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Gifting
Projekt

Forstbehörde legt sich bei Straße nach Gifting quer

Die Kreisstraße 3 wird zwischen der Staatsstraße 2200 und Gifting auf einer Länge von 3,3 Kilometern ausgebaut. Das kostet über dreieinhalb Millionen Euro. Doch bereits vor dem Start der Arbeiten gibt es Probleme. In einer Bilderstrecke zeigen wir den Straßenverlauf und die Problembereiche.
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Diese Kurverei zuerst nach rechts und dann scharf nach links um die Felsnase herum - zwischen der Kremnitzbrücke und der Felsmühle - soll bald der Vergangenheit angehören. Die Straßenbauer wollen nach der Brücke geradewegs durch den Felsblock durch. Der Forst ist dagegen, weil Bodenschutzwald abgeholzt werden müsste.  Fotos: Friedwald Schedel
Diese Kurverei zuerst nach rechts und dann scharf nach links um die Felsnase herum - zwischen der Kremnitzbrücke und der Felsmühle - soll bald der Vergangenheit angehören. Die Straßenbauer wollen nach der Brücke geradewegs durch den Felsblock durch. Der Forst ist dagegen, weil Bodenschutzwald abgeholzt werden müsste. Fotos: Friedwald Schedel
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Täglich quälen sich 2200 Autofahrer auf der engen und kurvenreichen Kreisstraße 3 zwischen Gifting und der Staatsstraße Wilhelmsthal-Steinberg. Damit soll Schluss sein. Die 3,3 Kilometer lange Strecke wird mit einem Kostenaufwand von 3,5 bis vier Millionen Euro ausgebaut. Sie wird breiter und die engen Kurven werden begradigt. So wollen es zumindest die Planer.

Doch sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn der Forst legt sich quer, weil der Schutzwald unbedingt erhalten werden soll. Die Straßenbauer wollen die Straße nicht nur von fünf bis fünfeinhalb Metern auf sechs Meter verbreitern, sondern vor allem die Kurvenradien begradigen.

Das bringt den Ärger mit sich. So großen, dass in den kommenden Tagen ein klärendes Gespräch vor Ort zwischen den Verantwortlichen von Landratsamt, Staatsforst und Regierung von Oberfranken anberaumt ist.
Die Regierung ist deshalb mit im Boot, weil sie keine Zuschüsse zu diesem Millionenprojekt gibt, wenn ein gewisser Ausbaustandard nicht eingehalten wird. Das betrifft sowohl die Breite als auch die Kurvenradien.


So sieht der Ausbau aus

Wie soll der Ausbau aussehen? Von der Fehnenschneidmühle an der Abzweigung von der Staatsstraße sind die ersten paar Hundert Meter problemlos auszubauen. Da ist ja auch noch kein Wald und das Tal ist vergleichsweise breit. Eng und problematisch wird es dort, wo zwischen Kremnitzfluss und Steilhang wenig Platz für die Straße ist. Das ist dort, wo der Wald von Osten her an die Straße heranreicht, nach der Felsmühle von Westen her.

Mit geringen Eingriffen in diesen Hängen wäre die Forstbehörde ja noch einverstanden, aber nach der Kremnitzbrücke kommt der - im wahrsten Sinne des Wortes - Stein des Anstoßes. Die Straßenbauer wollen von der Brücke aus fast geradewegs durch den massiven Felsen durch, wo sich bis jetzt das Sträßlein an diesem harten Brocken vorbeischlängelt.

Peter Hagemann ist Leiter des Forstbetriebs Rothenkirchen, dem ein großer Teil der Waldflächen, die durch den Straßenbau betroffen sind, gehören. "Es ist auch Bodenschutzwald betroffen", berichtet Hagemann. "Die Steilheit der Hänge erfordert, dass Wald drauf steht, denn der Wald hält den Boden fest." Wenn man so wie geplant in die Natur eingreife, müsste man die Hänge künstlich verbauen. Peter Hagemann befürchtet auch Einflüsse auf die neue Waldkante durch den Wind.

Der natürlich gewachsene Waldrand widerstehe dem Winddruck, weil die Wurzeln entsprechend großflächig ausgebildet seien. Wenn Bäume aus dem Inneren des Bestandes durch eine Rodung plötzlich am Rand seien, könne das zu Problemen durch Windwurf führen. Hagemann bat um Berücksichtigung der Vorschläge des Forstes, ob man denn von Seiten der Regierung nicht von den Kurvenradien und Breiten abweichen und trotzdem eine Förderung gewähren könne. "Wir sind hier nicht im Gäuboden, sondern im Frankenwald", verdeutlichte der Forstbetriebsleiter.


Große Hoffnungen

Forstdirektor Michael Schneider vom Amt in Stadtsteinach musste zum Straßenausbau gehört werden, denn hier nimmt die Forstbehörde eine hoheitliche Aufgabe wahr. Im Bereich der Felsnase könne man keinen Kahlschlag im Wald machen, untermauerte Schneider seine Position. Keinesfalls wolle er den Straßenbau verhindern, aber es müsste auch ohne so große Erdbewegungen und Sprengungen gehen. Von oberhalb des Hanges komme auf einer Länge von 500 bis 600 Metern viel Wasser runter.

Der Wald im Bereich der Felsnase sei Bodenschutzwald, die Bodenkrume unter dem Moos dünn. "Ein bisschen was wird man wegmachen können", zeigte Schneider Kompromissbereitschaft. Doch wenn die Pläne der Straßenbauer so wie jetzt vorgesehen in die Tat umgesetzt würden, müsste man "brutal in den Hang rein". Er wolle das Straßenbauprojekt nicht verhindern, sondern abpuffern. Die Kurven sorgten auch für eine gewisse Verkehrsberuhigung.

Landrat Oswald Marr (SPD) setzt große Hoffnungen auf das klärende Gespräch zwischen den Beteiligten. Wenn die Eigentümer einverstanden seien, brauche man keine Planfeststellung. Ein solches Verfahren würde den Bau um mindestens ein Jahr verzögern. "Wir müssen eine wesentliche Verbesserung herbeiführen, damit die Maßnahme förderfähig ist", erinnerte der Landrat an die Anforderungen. Die Forstbehörde wolle einen schwächeren Ausbau als geplant und ein paar Kurven erhalten.


An Richtlinien gehalten

Gunther Dressel von der Tiefbauverwaltung des Landratsamts informierte, dass Kosten von 800 000 bis 1 000 000 Euro pro Kilometer normal seien, wenn Ingenieurbauwerke zu errichten seien. Das sei beim Ausbau der Kreisstraße 3 wegen der Hangsicherung der Fall. Außerdem sei der Durchbruch durch den Felsblock aufwendig. Das herausgebrochene Material werde entweder durch die Baufirma andernorts verwendet oder Bauern brauchten solches Material.

Für den Wegebau sei das nicht geeignet, denn die Brocken, die der Bagger herausbreche, seien zu groß. Dressel verwies darauf, dass man sich bei der Planung an die Richtlinien gehalten habe. Die Verkehrsführung müsse bei einem Ausbau verbessert werden und auch die Haltesichtweite sei einzuhalten. Der Einschnitt in den Fels werde mit vier bis fünf Metern nicht allzu hoch, meinte Dressel.

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