Unterrodach
Auszeichnung

Flößer sind Heimatpfleger im besten Sinne

Die Frankenwaldflößer wurden bei einem Festakt am Flößermuseum in Unterrodach mit dem Landeskundepreis 2019 ausgezeichnet.
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Das sogenannte 70 Meter lange "Hallstadter Stück" - von 30 Flößern zum "Tag des offenen Denkmals" auf dem Obermain von Kemmern nach Bischberg bewegt - war im Jahre 2008 das letzte große Topereignis der Frankenwaldflößer.Gerd Fleischmann
Das sogenannte 70 Meter lange "Hallstadter Stück" - von 30 Flößern zum "Tag des offenen Denkmals" auf dem Obermain von Kemmern nach Bischberg bewegt - war im Jahre 2008 das letzte große Topereignis der Frankenwaldflößer.Gerd Fleischmann
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Vor der Kulisse des Flößermuseums in Unterrodach sind die Floßvereine aus Wallenfels, Unterrodach, Neuses und Friesen in einem würdigen Rahmen mit dem Landeskundepreis 2019 - er ist mit 3000 Euro dotiert - ausgezeichnet worden. Alle zwei Jahre wird dieser Preis vom Arbeitskreis Landeskunde und Kulturlandschaft im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege für herausragende Arbeiten und Leistungen, die der Kenntnis und Wahrung des natürlichen und kulturellen Erbes in Bayern dienen, verliehen.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt im Beisein zahlreicher Ehrengäste durch die Flößermusikanten des TV Unterrodach unter der Stabführung von Walter Wich-Herrlein. In seiner emotional geprägten Laudatio ging Hauptkonservator Thomas Gunzelmann - er ist auch Vorsitzender des Arbeitskreises Landeskunde und Kulturlandschaft im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege - auf die einstige enorme wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Flößerei im Frankenwald ein.

Unter anderem zeigten der Vorsitzende der Deutschen Flößerei-Vereinigung, Martin Spreng aus dem Nordschwarzwald, Altlandrat und Ehrenflößer Heinz Köhler sowie Bezirksheimatpfleger Günter Dippold sowie MdL Martin Böhm Präsenz. Vertreten wurden die Kommunen durch Norbert Gräbner (Marktrodach), Angela Hofmann (Kronach), Jens Korn (Wallenfels), Egon Herrmann (Weißenbrunn) und Gregor Friedlein-Zech (Marktzeuln).

Der Vorsitzende des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, Landtagspräsident a. D. Johann Böhm, lobte das eindrucksvolle Engagement der Flößer mit den Vorständen Friedrich Fricke (Unterrodach), Andreas Buckreus (Wallenfels), Georg Geiger (Friesen) und Dieter Endres (Neuses). "Die Mitglieder der Frankenwald-Floßvereine haben mit ihrem langjährigen Einsatz, mit ihren Fähigkeiten und Talenten eindrucksvoll bewiesen, dass Heimatpflege Sinn hat, dass die Vermittlung von historischem Wissen und regionaler Kulturgeschichte nötig ist und erfolgreich gelingen kann. Menschen wie Sie haben mit ihrem Tun weit über die Gemeindegrenzen hinaus Wirkung erzeugt und nehmen unseren Dank heute zu recht entgegen", betonte Böhm.

Seit dem Ende der gewerblichen Flößerei gebe es heute mit zunehmender Verbreitung die touristische Flößerei. Mit Flößerfesten und Floßfahrten werden in der Öffentlichkeit das Wissen um die alte Handwerkstechnik wach gehalten und die Mitglieder der Vereine vermitteln die Flößerei als kulturelles Erbe an Schulen und Kindergärten. Dabei gehe es vor allem um Wertschätzung und Respekt für den Einfallsreichtum und die Fähigkeiten vergangener Generationen. Böhm: "Heimat entsteht immer dann, wenn ihre Bewohner sich ihrer nahen Welt annehmen, wenn sie ihr gemeinsames Leben im Gleichgewicht zwischen ökonomischem Handeln, schöpferischer Freude und sozialer Verantwortung selbst gestalten."

Die Glückwünsche des Landkreises überbrachte Landratsstellvertreter Gerhard Wunder aus Steinwiesen. Auch er würdigte die erfolgreiche Basisarbeit der Frankenwaldflößer. Anschaulich und publikumswirksam werde dieses historische Gewerbe, das acht Jahrhunderte die Kulturlandschaft der Region geprägt habe, durch Floßfahrten und durch museale Einrichtungen vermittelt. Zudem hätten sich die Floßvereine des Frankenwaldes aktiv an der denkmalkundlichen Erfassung der historischen Kulturlandschaft der Flößerei beteiligt, versicherte Gerhard Wunder. "Wir sind stolz auf unsere Flößer", betonte der stellvertretende Landrat. Eingangs hieß Bürgermeister Norbert Gräbner im Namen der Gemeinde Marktrodach die vielen Gäste zur Preisverleihung willkommen.

Die Frankenwaldflößer prägten die historische Kulturlandschaft mit

Ausführlich informierte Hauptkonservator Thomas Gunzelmann aus Zapfendorf in seiner 30-minütigen Laudatio über die 800-jährige Entwicklung der Flößerei im Frankenwald mit zuletzt 44 Floßteichen und 200 Kilometer floßbaren Bächen. Neben der Geschichte und Landschaft müsse vor allem der Blick auf die Menschen geworfen werden, die dieses Gewerbe ausübten und das sie prägte, denn die heutigen Preisträger seien teils in direkter Linie Nachfahren dieser Menschen, betonte der Laudator.

Armut und Reichtum

Der Flößer sei, so Gunzelmann, keineswegs eine homogene Erscheinung gewesen. Die Spannweite zwischen arm und reich sei groß gewesen. Um 1760 habe es im Frankenwald 145 Floßherren gegeben, die mit einer mehrfachen Zahl abhängiger Flößer arbeiteten. Eins war aber klar, versicherte der Festredner, für die Ärmeren unter diesen bedeutete dies ein Leben in Armut, verbunden mit höchsten gesundheitlichen Risiken. Die Floßkasse im Dorfmuseum Neuses spreche eine deutliche Sprache. Sie beinhalte von 1836 bis 1929 mehr als 11 000 Armutszeugnisse. So hätten sich die Vorläufer der heutigen Floßvereine in erster Linie als Sozialkasse und Unterstützungsinstitution für kranke und verarmte Berufskollegen verstanden.

Ausführlich befasste sich Gunzelmann mit der Wiederbesinnung auf die Flößerei im Jahre 1969 mit dem Kreisflößertreffen in Unterrodach und der Schaufloßfahrt in Wallenfels. Die erste Vereinsgründung sei 1971 mit der Flößervereinigung Friesen durch Ernst Fischer erfolgt. Danach hätten Otmar Zwingmann und Georg Geiger die Verantwortung übernommen.1981 sei dann auf Initiative von Bürgermeister Siegfried Haderlein der Floßverein Unterrodach 1864 wieder aktiviert worden. Die Vorsitzenden Dieter Murmann, Gerhard Wich-Heiter und Friedrich Fricke setzten die Tradition fort. Langjähriger Vorsitzender der Flößergemeinschaft Wallenfels - 1982 gegründet - war Heinz Ring, dem bis heute Andreas Buckreus nachfolgte. Zur Wiedergründung des Flößervereins Neuses 1899 sei es dann 1996 mit Edgar Dunst an der Spitze gekommen. Derzeitiger Vorsitzender ist Dieter Endres.

Als Themenfelder der Flößervereine nannte der Laudator die Pflege der Tradition durch Floßfahrten, die die Vermittlung der Geschichte durch museale Einrichtungen, die Unterstützung der Forschung zur Flößerei und zum Erhalt der Flößereilandschaft Frankenwald sowie den nationalen und internationalen Austausch an Traditionen und Werten.

Die "weltoffene" Flößerei

Nicht zuletzt erwähnte Thomas Gunzelmann das Engagement der Floßvereine in der Deutschen und Internationalen Flößervereinigung. Wasser kenne eben keine Grenzen, demzufolge sei die Flößerei weltoffen. Immerhin sei der 1. Deutsche Flößertag 1988 in Unterrodach ausgerichtet worden. Später folgten Friesen, Neuses und 2012 Wallenfels.

Vor allem sei durch den Einsatz der Frankenwald-Floßvereine die historische Kulturlandschaft der Flößerei in der Bayerischen Denkmalliste gebührend berücksichtigt worden. Außerdem sei durch die örtliche Initiative die Handwerkstechnik der Flößerei im Jahre 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Gunzelmann wurde am Ende ganz persönlich: "Mit dem Frankenwald bin ich seit meiner Kindheit verbunden, mit der Geschichte der Flößerei seit meinem Studium und mit den Floßvereinen des Frankenwaldes seit 25 Jahren. Ich wünsche mir sehr, dass sie ihre gedeihliche Arbeit für den Frankenwald fortführen und auch an die kommenden Generationen weitergeben können."

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