Nurn
Natur

Forstminister lobt Entwicklung im Frankenwald

Staatsminister Helmut Brunner (CSU) machte sich am Dienstag ein Bild vom "Waldgebiet des Jahres 2017". Er lobte die Entwicklung im Frankenwald.
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Beim Besuch von Minister Helmut Brunner (3. v. l.) durften die Gäste mit einer Tannenpflanzung einen aktiven Beitrag zum Waldumbau leisten. Foto: Marco Meißner
Beim Besuch von Minister Helmut Brunner (3. v. l.) durften die Gäste mit einer Tannenpflanzung einen aktiven Beitrag zum Waldumbau leisten. Foto: Marco Meißner
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Der bayerische Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, wechselte in Nurn sein Handwerkszeug. Zum Schluss seines Besuches am Dienstagnachmittag hatte er weder Stift noch Mikrofon in der Hand. Vielmehr hob er fachmännisch ein Loch aus, in das er anschließend eine junge Tanne pflanzte. Ein kleiner Beitrag zum Waldumbau, dem die anderen Gäste nacheiferten. Vorausgegangen war ein Treffen an einer gerade entstehenden Aussichtsfläche oberhalb der Ködeltalsperre. Dort wollte der Minister über aktuelle Entwicklungen im "Waldgebiet des Jahres 2017", dem Frankenwald, sprechen.

"Die Waldwirtschaft in der Region hat eine herausragende Bedeutung", stellte Brunner fest. Der CSU-Politiker zeigte auf, wie viele Arbeitsplätze von der Forstwirtschaft und den nachgelagerten Gewerbezweigen abhängig sind. Doch auch der Naturschutz profitiere von einem intakten Wald und einer vernünftigen Bewirtschaftung. "Gerade in einer Zeit, in der wir ökologischer denken, merken wir, dass wir mit dem Holz einen ökologischen und nachwachsenden Rohstoff vor der Tür haben", so der Minister. Schützen und nützen seien im Umgang mit dem Wald kein Widerspruch. Im Gegenteil. "Im Forst bedingt sich das geradezu."


Auf Klimawandel einstellen

So müsse sich das waldreiche Bayern auf den Klimawandel und immer mehr Witterungsextreme einstellen. Dies werde von seinem Ministerium unterstützt. "Wir wollen einen vom Alter her gestuften Wald mit einem standortgerechten Baumbestand", erklärte Brunner. "Und wenn ich mehrere Baumarten habe, kann ich wahrscheinlich katastrophale Waldbilder verhindern", machte er sich für einen Wandel zum Mischwald hin stark. Die Fichte werde im Frankenwald zwar auch in Zukunft der Brotbaum Nummer eins bleiben, doch müsse der Wald durch weitere Baumarten ergänzt werden.

Auf diesem Weg wolle das Ministerium auch den Privatwaldbesitzern zur Seite stehen, denn "letzten Endes muss jeder Waldbesitzer selbst entscheiden, was er tut. Wir können nur beratend und mit Förderungen steuernd tätig werden".

Brunner bescheinigte dem Frankenwald, verdient als "Waldgebiet des Jahres" ausgezeichnet worden zu sein. Er ließ seinen Blick vom neuen Aussichtspunkt über die Talsperre und die sie umgebenden Wälder schweifen und schwärmte von der Wechselwirkung im Waldbild, die dem Gemüt und dem Auge des Betrachters gut tue.
Bürgermeister und stellvertretender Landrat Gerhard Wunder (CSU) machte sich ebenfalls für eine Unterstützung aus München für die Privatwaldbesitzer stark. Er ging darauf ein, dass der Frankenwald nach der abgeschlossenen Nationalpark-Diskussion weiter an seiner Fortentwicklung arbeiten werde. Ein Konzept solle aufzeigen, wie die Region nachhaltig touristisch genutzt werden kann. "Kein Massentourismus", so Wunder, sei damit gemeint. Vielmehr solle die Entwicklung der Region entsprechen.



