Schmölz
Kopfkino

Fremdenführerin vermittelt lebendige Bilder eines Denkmals in Schmölz

Die Kirche St. Laurentius prägt das Ortsbild von Schmölz. Am Tag des offenen Denkmals zeichnete Inge Wieder ein facettenreiches Porträt des Gebäudes.
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Auch das Schloss in Schmolz stand im Blickpunkt des Denkmaltages. Foto: Maria Löffler
Auch das Schloss in Schmolz stand im Blickpunkt des Denkmaltages. Foto: Maria Löffler

Fremdenführerin Inge Wieder würzte ihren Vortrag über die Kirche St. Laurentius mit Anekdoten. "Gleich drei Familienzweige der Adelsfamilie von Redwitz haben diese Kirche besessen", erläuterte sie und sprach auch über Konfessionswechsel von katholisch zu evangelisch: "Ein katholischer Pfarrer hatte sich in seine Haushälterin verliebt, sie geheiratet und hat dann als evangelischer Geistlicher hier weitergearbeitet."

Aber nicht nur die Geistlichen hätten Konfessionen gewechselt, auch die Familie von Redwitz selbst sei zum evangelischen Glauben übergetreten. So sei die einst katholische Kirche zu einer evangelischen geworden.

Unangenehmer Kirchenbesuch

Wieder wies auf den sogenannten Herrenstand in Altarnähe hin. "Da saßen die Adligen. Das einfache Fußvolk musste stehen. Und die hatten für den etwa zweistündigen Gottesdienst schon eine Fußstrecke von manchmal sieben bis acht Kilometer zurückgelegt - bei Wind und Wetter. Danach mussten sie auch wieder nach Hause laufen. In der Kirche war es oft klirrend kalt und es gab keine Möglichkeit, sich aufzuwärmen." Wieder beschwor das Bild von frierenden, durchnässten Bauern, Tagelöhnern und Handwerkern, die zitternd dem Gottesdienst folgten. "Das änderte sich allerdings im Laufe der Zeit, und man entschied sich, ein Kirchengestühl einzubauen." Da das sehr viel Raum in Anspruch genommen habe, sei eine Empore eingebaut worden. "Oben saßen die Männer und unten die Weiber." Ordnung habe geherrscht in der "guten alten Zeit", meinte sie augenzwinkernd.

Inge Wieder verstand es während des gesamten Vortrags, Kopfkino zu erzeugen. "Ganz am Anfang hatte man die Kinder wirklich ganz ins Wasser getaucht," erklärte sie und zeigte dabei auf den achteckigen Taufstein. "Stellen Sie sich doch einmal vor, das Kind wird bei Minusgraden draußen und klirrender Kälte drinnen vollständig ins kalte Wasser getaucht. Keine sehr angenehme Vorstellung ..." Später sei man dazu übergegangen, das Wasser nur noch über den Hinterkopf laufen zu lassen.

Die Orgel war ebenfalls ein großes Thema, und auch hier kannte sie eine unterhaltsame Anekdote von zu großen Schuhen, die sich in ein Pedal verhedderten, und einem anschließenden barfüßigen Orgelspiel. Passend dazu erklangen einige Werke des Schmölzer Kirchenmusikers Johann Georg Herzog, die Axel Stumpf intonierte.

Pfarrer Gerald Munzert hatte die Kirche in seiner Begrüßungsansprache als Kleinod bezeichnet, in dem es kunsthistorisch sehr viel zu entdecken gebe. "Diese Kirche vermittelt Wertschätzung und Tradition. Sie ist sehens- und erlebenswert."

"Unsere kulturelle Identität"

Gerhard Wunder als stellvertretender Landrat freute sich vor allem darüber, dass man Kulturschätze auf diese Weise der Bevölkerung näherbringen könne. Sie seien auf jeden Fall erhaltenswert, und Geld sei im Denkmalschutz immer sehr gut angelegt.

Kreisheimatpfleger Robert Wachter nahm den Zeitwandel in der Denkmalpflege ins Visier. Er sprach davon, dass man in den 70er Jahren den Denkmalschutz "aufgeweicht" habe. Jetzt solle man allerdings dazu übergehen, Eigentümer, Träger und Stiftungen wieder besser zu beraten und ihnen bei der Beschaffung von Fördermitteln unter die Arme zu greifen. "Das ist schließlich unsere kulturelle Identität."

Bürgermeister Bernd Rebhan war stolz darauf, dass man historische Gebäude wieder mit Leben erfülle: "Das ist unsere Geschichte, und die herauszustellen, ist eine sehr wichtige Aufgabe." Lächelnd pries er Schloss Hain zum Verkauf an und freute sich darüber, dass das Schmölzer Schloss vom Ehepaar Pfisterer gekauft worden sei.

Zu diesem Bau und seiner Geschichte hörten die Gäste einen Fachvortrag vom Historiker Christian Porzelt. Auch er sprach über die Familie von Redwitz, und auch hier gab es viele spannende Anekdoten. Hauptsächlich handelte es sich um Erbteilung, Schulden, die nicht zurückgezahlt wurden, Prozesse, die man mit der eigenen Verwandtschaft führte, und um ein totes Kind in einer Hutschachtel. Das habe eine adlige Witwe ihrem heimlichen Liebhaber, dem Lehrer ihrer zwei Kinder, mit der Bitte in die Hand gedrückt, es in aller Stille zu bestatten. Da der Vorgang um die vermeintliche Totgeburt nicht unbemerkt geblieben war, machte man der Witwe von Haberland sogar den Prozess. "Allerdings konnte man ihr Kindstötung nicht nachweisen, und so wurde sie freigesprochen." Sie habe anschließend ihren Liebhaber sogar geheiratet.

Hochtrabende Pläne

Der Historiker erwähnte besonders auch Oskar von Redwitz, der mit seiner Familie sehr lange im Schloss gelebt habe. Seine ursprünglichen Pläne, es in ein "Neuschwanstein" zu verwandeln, musste er allerdings nach einem Blick in seine Geldschatulle wieder aufgeben.

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