Mitwitz
Verunreinigung

Franken Bräu: Wie kam die Lauge ins Bier? Geschäftsführer äußert schweren Verdacht

Die in einer Franken-Bräu-Flasche festgestellte Lauge stammt nicht aus der Neundorfer Brauerei. So viel steht fest. Doch wie kam die Lauge in die untersuchte Flüssigkeit? Geschäftsführer Rainer Mohr äußert einen konkreten Verdacht.
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Unruhige Tage liegen hinter der in Neundorf beheimateten Brauerei Franken Bräu: Nachdem klar ist, dass die in einem Pils gefundene Lauge nicht in seiner Brauerei verwendet wird, möchte Geschäftsführer Rainer Mohr bei der Polizei am Montag Anzeige erstatten. Foto: Nicolas Armer/dpa
Unruhige Tage liegen hinter der in Neundorf beheimateten Brauerei Franken Bräu: Nachdem klar ist, dass die in einem Pils gefundene Lauge nicht in seiner Brauerei verwendet wird, möchte Geschäftsführer Rainer Mohr bei der Polizei am Montag Anzeige erstatten. Foto: Nicolas Armer/dpa

Längst beschäftigt der Fall auch Medien außerhalb des Kreises Kronach. "Gift im Bier entdeckt!" titelte die Bild-Zeitung, "Reste von Reinigungsmittel entdeckt", der Online-Auftritt des Stern. Und das reichweitenstarke Nachrichtenportal Spiegel Online schrieb: "Verbraucherschützer warnen vor verunreinigtem Bier".

Warnungen, die letztlich nicht nötig gewesen wären. "Das jetzt vorliegende Endgutachten ist zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Verbindung zwischen der Beschwerdeprobe und dem Abfüllbetrieb in Mitwitz nachgewiesen werden kann", teilte das Kronacher Landratsamt am Mittwoch (28.08.2019) mit.

Finanzieller Schaden und Imageverlust

Der wenige Tage zuvor noch im Raum stehende Verdacht: Das Pils der Neundorfer Brauerei Franken Bräu enthalte Reinigungslauge aus einer Flaschenwaschmaschine. Ein solches Mittel stellten die Behörden nämlich in einer Probe fest, die ein Verbraucher vergangene Woche abgab. Zunächst war nur von einem oberfränkischen Landratsamt die Rede. Am Freitag (30.08.2019) bestätigte das Landratsamt Forchheim jedoch FT-Informationen, nach denen die verunreinigte Flasche dort abgegeben wurde.

Wie bei jeder Verbraucherbeschwerde gehe die Probe dann vom Fachbereich für Lebensmittelüberwachung zum bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen, erklärt Holger Strehl, Pressesprecher des Forchheimer Landratsamts. Nachdem das Gutachten ergab, dass die in der Flüssigkeit gefundene Reinigungslauge nicht der entspricht, die bei Franken-Bräu verwendet wird, besteht für Verbraucher nun zwar kein Grund mehr zur Sorge - bei der Brauerei sieht das allerdings anders aus.

30.000 Flaschen hat die Franken Bräu nach Angaben ihres Geschäftsführers Rainer Mohr zurückgerufen. Den dadurch bislang auf 100.000 Euro geschätzten Schaden korrigierte er am Freitag auf inzwischen 200.000 nach oben. "Hinzu kommt natürlich noch der Imageverlust", betont Mohr.

Und wie geht es nun weiter? Einzelne Online-Medien berichteten am Freitag, es würden inzwischen polizeiliche Ermittlungen laufen. Das sei allerdings nicht der Fall, teilt ein Beamter der Polizeiinspektion Kronach auf FT-Anfrage mit: "Wenn noch keine Anzeige erstattet ist, laufen auch noch keine Ermittlungen."

Es handelt sich aber wohl nur noch um eine Frage der Zeit, ehe die Polizei aktiv wird. Am Montag werde sein Anwalt Anzeige erstatten, kündigt Mohr an. "Weil die Kronacher Polizei erst dann wieder Zeit hat." Er vermutet, dass jemand die beim Forchheimer Landratsamt abgegebene Probe mit Lauge versetzt hat, um seiner Brauerei zu schaden. Der Name des Beschwerdeführers sei ihm bereits bekannt. Dabei handele es sich um "ein hohes Tier aus der Politik und der Industrie". Allerdings aus einem Betrieb "außerhalb des Kreises Kronach". Mehr wolle er dazu derzeit aber nicht sagen.

Die falsche Farbe

Das Endgutachten liege ihm inzwischen vor. Was darin steht, könne er jedoch nicht ganz nachvollziehen. Unter anderem sei vermerkt, dass eine Flasche mit bernsteinfarbenem Bier abgegeben wurde. "Aber es gibt ja gar kein bernsteinfarbenes Pils", sagt der Geschäftsführer. Normalerweise sei ein Pils goldgelb oder naturtrüb. Daher habe er Zweifel, dass das untersuchte Bier überhaupt von seiner Brauerei stamme. Insgesamt seien es 45 Milliliter Pils mit Lauge gewesen, die abgegeben worden seien. Umgefüllt in eine Franken-Bräu-Flasche. "Die Originalflasche soll heruntergefallen sein. Daher stinkt das bis zum Himmel", findet Mohr.

Ob es wirklich Manipulation war, wisse er nicht, erklärte Rechtsanwalt Robert Scholz vom Bayerischen Brauerbund - bei dem Franken Bräu Mitglied ist - gegenüber der dpa. "Aber ich habe so das Gefühl, dass irgendwas gar nicht stimmt." Er rate Mohr, dagegen vorzugehen.

Aktiv wird am Montag allerdings nicht nur der Franken-Bräu-Geschäftsführer mit seiner Anzeige. Auch die Staatsanwaltschaft Coburg steht bereits in den Startlöchern. "Der Vorgang wird uns vorgelegt werden, das wurde uns vom Kronacher Landratsamt schon angekündigt", sagt Johannes Tränkle, Sprecher der Staatsanwaltschaft Coburg .

Im Raum stehe dann der Straftatbestand des Inverkehrbringens nicht sicherer Lebensmittel. "Das ergibt sich aus dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch", so Tränkle. Auf wen sich die Ermittlungen dann konzentrieren, könne er zum "gegenwärtigen Zeitpunkt ohne Aktenkenntnis" allerdings noch nicht sagen.

Ein routinemäßiger Vorgang

Um einen außergewöhnlichen Vorgang handelt es sich allerdings nicht. Allgemein sei es so, dass das Landratsamt alleine schon bei einem Anfangsverdacht auf eine Straftat alle zur Verfügung stehenden Informationen an die Staatsanwaltschaft übermittelt, erklärt Bernd Graf, der Sprecher des Kronacher Landratamts: "Das erfolgt nach dem Abschluss unserer Ermittlungen routinemäßig." Beendet scheint der Fall allerdings noch lange nicht - und dürfte auch überregionale Medien noch einige Zeit beschäftigen.

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