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Leitschmühle
Survival-Camp

Fünf Männer üben in der Leitsch "Überleben"

Fünf Männer aus Deutschland und dem Ausland kehren der Zivilisation für vier Wochen den Rücken. Sie nehmen in der Leitsch bei Steinwiesen Abstand von der modernen Gesellschaft.
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Das Lager der Survival-Gruppe ist klein. Alles spielt sich um das Feuer und im Unterstand ab.
Das Lager der Survival-Gruppe ist klein. Alles spielt sich um das Feuer und im Unterstand ab.
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Was bringt fünf gestandene Männer dazu, vier Wochen lang in und von der Natur zu leben, auf alle Annehmlichkeiten der Zivilisation zu verzichten? Es sind keine Aussteiger. Vielmehr sind es Männer, die aus ihrem Alltag ausbrechen und unabhängig von der Gesellschaft sozusagen das Überleben üben.

Natürlich stehen sie bei diesem Unterfangen nicht allein da. Tobias Krüger, ein ausgebildeter Erlebnispädagoge - ein "Wildnislehrer", wie er selbst sagt -, begleitet und führt die Gruppe. "Es ist einerseits schon ein Abenteuer, aber andererseits auch ein Stück Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung", erklärt Krüger. Es sei ja nicht so, dass man mit Campingausrüstung, Nahrungsmitteln und womöglich noch Radio auf einen Zeltplatz gehe, wo man alles vorfinde, was man sonst noch brauche.


Kaum Annehmlichkeiten



Zwar ist die Wiese in der Leitsch als Jugendzeltplatz ausgewiesen, aber die Annehmlichkeiten fehlen. "Unsere Ausrüstung besteht aus dem Nötigsten: Rucksack, Schlafsack und Isomatte. Außerdem zweimal Kleidung zum Wechseln und ein Messer", führt der Wildnislehrer aus. Das Messer wird im Lauf der Zeit zum wichtigsten Teil des Unternehmens, dient es doch dazu, Teller und Löffel selbst zu fertigen und auch für Feuerholz, eine trockene Schlafunterlage und vieles mehr zu sorgen.
Eine Wasserflasche und Dosen zum Kochen sind die einzigen Annehmlichkeiten, welche die Teilnehmer dabei haben.

Es ist eine Erfahrung der ganz besonderen Art. Gerade Stadtmenschen fehlt ja oft das Naturbewusstsein. Hier aber erfahren sie die Natur hautnah. Sie wissen, wenn sie sich keinen guten Unterstand zum Schlafen bauen, frieren sie und werden nass, wenn es regnet. Also packen alle mit an und stellen mit den Möglichkeiten, welche die Natur bietet, etwas auf die Beine.


Zweige halten Boden trocken



So bedeckten Fichtenzweige den Boden und halten ihn trocken. Weil es im Rodachtal nicht viel Laubwald gibt, kann der Unterstand nicht aus Laub und Ästen gebaut werden; so wird auf eine Plane ausgewichen. Diese wird besonders angebracht - mit Rauchabzug, damit auch Feuer gemacht werden kann, und einem kleinen Einstieg, damit möglichst wenig Wärme entweicht. "Es ist sehr warm da drin und irgendwie auch gemütlich", ist die einhellige Meinung der Männer.

Wenn man vier Wochen auf engstem Raum zusammenlebt, sich sein Essen in der Natur besorgt, dann kennt man sich und die anderen in- und auswendig. Man spürt, ob man sich auf den anderen verlassen kann und tut dies auch instinktiv, wie die Beteiligten ihre Situation beschreiben. Man merkt, dass man unabhängig von der Gesellschaft Freiheit spüren und am Ende die "Zivilisation" wieder intensiver wahrnehmen kann. Man merkt aber auch, dass es so viel gibt, was man im Leben eigentlich überhaupt nicht braucht.


Kräuter, Kleintiere und Kartoffeln



Wildkräuter, Kleintiere, Obst von wilden Apfelbäumen und Kartoffeln, die in den abgeernteten Feldern noch zu finden sind, das sind die Hauptnahrungsmittel im Camp. Tee, aus Früchten und Kräutern gekocht, wird zur Delikatesse. Mit dem Anfertigen von Tellern und Löffeln aus Holz verschwinden auch die letzten Gegenstände aus dem "zivilisierten Alltag".

"Ganz ohne andere Nahrungsmittel sind wir aber doch nicht ausgekommen, dazu findet man hier einfach zu wenig. Wir haben dann Kartoffeln und Zwiebel und einen Hasen gekauft", muss Trainer Tobias Krüger zugeben. In früherer Zeit wäre das seiner Ansicht nach einfacher gewesen. Da gab es viel mehr Landwirtschaft, mehr Äcker und Obstbäume, einen Hasen oder Fische zu fangen, war einfacher, und auch schmackhafte Kräuter und Beeren waren in den Wäldern mehr zu finden.

Was ist das Fazit, das die jungen Männer aus dieser Erfahrung ziehen? Was nehmen sie für sich mit? "Sie alle wollen auch ihre Grenzen testen, gleichzeitig Natur erfahren und ausprobieren, ob sie wirklich vier Wochen ohne die ganzen Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation aushalten können.

Ich hatte auch schon Gruppen, wo Teilnehmer abgebrochen haben, weil sie es nicht aushielten", sagt Tobias Krüger. Die Situation in der Leitsch sei jedoch nicht schlecht; man sei ungestört und habe auch die "Waschmaschine" und das "Badezimmer", sprich einen kleinen Bach, gleich nebenan.

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