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Tettau
Pflanzenzucht

Fränkische Maracujas aus Tropenhaus in Kleintettau

Draußen ist es frostig und kalt, drinnen wachsen exotische Früchte. Im Frankenwald läuft ein europaweit einzigartiges Projekt. Das Tropenhaus in Kleintettau nutzt die Abwärme einer Glasfabrik. Noch ist nicht alles fertig.
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"Klein-Eden"-Geschäftsführer Ralf Schmitt prüft im Forschungshaus den Zustand einer tropischen Pflanze. Foto: Ronald Rinklef
"Klein-Eden"-Geschäftsführer Ralf Schmitt prüft im Forschungshaus den Zustand einer tropischen Pflanze. Foto: Ronald Rinklef
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Heiß ist es keineswegs. Noch nicht einmal mollig warm. Wer das auffällige Glasgebäude am Rande des kleinen Frankenwaldortes Kleintettau (Landkreis Kronach) betritt, ist zunächst einmal verwundert. Tropische Schwüle? Fehlanzeige. Schon eher gewohnte Zimmertemperatur. Bananen, Mangos oder Papayas, die Pflanzen gedeihen trotzdem, bei 20 bis 22 Grad.

3500 Quadratmeter Fläche
"Unser Wärmeverteilnetz ist auf den Niedrigtemperaturbereich zugeschnitten", erklärt Ralf Schmitt. Der 38-jährige Gärtnermeister für Zierpflanzenbau ist Geschäftsführer eines Projekts, das sich "Klein Eden Tropenhaus am Rennsteig GmbH" nennt. Die Idee, im nördlichen Landkreis Kronach einen Glasbau zu errichten, in dem exotische Früchte wachsen können, ist schon einige Jahre alt.
Der Kleintettauer Unternehmer und Glasfabrik-Besitzer Carl-August Heinz träumte davon, den bisher nicht genutzten Teil der Fabrikabwärme für so ein Vorhaben verwenden zu können. Inzwischen ist der Traum Realität. 500 Meter von der Glasfabrik entfernt gedeihen in zwei Glasbauten auf 3500 Quadratmetern Fläche die unterschiedlichsten tropischen Pflanzen. Bananen, Mangos, Papayas und Maracujas sind darunter, aber auch unbekannte Früchte wie Sapoten, Naranjillas oder Cherimoyas.

Restenergie aus der Fabrik
Was in großen Rohren von der nahen Fabrik im Tropenhaus ankommt, ist Restenergie. "Wir kriegen 35 bis 38 Grad warmes Wasser, das derzeit nicht nutzbar ist, weil es zum Beheizen von Wohnraum zu kalt ist", berichtet Schmitt. Über unzählige Wärmelüfter an der Decke werden die beiden tropischen Gewächshäuser auf Zimmertemperatur erwärmt. "Höher als 22 oder 23 Grad wird es nicht", sagt Schmitt. Das sei gerade das Spannende und mache das Frankenwald-Projekt EU-weit einzigartig. "Gewächshäuser mit Fabrikabluft gibt es viele. Aber wir züchten kostengünstig mit Niedrigwärmetemperatur."

90 Prozent Fördermittel
Fünf Millionen Euro mussten dafür investiert werden. 60 Prozent davon kamen laut Schmitt von der EU, 20 Prozent steuerte die Oberfrankenstiftung bei, zehn Prozent flossen aus dem Umweltfonds des Freistaats. Die restlichen zehn Prozent brachten der Landkreis, vier umliegende Kommunen und weitere Unterstützer aus der Region auf. Hauptgesellschafter der Tropenhaus-GmbH ist der Verein Rennsteigregion im Frankenwald.
Noch wartet das Tropenhaus auf seine offizielle Eröffnung. Irgendwann im Frühjahr wird es laut Schmitt soweit sein. Bis dahin sollen erst noch Speisefische ins Gebäude einziehen. Vier große Mastbecken mit insgesamt 120 Kubikmetern Wasser stehen zur Zucht von Tilapias bereit - eine Art Süßwasserbarsch aus Afrika. Somit kann die Fernwärme auch im Sommer gut genutzt werden.

Universität Bayreuth forscht
Derzeit sind Schmitt und seine vier Mitarbeiter dabei zu erkunden, welche Früchte besonders wachsen. Eines hat sich schon gezeigt: "Die Maracujas und die Papajas haben sich überraschend gut entwickelt", erzählt Schmitt. Im Dezember habe er Maracujas geerntet. Irgendwann sollen diese Früchte auch den Bewohnern der Region zum Kauf angeboten werden. Im Moment steht aber die Forschung im Vordergrund. Das größere der beiden Glashäuser darf deshalb außer von Schmitts Leuten nur von Mitarbeitern der Universität Bayreuth betreten werden. Was wächst bei diesen Temperaturen unter Glas, welche Nährstoffe sind nötig? Forschungsfragen, die in den nächsten Monaten im Mittelpunkt stehen werden. Erste Erkenntnisse mit den passenden Nährstoffen liegen schon vor. Der für das Projekt genutzte Boden von der benachbarten Hochlandrinderweide ist passend für tropische Pflanzen.

Bis zu zehn Tonnen Fisch jährlich
Im nächsten Jahr soll das Tropenhaus dann Einnahmen erzielen. Ralf Schmitt hat schon Ziele gesetzt: "Acht bis zehn Tonnen Fisch pro Jahr und sechs bis acht Tonnen unterschiedlichster Früchte wollen wir ernten." Was den Gärtnermeister dabei besonders stolz macht: Die Anlage trägt zur CO2 -Vermeidung bei - zwischen 350 und 400 Tonnen im Jahr. Denn jetzt müssen solche exotischen Früchte nicht mehr eingeflogen werden, sondern wachsen vor der Haustür.
Wie viele einzelne Pflanzen in Forscher- und Besucherhaus mittlerweile aus dem Boden sprießen, kann Schmitt nicht genau sagen. Auch viele Kräuter wie Chili oder tropische Minze sind darunter. "Wir pflanzen so an, dass wir in jedem Quartal irgendetwas ernten können", sagt er. Der Vorteil: Es gibt manche Früchte im Frankenwald-Tropenhaus auch dann, wenn sie im Ursprungsland noch nicht reif sind. Außerdem werden sie hier nur reif geerntet, was bei eingeflogenen tropischen Früchten so gut wie nie der Fall ist.



"Wir möchten aber mit der Anlage nicht in Konkurrenz treten zu den Ursprungsländern", sagt Schmitt. Dazu sei das Tropenhaus nicht fähig. Aber wenn der durch den Flugobstverkehr verursachte immense CO2 -Ausstoß eingedämmt werde, sei das schon ein großer Erfolg. Denn schließlich nutze man in Kleintettau energetischen Müll, weil die Niedrigtemperatur aus der Fabrikrestwärme bisher immer nur in die Luft geblasen wurde. "Das macht das Projekt einzigartig", schwärmt Schmitt.
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