Kronach
Freundschaftsserie

Freundinnen treffen sich seit fast 30 Jahren jeden Mittwoch

Es ist fast drei Jahrzehnte her. Christine Lang war von ihrem Mann geschieden und einsam. Sie fasste den Entschluss, sich neue Freunde zu suchen. Fünf anderen ging es ähnlich. Bis heute treffen sie sich jede Woche um 19 Uhr.
Artikel drucken Artikel einbetten
Immer Mittwochs treffen sich Madlen Dorsch (von links), Evelin Franz, Gabriele Leppert, Christine Lang, Maria Kraus und Brigitte Franz zum "Quakabend", wie sie scherzhaft sagen. Seit fast 30 Jahren sind die sechs Frauen beste Freundinnen. Ihr "Club" ist ein exklusiver Verein, an dem man nicht einfach partizipieren kann. Foto: Hendrik Steffens
Immer Mittwochs treffen sich Madlen Dorsch (von links), Evelin Franz, Gabriele Leppert, Christine Lang, Maria Kraus und Brigitte Franz zum "Quakabend", wie sie scherzhaft sagen. Seit fast 30 Jahren sind die sechs Frauen beste Freundinnen. Ihr "Club" ist ein exklusiver Verein, an dem man nicht einfach partizipieren kann. Foto: Hendrik Steffens
Ein jeder kann hunderte Freunde haben. Bei Facebook jedenfalls. Aber sechs richtige zum Anfassen? Das ist seltener. Und über fast 30 Jahre? Eine Rarität. Christine Lang, Gabriele Leppert, Maria Kraus, Brigitte Franz, Mutter Evelin Franz und Madlen Dorsch haben dieses Glück. Ein Mal die Woche treffen sie sich zu ihrem "Quakabend", der für sie besser ist als jede Psychotherapie.

Seit 45 Jahren ist das Hotel Sonne in der Kronacher Innenstadt Evelin Dorschs liebstes Restaurant. "Ich habe heute meine Damen eingeladen", sagt sie und weist in die Runde. Bilder von Berühmtheiten aus früheren Zeiten blicken von holzvertäfelten Wänden auf die Sechserrunde. Der Mittwochabend ist gesetzt, da ist Freundinnenzeit.

Wie das fünfte Rad am Wagen

Am Kopf des Tischs sitzt Christine Lange, die "Frau Präsidentin", wie sie die anderen halb im Scherz nennen. Rings herum die Freundinnen.
Sie reden über ihre Männer, Kinder, Haushaltsbedarf und die optimale Gewürzmischung für den Sonntagsbraten.

"Nach meiner Scheidung habe ich ein paar Freundinnen gesucht", erklärt Christine Lang den Beginn der Treffen. "Die Gabi und die Gitti waren meine Nachbarinnen. Und dann haben wir gesagt: Ach, jetzt setzen wir uns mal a weng zusammen." Maria Kraus, die auch in Scheidung lebte, kam dazu: "Die Kinder waren groß, die Ehe ging kaputt. Und dann hat man sich einen neuen Freundeskreis gesucht." Bei den alten Freunden, meist Ehepaaren, fühlte sie sich wie das fünfte Rad am Wagen. Ihre Tochter brachte sie mit Christine Lang ins Gespräch. Sie "beschnupperten" sich bei Spaziergängen und beim Teetrinken. Fünf Jahre später stieß mit Madlen Dorsch die letzte zu den Freundinnen - die übrigens ein exklusiver Club sind.

Am Anfang war das Stricken

Mützen, Schals und Socken für die Familie haben die Frauen gemacht. "Gar nicht so viel gegessen. Und getrunken scho mal goah nix", sagt Christine Lang. Maria Kraus lacht. Mit Nadel und Garn sei sie nie so recht klargekommen, sagt sie. Stückweise brachte sie ihre Freundinnen weg von der Handarbeit. Jetzt ist die Runde ein "Strickabend ohne Garn", sagt Madlen Dorsch.

"Wir sind aber auch gereist", wirft Maria Kraus ein und legt ein Foto auf den Tisch, das die Damen 2005 beim Kaffeetrinken im Spreewald zeigt. Sie hat eine Liste dabei, auf der alle Reiseziele der Truppe stehen. Es sind 17, darunter Rom, Paris, Wien, die Toscana und heuer die Amalfiküste in Westitalien. Bei jedem Treffen geben die Freundinnen je fünf Euro in die Reisekasse. Alle zwei Jahre steigen sie von dem Geld in den Bus. "Aber immer ohne Männer", sagt Christin Lang und grinst.

Jeden Mittwochabend seit 1985, in der Regel um 19 Uhr, treffen sie sich bei einer der Freundinnen. Die kocht dann auf: Klöße, Rouladen und Blaukraut, einen Kalbsbraten, Steinpilz-Soufflé oder Blaue Zipfl. "Es ist etwas Besonderes, da wird schön eingedeckt", sagt Leppert. Die Wertschätzung der Frauen für "ihren" Abend erkennt man daran, wie hübsch sie sich zurechtgemacht haben: Die Frisuren sitzen wie der Lippenstift und die Perlenohrringe.

Nichts "hineinfressen"

Es gibt Tage, da sind sich die Damen nicht grün. In 29 Jahren gab es davon vermutlich sogar viele. Aber an diesen Tagen beginnt Freundschaft erst. "Es gibt bei uns kein Beleidigtsein. Alles wird ausdiskutiert. Offen und direkt", sagt Kraus. So hat keine der Frauen die Chance, negative Gefühle zu verschleppen und sich hineinzusteigern.Deshalb, sagt Lang, brauchen sie wohl auch keine Seelenklempner: "Wir sind unsere Psychologen. Und nichts, was wir besprechen, dringt nach außen."

Gabriele Leppert kam auf die Idee, die Geschichte von 29 Jahren Freundschaft, an die Zeitung heranzutragen. Sie hatte die Geschichte von "Schnappi" und seinem im Rollstuhl sitzenden Freund "Schlemmi" aus dem Ort Birnbaum gelesen (FT vom 9. September). Die handelt von einer besonderen und seltenen Freundschaft. "Das trifft ja nun auch auf uns zu, dachte ich mir", meint Leppert. Sechs Frauen, die sich so lange Zeit vertragen, das sei nicht alltäglich.

Mittlerweile haben Christine Lang und Maria Kraus, die ersten der sechs Freundinnen, übrigens neue Männer. Die dürfen manchmal beim Essen dabei sein. "Aber danach müssen sie fort", sagt Christine Lang und die Strickerinnen ohne Garn stoßen an.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren