Weißenbrunn
Spendenaktion

Franken helfen Franken: Tom Sauer ist ein Mann in vielen Rollen

Seit 20 Jahren ist die "Humanitäre Hilfe" erste Anlaufstelle, wenn die Not groß ist. Entstanden ist der Verein aus einer Hilfsaktion im Bosnienkrieg.
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Die Karten mit motivierenden Sprüchen verkauft Tom Sauer auch im Haus Lichtblicke. Der Erlös geht an die Humanitäre Hilfe für Menschen in Not. Foto: Marian Hamacher
Die Karten mit motivierenden Sprüchen verkauft Tom Sauer auch im Haus Lichtblicke. Der Erlös geht an die Humanitäre Hilfe für Menschen in Not. Foto: Marian Hamacher
Eine Geschichte über Tom Sauer muss wohl mit einem Zitat beginnen - denn davon wimmelt es im Umfeld des 54-Jährigen geradezu. Alleine im "Haus Lichtzeichen" in Weißenbrunn, das er mit seinem Verein "Humanitäre Hilfe für Menschen in Not" betreibt, sind sie allgegenwärtig.

Sei es aufgemalt auf einer Holztafel im Beet, auf der Verkleidung des auf Hochbetrieb laufenden Holzofens im Erdgeschoss oder einfach im Gespräch, um einen Gedanken elegant abzurunden. Zahlreiche ebenso erbauender wie nachdenklicher Sprüche hat er auf Postkarten drucken lassen. Seien sie nun von ihm, einem berühmten Schriftsteller oder einem nicht minder bekannten Philosophen.


Musik als Ausgleich

Doch welches Zitat eignet sich nun am besten? Der Musiker Tom Sauer würde sich vielleicht für dieses entscheiden: "Deine Stimme ist das Instrument deiner Seele." In die lässt er mitunter während seinen Songs aus den verschiedensten Genres blicken, wenn er auf der Bühne den Ausgleich für die stressigen Momente findet, die unter der Woche auf ihn warten. In seinem eigentlichen Beruf als Heilpädagogischer Förderlehrer für Menschen mit geistiger Behinderung oder in den vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit Menschen, die die Hoffnung schon aufgegeben haben. Dieser Tom Sauer würde vielleicht die Karte mit einem Sonnenuntergang bevorzugen, auf der "Hoffnung ist eine begonnene Zukunft" zu lesen ist. Leicht fällt die Wahl nicht. Sauer ist ein Mann mit vielen Rollen.

Am hilfreichsten für diese Geschichte ist aber wohl keines seiner Zitate, sondern eines von Martin Luther - oder eines, das diesem zumindest zugeschrieben wird. "Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so wollte ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen", soll der Reformator einst gesagt haben.


32 Transporte

Ein Satz, der Sauer gedanklich zurück nach Bosnien führt. Nach Bosnien Anfang der 90er Jahre. Denn dort wurde der Samen gesät, aus dem Jahre später die Humanitäre Hilfe wachsen sollte. "Wir hatten gute Freunde in Bihac, bei denen wir oft Urlaub gemacht haben", erinnert sich Sauer. Daran war ab 1992 nicht mehr zu denken. Während des Bosnienkriegs war das Gebiet gleich von zwei serbischen Milizen eingekesselt, stand bis zum Ende der Kampfhandlungen 1995 als Enklave unter der Kontrolle bosnischer Regierungstruppen und wurde zur UN-Schutzzone erklärt. Das Problem: In der umzingelten Region wurden die Lebensmittel knapp. "Unsere Freunde hatten uns angerufen und wir wollten helfen", erzählt Sauer.

Zusammen mit seinem Freund Willi Pechtold und anderen Helfern aus ganz Deutschland machte sich der damals Mittzwanziger auf den Weg. Mit sechs Lastwagen im Konvoi durch okkupiertes Gebiet. 32 Transporte wurden es bis 1995, durch die über 2000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden konnten. Immer mit dabei: Fünf bis sechs Apfelbäume. "Je nach der Empfindlichkeit der Militärs", erklärt Sauer, der so den Friedensgedanken Luthers in bosnischen Boden pflanzte. "Heute würde ich nicht mehr quer durch ein Kriegsgebiet fahren", räumt Sauer ein.


Vorwurf der Spionage

Viel fehlte nicht und seine Geschichte wäre bereits in Bosnien zu Ende erzählt gewesen. Serbisches Militär griff den Helfertrupp auf, um ihn vor ein Militärgericht zu stellen. "Wir sind durch serbisches Gebiet gefahren und hatten Fotos gemacht", erinnert sich Sauer. "Dafür hatten wir uns über Umwege aber extra Presseausweise besorgt." Dennoch lautete der Vorwurf "Spionage". Die Wahrscheinlichkeit sei zu diesem Zeitpunkt hoch gewesen, deswegen standrechtlich erschossen zu werden. "Erst drei Wochen zuvor war das UN-Soldaten passiert", so Sauer.

Dass die Helfer nicht ein ähnliches Schicksal ereilte, war letztlich wohl purem Glück zu verdanken. "Als wir gerade aus einem Kastenwagen steigen mussten, um vor Gericht geführt zu werden, kam gerade ein Beobachtungsfahrzeug der UN vorbei. Auf das sind wir wild mit den Armen winkend zugelaufen und haben laut um Hilfe geschrien. Mit Erfolg. Mit den Vereinten Nationen als Prozessbeobachter entließ das serbische Militär die Helfer gegen eine Zahlung von 2000 DM "und einer fast 4000 DM teuren Kameraausrüstung, die ich mir von einem Freund geliehen hatte". Einen positiven Nebeneffekt habe die negative Grenzerfahrung allerdings gehabt, findet Sauer. Er sei seinem christlichen Glauben während den Tagen der Haft ein großes Stück näher gekommen.


Was Sauer als Peinigung empfand

Zwei Jahre nach Ende des Kriegs wurde aus der Lebensmittelversorgung für Bosnien eine Lebensmittelversorgung für die Landkreise Kronach und Kulmbach. Ein bisschen sogar aus Trotz. Immer wieder sei ihm gesagt worden, dass doch erst den Menschen vor Ort geholfen werden müsse. "Das habe ich in der Öffentlichkeit als Peinigung empfunden", sagt Sauer.

Dennoch begann die 1994 gegründete Humanitäre Hilfe zwei Jahre später dann damit, als mobile Station jene Funktion einzunehmen, die später das "Lädla" der Caritas übernahm. Daraus ist längst das "Haus Lichtzeichen" entstanden, in dem der erste Schritt der Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden soll. Dabei sei es egal, ob ein Mensch verschuldet oder unverschuldet in eine Notsituation geraten ist. Wichtig, sei, dass er diese erkennt und entsprechend handelt. Und um diese Geschichte auch mit einem Spruch Sauers passend enden zu lassen: "Liebe den Menschen, wenn er es am wenigsten verdient hat. Denn genau da braucht er es am meisten."

Franken helfen Franken
Spendenverein: Mit ihrem Spendenverein "Franken helfen Franken" unterstützt die Mediengruppe Oberfranken (MGO) gemeinnützige Vereine, Initiativen und Projekte in Franken. Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die MGO.

Idee: Die MGO erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote (unter anderem das Zeitungsportal inFranken.de) viele Menschen. Das will sie nutzen, um mit Hilfe des Spendenvereins Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen.

Spendenkonto: Alle Spenden sind steuerlich absetzbar. Geld spenden kann jeder per Überweisung auf Konto 302194501 der Mediengruppe Oberfranken — Franken helfen Franken e.V. bei der Sparkasse Bamberg (BLZ: 770 500 00 / IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01 / BIC: BYLADEM1SKB).

Information: Wer sich über den Verein und seine Arbeit informieren möchte, kann dies tun auf der Homepage unter der Adresse www.franken-helfen-franken.de.


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