Kronach
Kreistagswahlen

Frankenwald-CSU entdeckt "Reißverschluss"

Bei den Christ-Sozialen soll jeder zweite Platz auf der Kreistagsliste an eine Frau gehen. Erstmals hat die Junge Union eine eigene Liste.
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Wer zieht mit wie vielen Sitzen in den neuen Kreistag ein? Derzeit werden die Kandidatenlisten zusammengestellt.  Foto: Archiv/Andreas Schmitt
Wer zieht mit wie vielen Sitzen in den neuen Kreistag ein? Derzeit werden die Kandidatenlisten zusammengestellt. Foto: Archiv/Andreas Schmitt

Ministerpräsident Markus Söder kann mit seiner Frankenwald-CSU zufrieden sein. Denn die Partei wird im Landkreis jünger und weiblicher. Dies auch, weil zum ersten Mal die Junge Union mit einer eigenen Liste um Mandate für den Kreistag kämpft. In der Vergangenheit wurden die CSU-Nachwuchspolitiker auf der CSU-Liste mit berücksichtigt.

Hochzufrieden zeigt sich der Vorsitzende der Frankenwald-CSU, Jürgen Baumgärtner, über den Vorschlag für die Kreistagsliste, die im November den Delegierten zur endgültigen Entscheidung über die CSU-Liste für die Kreistagswahl am 15. März 2020 vorgelegt wird. Es sei gelungen, ein überzeugendes Angebot aus bewährten, erfahrenen und jungen, neuen Kräften zu erarbeiten, so Baumgärtner auf Anfrage. Man habe Wert darauf gelegt, dass jeder Bürgermeister beziehungsweise -kandidat mit auf der Liste ist. Aus jeder Gemeinde werden Kandidaten aufgestellt. Und: "Die Frankenwald-CSU wird weiblicher!"

In diesem Zusammenhang erklärt Jürgen Baumgärtner, dass die CSU das Reißverschlussverfahren anwenden wird. Jeder zweite Platz auf der Kreistagsliste geht an eine Frau. "Ich bin super zufrieden, wie harmonisch die Vorbereitungen gelaufen sind!"

Der Vorsitzende räumt ein, dass diesmal nicht alle auf der Kreistagsliste berücksichtigt werden konnten. Es zeigten rund 80 Bürger Interesse, 50 können nur für den Kreistag kandidieren. Er weist darauf hin, dass circa zehn Prozent der Kandidaten auf der CSU-Kreistagsliste parteilos sind. Die große Anzahl der Interessierten begründet Baumgärtner unter anderem damit, dass die Frankenwald-CSU als eine moderne Partei anerkannt wird, die seit den letzten Kommunalwahlen vieles in der Heimat bewegt hat.

"Wir haben die Liste fast voll!", freut sich der Kreisvorsitzende der Jungen Union, Markus Oesterlein. Die JU will erreichen, dass mehr junge Menschen Einfluss auf die lokale Politik nehmen können. Es sei darauf geachtet worden, dass viele Berufe und gesellschaftliche Gruppen auf der Liste präsent sind, erklärt Oesterlein. Ziel sei es, Politik nahe den Bedürfnissen des Menschen zu machen. Überzeugt ist der junge Kommunalpolitiker, dass die Junge Union auch das Durchschnittsalter der Kreisräte senken wird.

Er sei zuversichtlich, dass die Liste voll wird, so der Kreisvorsitzende der SPD, Ralf Pohl. Er spricht davon, dass alle SPD-Ortsverbände aufgefordert wurden, ihre Kandidaten für die Kreistagswahlen bis zum 20. Oktober zu melden.

Auch SPD hofft auf Frauen

Bei der Verteilung der Sitze werden die Einwohnerzahlen und die Anzahl der Stimmen, die die SPD bei den letzten Wahlen in einer Gemeinde erhalten hat, entscheidende Kriterien sein. Pohl hofft nun auch auf Frauen. Es wäre toll, wenn das Reißverschlussverfahren bei der Aufstellung der Kreistagsliste angewendet werden könnte.

"Wir sind voll!", freut sich die stellvertretende Kreisvorsitzende Petra Zenkel-Schirmer. Die Liste besteht aus einem Mix von älteren, erfahrenen und jüngeren Frauen. Angeführt wird die Frauenliste von der Vorsitzenden Silke Wolf-Mertensmeyer. Seit 21 Jahren ist Petra Zenkel-Schirmer in der Kommunalpolitik aktiv. Sie freut sich, dass es in diesem Jahr genügend Bewerber gab, die sich für eine Kandidatur bereit erklären. Schwerpunkte für die bevorstehende Legislaturperiode werden die Wasserversorgung, Tourismus und Frauenthemen werden. Vor allem das Frauenhaus in Coburg wird ein Anliegen sein. "Wir wollen Frauen und Kindern helfen, die misshandelt werden und Gewalt ausgesetzt sind!"

Auch die FDP will den Worten ihres Kreisvorsitzenden Björn Cukrowski zufolge eine Kreistagsliste aufstellen. Ob er wieder mit für den Kreistag kandidieren wird, sei noch nicht entschieden. Für einen Berufstätigen, der in der Wirtschaft tätig ist, sei es wegen der ungünstig anberaumten Termine für Kreistags- und Aussschusssitzungen schwierig, daran teilzunehmen. Die Sitzungstermine seien nicht optimal.

FDP wünscht mehr Selbständige

Für Cukrowski bestimmen zu viele "Parteisoldaten" die Politik. Er würde sich in der Kommunalpolitik mehr Unternehmer, Selbstständige, Ärzte etc. wünschen. "Es müsste ein Querschnitt von möglichst vielen Berufen sein!"

Schwerpunkt Gesundheit

Auch die "Grünen" werden wieder in den Kreistag einziehen, ist Peter Witton überzeugt. Er selbst stellt sich zur Wahl sowohl für den Kreis- als auch für den Stadtrat. Ende des Monats sollen bei einer Versammlung die Kandidaten vorgestellt werden. Für ihn, Witton, ist vor allem die Klinik und die gesundheitliche Versorgung mit ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit.

Am 18. Oktober wollen die Freien Wähler im Gasthof Detsch ihre Kandidaten für die Kreistagsliste vorstellen. Leider fehlten bei den Freien Wählern die Frauen, so der Kreisvorsitzende Tino Vetter. Über Programminhalte und Schwerpunkte der künftig ausgerichteten politischen Arbeit wollte Vetter sich noch nicht äußern. Er verwies auf die bevorstehende Nominierungsversammlung.

Neu in den Kreistag will die AfD einziehen, das bestätigte der Kreisvorsitzende Harald Meußgeier. Weiterhin will die AfD in der Stadt Kronach und in der Gemeinde Weißenbrunn eine Fraktion bilden. Harald Meußgeier wird die Kreistagsliste anführen. Er sei mit Leib und Seele ein Kronacher, so Meußgeier, deshalb wolle er auch die Entwicklung in seiner Heimat als Kreispolitiker mitbestimmen. Noch sind einige Plätze für die Kreistagsliste zu vergeben, die Liste für den Kronacher Stadtrat allerdings ist voll. Wie Meußgeier betont, haben auch Parteilose die Möglichkeit, auf der AfD-Liste für den Kreistag zu kandidieren. Die Schwerpunkte der kommunalen Arbeit sollen bei einer Versammlung Ende des Jahres vorgestellt werden.

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