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Kronach
Geschichte

Fotografieren war ein Knochenjob

Vor 160 Jahren brachten die ersten Kronacher "Photographen" ihre schweren Apparate in Stellung. Sie hinterließen Zeitdokumente von hohem Wert.
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Reizvolle Kronacher Hochzeitsgesellschaft in alter Zeit mit  Pferdekutschen, aufgenommen von Johann Friedrich SchmidtRepro: Gerd Fleischmann
Reizvolle Kronacher Hochzeitsgesellschaft in alter Zeit mit Pferdekutschen, aufgenommen von Johann Friedrich SchmidtRepro: Gerd Fleischmann
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Bereits vor 160 Jahren hielt die Fotografie Einzug in Kronach. Wer waren diese mutigen Pioniere, die die Bürger in Stadt und Land ab 1860 mit dieser neuartigen Erfindung beglückten, einer Erfindung, die erst ab 1839 Konturen annahm?

Zum illustren Kreis der Entdecker der Fotografie zählen der Franzose Nicéphore Niepce (1829), der Engländer Henry Fox Talbot (1835) sowie der Franzose Louis Daguerre (1839). Die Erfindung der Fotografie hat die Menschen zu neuem Sehen bewegt: Was bisher nur in Skizzen, Zeichnungen und Gemälden festgehalten und weitergegeben werden konnte, zeigte sich ab 1839 als naturgetreues Dokument.

Die erste Anzeige eines Photographen ist in einer Hamburger Zeitung am 15. September 1841 nachlesbar. Neunzehn Jahre später, und zwar am 21. Mai 1860, lässt eine Annonce eines "Küpser Photographisten" in der Kronacher Zeitung "Fränkischer Wald" aufhorchen: "Einem verehrungswürdigen Publikum Cronachs und der Umgegend bringt Unterzeichneter die ergebenste Anzeige, das derselbe am 27. d. M. anfangend, alle Sonn- und Montage photographische Portraits aufnimmt und nur gut gelungene Bilder abgibt. Sein Aufnahmeplatz ist bei Bäckermeister Herrn Dümmlein in der Strau."

Ob nun der Küpser Fotograf in Kronach vor 160 Jahren erfolgreich war, lässt sich nicht mehr feststellen. Erfolgreich waren allerdings ab 1863 die Kronacher Haus- und Hoffotografen Heinrich Spörl, Georg Fiedler, Michael Schuberth und Johann Friedrich Schmidt.

Heinrich Spörl, geboren 1833, präsentierte sich der Leserschaft mit einer durchaus aussagestarken Anzeige am 5. August 1863: "Photographische Anzeige. Ich erlaube mir einem hiesigen und auswärtigen verehrten Publikum anzuzeigen, daß ich mir ein Glashaus zur Aufnahme von Photographien erbaut habe. Durch dessen zweckmäßige Einrichtung bin ich in den Stand gesetzt, alle mir zukommenden Aufträge in Photographien, sowohl in großen Bildern als auch in Kartenformat, auf´s Beste auszuführen, und finden Aufnahmen unter jedem Witterungsverhältniß statt. Auch verspreche ich, unter annehmbaren Preisen nur Vorzügliches zu liefern. Das Atelier befindet sich bei Seifensiedermeister Franz Voitländer in Kronach. Zu recht zahlreichen Aufträgen mich bestens empfehlend Heinrich Spörl, Photograph."

Spörl baute eine Scheune zu einem Foto-Atelier aus, in dem seine Kunden - unter Zuhilfenahme von Nackenstützen - eine kleine Ewigkeit ausharren mussten, da die Belichtungszeiten damals Minuten dauerten.

Zwanzig Jahre später wirbt mit Georg Fiedler ein weiterer Kronacher Fotograf um Kundschaft. Die Eröffnungsanzeige vom 29. Oktober 1883 lautete wie folgt: "Anzeige - Hiermit beehre ich mich ergebenst anzuzeigen, daß ich mein Atelier für Photographie eröffnet habe, empfehle mich zu geneigten Aufträgen und zeichne hochachtungsvoll, Gg. Fiedler."

Das berufliche Fotografieren war zu jener Zeit ein Knochenjob, denn der Kundenbesuch in den Dörfern glich einer Expedition und das Fotografiertwerden war noch ein Abenteuer: Ein Kamera-Träger schleppte das schwere hölzerne Ungetüm und die anderen Requisiten zur Postkutsche, mit der man in das Dorf fuhr, in dem Plakatanschläge schon tagelang auf dieses Ereignis aufmerksam machten. An einem Scheunentor wurde eine mit Palmen bemalte Leinwand befestigt und vor dieser südländischen Kulisse ließ man sich für die Enkel ablichten.

Als sich im Jahre 1890 mit dem künstlerisch hochtalentierten Schneidermeister Johann Friedrich Schmidt ein weiterer Fotograf in der Wasserstraße etablierte, kam es zu einer regelrechten Konkurrenzsituation. Damit war das Angebot an Fotografen noch lange nicht beendet. Als im April 1894 Heinrich Spörl im 61. Lebensjahr verstarb, setzte Michael Schuberth dessen Aktivitäten fort. Dazu die Geschäfts-Empfehlung vom 19. Mai 1894 im "Fränkischen Wald": "Einem geehrten Publikum von Stadt und Land bringe hiermit zur gefl. Kenntniß, daß ich das photographische Atelier des verstorbenen Hrn. Hrch. Spörl in der Lindenstraße dahier pachtweise übernommen habe und mit Heutigem eröffnen werde. Indem ich bitte, das diesem Geschäfte stets entgegengebrachte Vertrauen auch mir zu Theil werden zu lassen, sichere vorzügliche Ausführung aller geschätzten Aufträge zu. Achtungsvollst Mich. Schuberth, Photograph." Der Photographenmeister Michael Schubert, den eine Tochter Spörls nach dem Tode ihres Vaters heiratete, verbesserte das Foto-Atelier nicht nur in baulicher Hinsicht, sondern erweiterte auch den Kreis zufriedener Kunden beträchtlich. Nach 1938 übernahmen Karl, dann Maria und zuletzt Jürgen Schubert das elterliche Geschäft bis 1996.

Zu einem Profi entwickelte sich nach 1890 Johann Friedrich Schmidt, denn er war ein Meister der Photographie. Das zeigen die vielen noch vorhandenen Porträt- und Gruppenaufnahmen. Bereits ab 1896 trat die arbeitsaufwendige Lithografie im Frankenwald ihren Siegeszug an. Der zeichnerisch hochtalentierte Schmidt nutzte die Chance und fertigte Meisterwerke, die heute teuer gehandelt werden.

Was in jener Zeit für das Fotografieren benötigt wurde, verrät eine Anzeige am 28. Januar 1908: "Drogerie Rosenberg gegenüber der protestantischen Kirche empfiehlt photographische Apparate von M. 8.50 an mit vollständiger Ausrüstung und Anleitung. Sämtlich hiezu nötigen Utensilien wie: Platten, Papiere, Lampen, Kopierrahmen, Entwickler, Fixierbäder; Kartonagen, Albums. Probebilder der verschiedensten Apparate zur Ansicht. J. B. Cammerer."

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