Kronach
Gleichberechtigung

Frauen in Führungspositionen: Weit über die Quote hinaus

Mit vier Frauen in Führungspositionen beim Caritasverband Kronach haben wir über Chancengleichheit, Akzeptanz und Anerkennung gesprochen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Cornelia Thron, Irene Piontek, Brigitte Wunder und Jana Schmidt (von links) bei der Gesprächsrunde.  Fotos: Marian Hamacher
Cornelia Thron, Irene Piontek, Brigitte Wunder und Jana Schmidt (von links) bei der Gesprächsrunde. Fotos: Marian Hamacher
+7 Bilder

"Das gleiche Recht für alle." Für Brigitte Wunder lässt sich die Frage nach der Bedeutung von Gleichberechtigung recht knapp beantworten. Im Kern dieser Aussage sind sich die vier Frauen vom Caritasverband Kronach, die zum Auftakt unserer Themenwoche an einen Tisch gekommen sind, einig. "Jeder muss im Rahmen seiner Kompetenzen die gleichen Chancen erhalten und ernst genommen werden", ergänzt Irene Piontek.

Dieser Gedanke spiegelt sich für die beiden, ebenso wie für Cornelia Thron und Jana Schmidt, auch im Leitbild ihres Arbeitgebers wider. "Unsere Aufgabe ist es, Klienten und Patienten gleichberechtigt wahrzunehmen und ernst zu nehmen", sagt Thron.

Vier Frauen, vier Wege

Trotz verschiedener Biografien und beruflicher Werdegänge eint die Kolleginnen eines. Sie sind in leitenden Positionen bei der Caritas tätig. Unter ihnen zwei "Urgesteine" - Wunder und Piontek sind seit 34 beziehungsweise 28 Jahren beim Verband - und mit Schmidt eine Kollegin, die sich erst seit kurzem in der Leitungsposition findet. Und natürlich Thron, die in ihrer Position als Frau vor acht Jahren noch eine Exotin war. Von 16 Geschäftsführerposten in der Erzdiözese war lange nur einer mit einer Frau besetzt. "Im letzten Jahr hat ein Generationenwechsel sattgefunden - seit Januar sind wir vier Frauen", sagt sie. Doch immer noch liegt in einem Unternehmen, in dem 80 Prozent der Belegschaft weiblich sind, der Anteil von weiblichen Geschäftsführern bei nur 20 Prozent, zitiert sie eine Studie.

Auf der zweiten Führungsebene sieht das schon anders aus, was sicher der von Frauen dominierten Pflegebranche entspricht. "Es ist absolut üblich, dass Frauen in Führungspositionen sind", sagt Jana Schmidt. Doch Konflikte - mitunter Vorurteile, unangemessene Sprüche oder Respektlosigkeit - können Frauen in jeder Branche ereilen, oder nicht? "Ich hab mich nie in einer benachteiligten Rolle aufgrund meiner Weiblichkeit gefühlt", sagt Irene Piontek mit Nachdruck.

Verändertes Klima

Das Gleiche gilt für ihre Kolleginnen. Auch Thron berichtet von großer Wertschätzung, während sie als Frau im Gremium noch auf einsamen Posten kämpfte. Seit dieses weiblicher geworden sei, habe sich dennoch einiges geändert: der Umgang, die Empathie und die Art, mit Themen und Problemen umzugehen. Doch warum zieht es trotzdem nur wenige Frauen auf die Chefposten? Warum wehren sich selbst die vier offenkundig erfolgreichen Frauen gegen die Bezeichnung Karrierefrau?

"Vielleicht liegt es doch am fraulichen Naturell, davon sprechen ja oft Studien", mutmaßt Thron. Sie selbst habe den Posten, den sie innehat, nie bewusst angestrebt. Das konkrete Streben nach Führungsposten sehe sie wenig bei Frauen, vielmehr würden diese in ihre Rollen hinein wachsen.

"Da hat sich aber viel geändert - mittlerweile streben mehr Frauen den Weg in die Führungsebene an als noch vor 30 Jahren", sagt Piontek und der Blick fällt auf die Kollegin. Als Jüngste in der Runde entstammt Jana Schmidt einer anderen Generation. Durch Weiterbildungen hat sie Schritt für Schritt ihren Weg im Verband gemacht. "Ich hab das für mich gemacht, ich wollte wertvoller auf dem Arbeitsmarkt werden - natürlich mit dem Ziel, mal in die Leitung zu gehen." Dass sie eine Frau in einem Alter ist, in der Familienplanung bei vielen zum präsenten Thema wird, habe weder für ihr Umfeld noch für ihren Arbeitgeber eine Rolle gespielt.

Dennoch sei Gleichberechtigung untrennbar mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbunden. "Wir bekommen ja immer noch die Kinder", zitiert Thron eine Kollegin. "Und das wird sich auch nicht ändern." Was sich in den Augen von Piontek geändert habe, ist, all das unter einen Hut zu bekommen. "Das Familienbild hat sich verändert und die Gleichberechtigung von Partnern und Eltern ist mittlerweile ganz normal." Vereinbar sei das ganze eben nur dann, wenn man sich im Sinne der Gleichberechtigung die Erziehung teile. Und das habe in ihren Fällen funktioniert.

Keine Quotenfrauen

Die vielen Kämpfe um Bildung, Anerkennung, Respekt und eben auch Gleichberechtigung in den letzten 100 Jahren sehen die Frauen als Erfolg. Auch deshalb lehnen sie eine Frauenquote ab. "Ich möchte keine Quotenfrau sein", sagt Piontek. "Definitiv", pflichtet ihr Thron bei. "Ich möchte keinen Job haben, nur weil ich Frau bin." Vielmehr weil die Entscheidungsträger sehen, dass man die Fähigkeiten, das Wissen und die Empathie hat, um die Rolle auszufüllen. "Frauen haben in den letzten Jahrzehnten erfolgreich dafür gekämpft, eine gute Ausbildung zu erhalten", sagt Piontek. Diese gäben jedem die Chance, mit beiden Beinen im Berufsleben zu stehen und sich Ziele zu setzen. "Wir Frauen brauchen diese Quote nicht." Vielmehr brauche es mehr Mut und Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten. Und im Rahmen dieser soll jeder die gleiche Chancen erhalten und gleichsam ernst genommen werden - ganz im Sinne der Gleichberechtigung. "Chancengleichheit, Akzeptanz und Anerkennung - egal, ob Mann oder Frau", schließt Wunder ab.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren