Windheim
Spendenaufruf

Flutkatastrophe in Indien: Pfarrer im Frankenwald leidet mit seinen Landsleuten

Er predigt im Frankenwald, betet derzeit aber auch für seine Heimat in Indien. Pfarrer Cyriac Chittukalam leidet mit seinen heimgesuchten Landsleuten.
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Pfarrer Cyriac Chittukalam sorgt sich um die Menschen in seiner südindischen Heimat in Kerala. Foto: Veronika Schadeck
Pfarrer Cyriac Chittukalam sorgt sich um die Menschen in seiner südindischen Heimat in Kerala. Foto: Veronika Schadeck
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"Es ist das schlimmste Hochwasser, das wir in Kerala je erlebten", sagt Cyriac Chittukalam. Die Lage ist katastrophal, berichtet der Pfarrer, der seit knapp vier Jahren die Rennsteiggemeinden Tettau, Buchbach, Hirschfeld und Windheim betreut. "Viele Menschen leiden und sterben. Sehr viele Häuser sind zerstört."

Das Strahlen in seinem Gesicht, das er vor wenigen Wochen bei der Primiz von Tobias Fehn in Hirschfeld hatte, ist verschwunden. Cyriac Chittukalams Blick ist von Sorge und Nachdenklichkeit geprägt. "Ich kann nur beten!"

Fernsehen und Internet hat der Pfarrer in seiner Wohnung im Buchbacher Pfarrhaus derzeit permanent im Blick. Bilder aus seiner Heimat flimmern über die Monitore. Sie zeigen Menschen in Booten und auf Dächern. Zu sehen sind eingestürzte Häuser. Verzweifelte Landsleute, die bis zur Hüfte im Wasser versinken. Schlammlawinen. Tote Tiere, die in Fluten mitgerissen werden. Wütende Bürger, deren Angehörige unter Trümmern liegen und denen nicht geholfen wird oder nicht geholfen werden kann. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen. Die Landwirtschaft, die Ernte - alles ist dahin.

Seine Mutter musste fliehen

Auch das Elternhaus von Pfarrer Cyriac Chittukalam ist betroffen. Seine 81-jährige Mutter musste ihre Wohnung verlassen. Zu groß ist die Gefahr, dass das Haus aufgrund der Wassermassen einstürzen könnte. Sie lebt jetzt bei Verwandten.

Er predigt und betet im Frankenwald - per Handy ist Cyriac Chittukalam aber immer mit der Heimat verbunden. Da die Stromversorgung am Wochenende zusammengebrochen ist, geht er sehr sparsam mit den Gesprächen um, wegen dem Akku. "Meine Mutter erzählt, dass sie in ihrem Leben noch nie so eine Situation erlebt hat."

Über 850 000 Menschen waren es, die am Sonntag in Notunterkünften, in Schulen oder Kindergärten untergebracht wurden. Mittlerweile mussten einige wieder umsiedeln, da diese Unterkünfte wegen der Wassermassen nicht mehr sicher sind.

"Das schlimmste Gefühl ist es, nicht helfen zu können" meint Pfarrer Chittukalam mit hilfloser Stimme. "Der Flughafen ist ja auch nicht mehr nutzbar."

Im Gespräch kommt er auf den Glauben und auf seine Mission als Pfarrer zu sprechen. Hadert da man nicht mit Gott? Gibt es keinen Zweifel? "Gott geht unterschiedliche Wege, um Menschen zu gewinnen. Er geht manchmal Wege, die wir Menschen nicht verstehen."

Der Pfarrer spricht über die Kirche. "Das kirchliche Leben in meiner Heimat kann mit dem in Deutschland nicht verglichen werden." Auch das Priesterleben sei anders. Chittukalam blickt wieder zum Fernseher, auf dem Bilder aus seiner Heimat flackern. Gerade spricht der Präsident des Bundesstaats Kerala zur Bevölkerung.

In Indien sind die Kirchen voll

In Indien, so der Pfarrer aus dem Frankenwald, gibt es viele Priester, die Kirchen sind voll. "Die Pfarrer genießen ein hohes Ansehen. Und sie sind jetzt Fachkräfte im Katastrophenschutz."

In seinem "Heimatdorf" Kumarakom - es zählt zwar 35 000 Einwohner, was für indische Verhältnisse aber ein Dorf ist - gibt es keine Feuerwehr, kein Technisches Hilfswerk und auch keine Polizei. Es gibt lediglich ene Berufsfeuerwehr - zuständig für einen gesamten Bezirk.

Es sind die Menschen, die sich engagieren, die füreinander da sind und sich gegenseitig helfen. "Das ist das größte Geschenk, das wir haben". Und die Pfarrer, so erzählt Chittukalam, sind mit im Einsatz. Sie sind mit Booten unterwegs, um Menschen aus ihren einsturzgefährdeten Häuser zu retten. "Das ist oft schwierig, denn die Leute wollen ihr Zuhause nicht verlassen." Außerdem bringen die Pfarrer Kleidung, Nahrung und Medikamente in die Sammelunterkünfte.

Die "Kraft des Glaubens"

Auf die Frage, ob seine Mitbürger in der Situation nicht an ihrem Glauben zweifeln, reagiert er erstaunt. Der Pfarrer versucht anhand eines Beispiels die "Kraft des Glaubens" in seiner Heimat zu erklären.

Er habe am frühen Sonntagmorgen seinen Cousin angerufen und sich nach seiner Mutter erkundigt.

Die Antwort: "Mach dir keine Sorgen, sie ist sicher, aber ich muss jetzt in die Kirche." Anschließend stampfte der Cousin durch das Wasser in die ebenfalls unter Wasser stehende Kirche. "Manche Leute fahren auch mit dem Boot in die Kirche, obwohl sie vieles verloren haben."

Cyriac Chittukalam erklärt, dass Kerala sowohl von Flachland als auch von Gebirge durchzogen wird. Auch sein Erzbistumshaus ist etwas höher gelegen. Es gebe aber auch viele Gemeinden, die unterhalb des Meeresspiegels liegen.

Staudämme abgelassen

In der Gegend gibt es 35 Staudämme. Mittlerweile wurden einige abgelassen - aus Angst, sie könnten brechen. "Es gibt einen Damm, aus dem zwei Millionen Liter Wasser pro Sekunde fließen", versucht der Pfarrer, die Dimensionen darzulegen.

Inzwischen gehe das Hochwasser Gott sei Dank zurück, sagt Cyriac Chittukalam. Er hofft und betet, dass sich die Situation in Kerala verbessert und es den notleidenden Menschen bald besser geht.

Chittukalam wird - wie jedes Jahr - nach Weihnachten in seine Heimat zurückkehren. Er glaubt nicht, dass er bis dahin sein Elternhaus betreten kann. Wichtig ist für ihn aber, dass er seine Mutter und Familie wiedersehen kann. Er will dann mithelfen beim Aufbau.

Spendenaufruf der Pfarrei

Seine Pfarrei hat einen Spendenaufruf gestartet. Spenden können im Buchbacher Pfarrhaus, bei den Kirchenpflegern Manfred Fehn (Windheim), Albrecht Förtsch und der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Loretta Herrmann (beide Hirschfeld) übergeben werden oder auf das Konto der Kirchenstiftungen unter dem Stichwort "Fluthilfe Kerala" überwiesen werden. Informationen unter 09269/9526.



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