Kronach
Gesundheit

Frankenwaldklinik Kronach: Warum der Rückkauf-Antrag warten muss

Gibt es für Landkreis eine Chance, die Frankenwaldklinik von Helios zurückzuerwerben? Noch hat sich der Kreistag mit einem entsprechenden Antrag nicht befasst. MdL Jürgen Baumgärtner bringt derweil eine Rückkauf-Alternative ins Gespräch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Helios-Konzern hat nach wie vor kein Interesse daran, die Frankenwaldklinik zu verkaufen. Foto: Marian Hamacher
Der Helios-Konzern hat nach wie vor kein Interesse daran, die Frankenwaldklinik zu verkaufen. Foto: Marian Hamacher

Der Satz sollte beruhigen. Sollte die Sorge nehmen, möglicherweise die falsche Entscheidung getroffen zu haben. "Wenn wir uns nur einen Fehler erlauben, schädigt das unseren Ruf unwiederbringlich", betonte Gerald Meder daher. Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG hatte er im Landkreis Kronach gerade nicht weniger als eine Zeitenwende eingeläutet.

Eine Unterschrift unter den Vertrag, ein Handschlag mit Landrat Oswald Marr (SPD). Dann war es vollbracht. Die Frankenwaldklinik war erstmals in der Hand eines privaten Betreibers. Und da sich ein börsennotiertes Unternehmen eben keinen Fehler leisten dürfe, sei das die beste Gewähr dafür, dass die Klinik in eine gute Zukunft geführt werden kann.

Zahlreiche Negativ-Schlagzeilen

Gut 14 Jahre später dürfte Meders damalige Aussage auf nicht wenige unfreiwillig komisch wirken. Tragikomisch. Auf Mitarbeiter, auf Patienten, auf Lokalpolitiker. Denn es sind gleich einige Fehler, die sich die Frankenwaldklinik in diesem Zeitraum geleistet hat. Sowohl unter Leitung der Rhön-Klinikum AG als auch im Besitz des Helios-Konzerns, der das Krankenhaus 2014 übernahm. Allein in den vergangenen Jahren produzierte die Kronacher Klinik zahlreiche negative Schlagzeilen. Mal wegen Kündigungen von Ärzten, dann wegen massiver Kritik von Patienten oder Streitigkeiten zwischen Konzernvertretern und der Politik.

Immer wieder wurden Stimmen laut, die einen Rückkauf forderten. Das gipfelte schließlich in einem Kreistags-Antrag der Freien Wähler: zu prüfen, unter welchen genauen Umständen die Frankenwaldklinik vom Helios-Konzern zurückgekauft oder in eine andere Trägerschaft überführt werden könnte.

Passiert ist in dieser Hinsicht seitdem aber noch nichts. In der nichtöffentlichen Kreistagssitzung vom 18. Februar sei der Klinik-Rückkauf kein bestimmendes Thema gewesen, teilt Bernd Graf, Pressesprecher des Landratsamts, auf FT-Anfrage mit. "Es hat auch keinen Beschluss zum Thema Rückkauf der Klinik gegeben", betont er. Vielmehr hätten der neue Klinikgeschäftsführer Philipp Löwenstein und der Helios-Regionalgeschäftsführer Marcus Sommer einen aktuellen Sachstandsbericht abgegeben und ihre Vorstellungen zur weiteren Vorgehensweise geäußert.

Offenbar vermittelte Löwenstein dabei nicht den schlechtesten Eindruck. "Durch den neuen Geschäftsführer ist der Druck jetzt erst mal etwas raus, denn die Kommunikation bei der Vorstellung war recht gut", sagt Stefan Wicklein, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag.

Als seine Fraktion den Antrag stellte, "sind wir in Sachen Klinik ja noch auf der Stelle getreten. Da stand noch die erneute Schließung der Geburtsabteilung im Raum". Zwar solle ein möglicher Rückkauf weiter geprüft werden, zunächst allerdings nur, um Klarheit zu erlangen, was möglich wäre.

Hausaufgaben für Löwenstein

Nun solle Löwenstein, der den Geschäftsführerposten am 1. Januar von seinem umstrittenen Vorgänger Christian Kloeters übernahm, aber erst einmal seine Chance bekommen. "Die Probleme sind ja bekannt: personell und in der Aufstellung gewisser Abteilungen", sagt Wicklein. "Da hat die neue Klinikleitung einige Hausaufgaben, die sie erfüllen muss und an denen wir sie natürlich auch messen." Er denkt an einen Zeitraum von einem halben Jahr. Sollte sich die Situation aber nicht merklich verbessern, müsse "man sich Gedanken machen, wie man mit der Lage umgeht".

Und für wie realistisch hält er einen Rückkauf? "Das kann ich derzeit überhaupt nicht einschätzen, ohne die Fakten auf dem Tisch zu haben."

Die CSU sieht die Chancen gegen null gehen. "Das kann sich der Landkreis nicht leisten", sagt der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner. 20 Jahre lang schrieb die Klinik Verluste. Alleine in den letzten drei Jahren unter der Regie des Landkreises (2003 bis 2005) waren es über neun Millionen Euro. Zusammen mit den in den Jahren davor aufgelaufenen Kosten hatte sich ein Schuldenberg von 16 Millionen Euro angesammelt. Und den wollten die neuen Besitzer freilich nicht übernehmen.

Schwarze Zahlen

Zwar vereinbarten die Rhön-Kliniken und der Landkreis damals Stillschweigen über den Kaufpreis, gut unterrichteten Kreisen zufolge lag dieser jedoch bei rund elf Millionen Euro. Die Klinik wurde also mit Verlust gekauft. Heute schreibt sie allerdings wieder schwarze Zahlen - was einen Rückkauf sicher nicht günstig machen würde.

Die Kreisfinanzen will Wicklein allerdings nicht als Argument gelten lassen. "Das ist keine Frage des Preises, sondern eine Frage der Lebensgrundlage der Region und einer vernünftigen Gesundheitsversorgung, die frei ist von Instabilitäten", ist er überzeugt. Da sei die Politik gefordert, sich zu kümmern.

Baumgärtner, der neben Landrat Klaus Löffler (CSU), Richard Rauh (SPD) und Peter Hänel (FW), dem Beirat der Frankenwaldklinik angehört, strebt für den Ernstfall allerdings einen anderen Weg an. Zumal bei Helios ein Verkauf der Frankenwaldklinik nach wie vor gar nicht erst zur Debatte steht, wie Erik Thiel, Helios-Pressesprecher für die Region Süd, unserer Redaktion noch einmal bestätigt.

Auf dem Prüfstand

Baumgärtner spricht sich im Zweifelsfall für die Kooperation mit anderen Kliniken aus. Beispielsweise der in Sonneberg beheimateten Regiomed-Kliniken. "In dem Fall müssten wir Helios dann ablösen", beschreibt er das dann drohende Szenario. Die Situation für das Personal müsse sich signifikant verbessern. Geschehe dies nicht, müsse "man sicherlich perspektivisch auch die Zusammenarbeit mit Helios auf den Prüfstand stellen und über Kooperationsmöglichkeiten mit anderen kommunalen Trägern reden," so Baumgärtner.

Doch auch er wolle dem neuen Klinikgeschäftsführer zunächst eine Chance geben: "Wohl wissentlich, dass er in Konzernzwänge eingebunden ist." Viele Fehler sollte sich die Frankenwaldklinik aber wohl eher nicht erlauben.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren