feuerwehr zu ernennen. Ein festes Konzept braucht der Faschingspräsident des TVE Gehülz nicht, und gerade dies macht ihn so liebenswert, wenn er auf der Bühne mit seinem Ministranten Nicolas Roth seine nicht geplanten Possen treibt. Seinem Begleiter fährt er mit "Du hältst dein Maul, du holst das Bier, ich plaudere." über den Mund.

Martin Panzer als Märchenkönig

Nach Michel Bittruf, der kürzlich mit durch die närrische Fernsehsendung "Franken Helau" aus Steinwiesen führte, kommt der Macher des Derbleckn-Spektakels, Martin Panzer. Sein Outfit lässt sofort erkennen, dass er sich diesmal als Märchenkönig Ludwig präsentieren wird. Hinzu kommt seine Sprechweise. Er wurde recht schnell aktuell, indem er auf den Corona-Virus zu sprechen kam. " Ich kann's nimmer hören. Ansteckend. Mein Gott, zu meiner Zeit da gab es Krankheiten, die konnte man gar nicht aussprechen. Dagegen war der Rinderwahnsinn eine Therapie. Mit der Vogelgrippe hatten wir noch Schafkopf gespielt..." Er könne sich gut vorstellen, dass in einigen Jahren die Menschen gefragt werden, wo sie denn im Jahre 2020 gewesen seien. Die Antwort: Händewaschen.

Wegen des BER, der so primitiv wie ein Schuhkarton ausschaue, solle im Oktober endlich die Einweihung sein. "Glauben die ernsthaft, dass man nach 14 Jahren einen gesamten Flughafen baut. Lachhaft. Mein Neuschwanstein ist heute noch nicht fertig. Dies ist quasi mein Problemflughaben." Eigentlich wollte er Schlösser nie bauen, sondern Autobahnen. Aber es habe noch keine Autos gegeben. Das "Oberministerding" Markus Söder umarme sogar Bäume. Und diese Nutzhölzer sterben als erstes. Kein Verständnis hatte Panzer dafür, dass die Granaten-Uschi, die von der Leyen Chefin der EU geworden sei. Die sei doch gar nicht zur Wahl gestanden. Hart ins Gericht ging er mit der kürzliche Wahl in Thüringen, das 1000-minütige Reich des FDPlers Thomas Kemmerich, der enthaltsamen Kanzlerin Merkel und mit den AfDlern, die mit den Dackelkrawatten. Schließlich forderte er die Wiedereinführung der Monarchie.

Verabschiedung für den Bürgermeister

Zum Abschluss gab es eine leidenschaftliche Verabschiedung für Wolfgang Beiergrößlein, dem eine Welle der Begeisterung entgegen gebracht wurde.

Diese Wertschätzung für den aus dem Amt scheidenden Bürgermeister hätte die rund 200 Besucher an zwei Tagen zu Tränen gerührt.

Warum "hätte gerührt"? Nun das diesjährige Derbleck'n fand aufgrund der aktuellen Corona-Situation unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich ein kleines Team von Helfern war in der Rosenbergalm mit anwesend. Sowohl Moderator Thomas Auer von Radio 1 als auch Steffen Mahr von der Rosenbergsalm-Geschäftsführung erklärten, dass man sich den aktuellen Gegebenheiten angepasst habe. Dafür sei man trotz dieser sehr bedauerlichen Absage auf viel Verständnis, auch bei den Kronacher Zulieferern, gestoßen. Die erworbenen Eintrittskarten würden ihre Gültigkeit für das im nächsten Jahr stattfinde Derbleck'n behalten.

Trotz der Widrigkeiten hat der Besucher-Ausschluss eine positive Begleiterscheinung. Da die Veranstaltung ausverkauft war haben nunmehr auch weitere Interessenten die Möglichkeit, dieses Spektakel anzuschauen, und dies sogar in den eigenen vier Wänden. Die Veranstaltung wurde nämlich aufgezeichnet und steht auf Youtube zur Verfügung.