Bis einschließlich 8. Oktober bleiben die Pforten der Gynäkologie und der Geburtshilfe an der Helios-Frankenwaldklinik Kronach geschlossen. Der Grund dafür sind die Ausfälle zweier Ärztinnen (wir berichteten). Diese Maßnahme stößt in der Öffentlichkeit wie auch bei heimischen Politikern auf Unverständnis. Wie die Klinik dieser Kritik begegnet und wie die aktuelle Situation am Kronacher Krankenhaus aussieht, darüber sprachen wir mit der Referentin der Klinik, Claudia Holland-Jopp.

Die Politik hat das Vorgehen von Helios wegen der vorübergehenden Abteilungsschließung mehr oder weniger scharf verurteilt. Wie gehen Helios und die Klinik mit dieser Kritik um?
Claudia Holland-Jopp: Wir nehmen jede Kritik, die an uns herangetragen wird, ernst. Als Krankenhausbetreiber sind wir jedoch gezwungen, mitunter auch unliebsame Entscheidungen zu treffen, wie in diesem Fall, weil wir alleine die Verantwortung für das Krankenhaus und unsere Patienten tragen. Wir haben die Entscheidung nach sorgfältiger Prüfung aller Alternativen getroffen - zum Wohle und zur Sicherheit der Frauen und Familien, die uns ihr Vertrauen schenken.

Die Freien Wähler fordern eine Verkürzung der Schließung aufs Nötigste. Lässt sich der anvisierte Zeitraum bis einschließlich 8. Oktober zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch weiter eindämmen?
Wir bedauern die vorübergehende Schließung sehr und sind selbst daran interessiert, sie so kurz wie möglich zu halten. Wir sind zuversichtlich, die Gynäkologie und Geburtshilfe zum 9. Oktober wieder in Betrieb nehmen zu können.

Warum ist es nicht möglich gewesen, die Schließung durch konzerninterne "Ärzte-Umschichtungen" abzufedern?
Wir haben die Unterstützungsmöglichkeiten durch Helios-Fachkräfte aus anderen Kliniken in der Vergangenheit bereits genutzt. Erst zu Beginn dieses Jahres hatte uns eine Hebamme aus einer Helios-Klinik in Sachsen-Anhalt unterstützt. Auf Grund von Feiertag und Herbstferien in mehreren Bundesländern konnten uns andere Helios-Kliniken dieses Mal jedoch nicht mit Facharztpersonal aushelfen.

Der Ausfall zweier Ärztinnen hat die Schließung zur Folge. Ist die generelle Arbeitsbelastung angesichts dessen für diese Mediziner nicht viel zu hoch, wenn sie die Abteilungsleitung auch in Urlaubs-/Krankheitszeiten und angesichts des Schichtdienstes zu zweit stemmen müssen? Lässt sich sagen, wie lang eine Arbeitswoche für einen Arzt in einer solchen Position ist?
Unsere Gynäkologie und Geburtshilfe besteht nicht nur aus Chefärztin und Oberärztin. Unter ihrer Leitung ist vielmehr ein ganzes Team aus Assistenzärztinnen und -ärzten tätig. Allerdings haben wir Facharzt-Besetzungsstandards, an die wir uns für eine qualitativ hochwertige Arbeit und hohe Patientensicherheit strikt halten. Generelle Aussagen zu den Arbeitszeiten lassen sich nicht treffen, zumal diese auch notfall- und saisonabhängig sind.
Die Leistungsfähigkeit und Arbeitsbelastung unserer Chefärztin und ihrer Oberärztin haben wir dabei sehr wohl im Blick. Daher suchen wir intensiv nach einer personellen Verstärkung. Die entsprechende Stelle eines Oberarztes ist ausgeschrieben.

Noch zu einem Gerücht: Es heißt, dass die Schließung angeblich gar nicht mit dem Personal, sondern vielmehr mit einer Keimbelastung in der Abteilung zu tun habe. Was sagen Sie hierzu?
Das ist Unsinn. Die vorübergehende Schließung hat ausschließlich personelle Gründe, nämlich den kurzfristigen erkrankungs- beziehungsweise unfallbedingten Ausfall unserer Chefärztin und unserer Oberärztin.



Reaktionen auf die Schließung

Die Frankenwaldklinik Kronach informierte uns am Donnerstag, 28. September, darüber, dass sie auf Grund des Ausfalles zweier Ärztinnen vorübergehend ihre Gynäkologie schließen wird. Der 9. Oktober sollte demnach Tag der Wiedereröffnung sein. An diesem Termin wird weiterhin festgehalten.

MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) schimpfte in der Folge über ein unverantwortliches Vorgehen der Klinikleitung und eine Personaldecke, die sich dem Profitstreben beugen müsse. Kreisrat Richard Rauh (SPD) unterstrich, dass Gesprächsbedarf bestehe und die Klinik einen Imageschaden erleiden könnte. Seitens der Freien Wähler wurde von Stefan Wicklein, Wolfgang Beiergrößlein und Peter Hänel angeprangert, dass es sich die Klinik mit der Schließung zu einfach mache. Sie fragten auch nach, warum kein anderer Arzt aus dem großen Helios-Konzern einspringen kann.