Fröschbrunn
Agro-Tourismus

Frankenwald könnte vom Allgäu lernen

Im Frankenwald sinken die Übernachtungszahlen. Wie man den Bereich Landwirtschaft erfolgreich touristisch nutzen kann, hat die Sprecherin der Interessengemeinschaft "Mir Allgäuer" bei einer Veranstaltung in Fröschbrunn vorgestellt.
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Johannes Förtsch ist einer derjenigen, die auf Agrotourismus setzen. Foto: Archiv/Rinklef
Johannes Förtsch ist einer derjenigen, die auf Agrotourismus setzen. Foto: Archiv/Rinklef
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Der Bayern-Tourismus boomt. So viele Menschen wie noch nie haben im vergangenen Jahr Urlaub auf einem Bauernhof in Bayern gemacht. Für den bayerischen Tourismus mit 85,2 Millionen wie auch für den fränkischen mit 21,05 Millionen Übernachtungen war 2014 ein Rekordjahr.

Es gab nur einen bayerischen Bezirk mit einem Negativtrend - nämlich Oberfranken mit 4,6 Millionen Übernachtungen. Im Frankenwald setzt sich dies fort mit mit 772 000 Übernachtungen. Für den Landkreis Kronach war 2014 ein Negativ-Rekordjahr mit 185 072 Übernachtungen (minus 9,6 Prozent) und 71 062 Gästeankünften (minus 5,2 Prozent).

"Warum greift der Boom bei uns nicht?"

"Warum greift der Boom bei uns nicht?" fragte Klaus Schaumberg, Leiter von Agro-Tourismus im Frankenwald.
Seine Projektstelle an der Kronacher Außenstelle des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde zum April 2014, zunächst befristet auf drei Jahre, eingerichtet.

Ziel sei es, Mittel und Wege finden, den Bereich Landwirtschaft touristisch zu nutzen und besser zu vermarkten, erläuterte er. "Agro-Tourismus" umfasse alle touristischen Aktivitäten, die von der Landwirtschaft ausgehen oder in direktem Zusammenhang stehen.

Seine Situations- und Bestandsaufnahme sei mittlerweile abgeschlossen, ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Nun hoffe man auf entsprechende Fördermittel, wobei er sich zuversichtlich zeigte. "Die Menschen suchen zunehmend das authentische Natur- und Kulturleben. Lokal hergestellte Produkte, attraktive Kulturlandschaften und authentische Erlebnisse stoßen auf eine wachsende Nachfrage. Touristische Angebote, die natürliche Ressourcen schonen, lokale Kultur fördern sowie regionale Wirtschaft unterstützen, werden zunehmend nachgefragt", so Klaus Schaumberg.

"Wie im Bilderbuch"

Für den Agro-Tourismus sei diese Entwicklung von Bedeutung, da die bäuerliche Landwirtschaft ein starker Träger dieser natürlichen und kulturellen Werte sei. Die Frage sei, wie man dieses große Potenzial nutzen könne.
Der Frankenwald verfüge über viele, zunächst eher unauffällige Reize. "Wir müssen den Blick der Menschen dorthin führen. Unsere Landschaft ist Entschleunigung pur, ruhig und schön - wie im Bilderbuch", schwärmte er.

Diese heimlichen Schätze gelte es publik zu machen, damit sie vom Urlauber wahrgenommen würden. Der Erfolg vom Bauernhof- und Landurlaub hänge von vielen Einflussfaktoren ab. Eine wesentliche Rolle spiele die Kooperation und Vernetzung mit anderen Ferienhöfen und touristischen Akteuren einer Region. "Agro-Tourismus ist Netzwerkarbeit", betonte er.

Vorbild in Sachen Vernetzung sei das Allgäu. 2003 haben sich Ferienhöfe aus vier Anbietergemeinschaften im Rahmen eines "Leader-Projektes" zur Interessensgemeinschaft "Mir Allgäuer" zusammen geschlossen. Seitdem kooperiert diese mit vielen Dienstleistern und Initiativen im Allgäu zum gegenseitigen Nutzen.

An die Bedürfnisse der Gäste anpassen

Diese sehr erfolgreiche Interessengemeinschaft stellte Angelika Soyer vor. Mit ihrem Ehemann führt sie den "Wellness Bauernhof Soyer" nahe Oberstdorf. Als Vorsitzende von "Mir Allgäuer" und zweite Vorsitzende des Landesverbands "Bauernhof- und Landurlaub in Bayern" macht sie sich für ihren Verband stark. "Wichtig ist, dass man sich an die Bedürfnisse der Gäste anpasst und offen ist für Neues", rät die gelernte Hotelfachfrau.

Die Initialzündung für "Mir Allgäuer" sei eine dreijährige Leader-Förderung von insgesamt 120 000 Euro gewesen. 50 Prozent steuerte man an Eigenmitteln bei. Mittlerweile stehe der Verein mit 512 Mitgliedern auf eigenen Beinen und finanziere sich selbst.

Mitglieder sind Bauernhöfe und Landhöfe im gesamten Allgäu. Alljährlich erscheint ein kostenloser Katalog, in dem alle Mitglieder beschrieben und bebildert dargestellt sind. Der Verein ist Mitglied des Landesverbands "Bauernhof- und Landurlaub Bayern".

Professionelle Mitgliederbetreuung

Die Mitgliederbetreuung erfolge professionell mit zwei angestellten Kräften. Damit sich die Vermieter austauschen können, werden Lehrfahrten, Gebietsversammlungen und Schulungen angeboten. Wichtig sei der Onlineauftritt. "Bühne" für den Hof. Im Durchschnitt habe jeder Hof 2000 Klicks pro Jahr.

"Wir arbeiten mit Kooperationspartnern, ausgewählten Werbeveranstaltungen und aktiver Pressearbeit daran, diese Urlaubsform weiter auszubauen und ständig weiter zu entwickeln", betonte sie.

Klaus Schaumberg würdigte die "Marke" Allgäu. "Bei uns hat es ebenfalls solche Anläufe gegeben, die aber eingeschlafen sind. Dies bestätigte auch Markus Franz, Geschäftsführer des "Frankenwald Tourismus Service Centers". Die Anbieter sollten stolz darauf sein, sich Frankenwald nennen zu dürfen.

Einige Zahlen aus der Bestandsanalyse: Es gibt im Frankenwald 57 Bauernhof- und Landurlaubsbetriebe mit insgesamt 752 Gästebetten. Dies entspricht 10,2 Prozent des Frankenwald-Angebotes. 58 Prozent bieten zehn Betten und mehr an.

25 Betriebe sind Mitglied beim Frankenwald Tourismus Service Center, 35 bei lokalen Tourismusinformationen, 20 im Landesverband "Bauernhof und Landurlaub in Bayern", 3 Betriebe sind kein Mitglied bei Tourismusorganisationen. 42 Betriebe betreiben eine Website.
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