Wald verbindet Menschen

Bernd Lauterbach, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), dankte dem Minister. Dessen Besuch sei ein Zeichen der Wertschätzung für die nachhaltige Arbeit am Wald. "Sie weisen auf die Bedeutung des Waldes für den ländlichen Raum hin und honorieren das erfolgreiche Miteinander von Vogelschutz und Holznutzung, von Erholungsnutzung und Trinkwasserschutz, von Mensch und Natur." Das Motto "Frankenwald verbindet" unterstreiche eben dieses Miteinander von verschiedenen Gruppen in der Region und wecke Hoffnung für die Zukunft.

Die Forstleute würden durch ihre Arbeit Wissen weitergeben, unterschiedliche Interessen zusammenführen und kompetent mit Herausforderungen wie Klimawandel und Stürmen umgehen, betonte der BDF-Vorsitzende. Die Ausrufung des Frankenwaldes zum "Waldgebiet des Jahres" habe ganz in diesem Sinne zu vielen Aktionen geführt, bei der die verschiedenen Gruppen vorbildlich zusammengearbeitet und Ideen entwickelt hätten.
Der Rothenkirchener Forstbetriebsleiter Peter Hagemann stellte fest, dass die Staatsforsten den Menschen die Schönheit der Natur näherbringen wollen. In diesem Sinne entstehe der Aussichtsplatz an der Talsperre. Hagemann unterstrich weiterhin, dass der Waldumbau im Frankenwald zügig vorangehen müsse. "Die Fichte wird die stärkste Baumart bleiben, aber wir müssen andere Arten dazubringen", betonte er.

Cordula Kelle-Dingel (Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz) informierte den Minister über den Naturschutz. Sie ging dabei auf die Rolle des Schwarzstorchs ein, der die Bedingungen im Frankenwald als Brutgebiet sehr schätze. Vor allem Wipfelbrüche nütze er als Nisträume.

Kelle-Dingel lobte besonders die Zusammenarbeit zwischen Forst und Naturschutz vor Ort, die sehr unbürokratisch funktioniere. Um den "Leitvogel für naturnahe Fließgewässer" weiter zu unterstützen, müssten diese Gewässer in Zukunft noch besser in einen ökologischen Zustand versetzt werden, gab sie den Politikern mit auf den Weg.




Von Tannen, Kunst und schönen Ausblicken

Ortstermin: Das Treffen mit dem Minister führte die Beteiligten ein ganzes Stück weit in den Wald hinein. In der Nähe von Nurn, oberhalb der Talsperre, entsteht gerade eine Aussichtsfläche, die bald einmal den Passanten für eine Ruhepause mit einem herrlichen Ausblick dienen soll.

Kunstwerk: Helmut Brunner und der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute, Bernd Lauterbach, unterhielten sich nicht nur über das "Waldgebiet des Jahres", sondern nahmen am neuen Aussichtspunkt auch eine Enthüllung vor. Drei Schüler des Frankenwald-Gymnasiums Kronach, Alexander Rösch, David Süßmann und Philip Swoboda, stellten für diesen besonderen Ort ein Kunstwerk zur Verfügung. "Das Kunstwerk der Schüler macht an diesem Ort deutlich, dass sowohl die Arbeit die Menschen verbindet, wie auch die Kunst den Werkstoff und die Natur verbindet", unterstrich Lauterbach. Er dankte zudem dem Forstbetriebsleiter aus Rothenkirchen, Peter Hagemann, "dass es möglich ist, in seinem Betrieb an solch spektakulärer Stelle an das ,Waldgebiet des Jahres 2017‘ zu erinnern".

Pflanzaktion: Zum Abschluss der Zusammenkunft pflanzte der Minister gemeinsam mit den weiteren Gästen jeweils eine Tanne. Alle Bäumchen erhielten Namensschilder. Damit unterstützte er die Aktion "Tannenoffensive", welche zum Waldumbau beitragen soll.
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