Kronach
Kooperation

Fit für den digitalen Wandel

Die Berufsschulen Kronach und Lichtenfels wurden in das Pilotprojekt "Industrie 4.0" aufgenommen.
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Am Montag wurde die neue "Industrie 4.0"-Produktionsanlage in den Werkstätten der Kronacher Berufsschule vorgestellt und offiziell in Betrieb genommen. Durch einen symbolischen Knopfdruck nahmen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz sowie Lichtenfels' stellvertretender Landrat Helmut Fischer  und Kronachs Landrat Klaus Löffler die Anlage offiziell in Betrieb.Heike Schülein
Am Montag wurde die neue "Industrie 4.0"-Produktionsanlage in den Werkstätten der Kronacher Berufsschule vorgestellt und offiziell in Betrieb genommen. Durch einen symbolischen Knopfdruck nahmen Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz sowie Lichtenfels' stellvertretender Landrat Helmut Fischer und Kronachs Landrat Klaus Löffler die Anlage offiziell in Betrieb.Heike Schülein
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Das Bayerische Bildungs- und Wissenschaftsministerium fördert die Weiterentwicklung der technischen Ausstattung an öffentlichen Berufsschulen im Rahmen des Pilotprojekts "Industrie 4.0". Die Lorenz-Kaim-Schule Kronach wurde mit der Berufsschule Lichtenfels - neben weiteren 16 bayerischen Berufsschulen - in das staatliche Förderprogramm aufgenommen. Die Kooperation der beiden Bildungseinrichtungen ist bayernweit einmalig.

Am Montag wurde in den Werkstätten der Kronacher Schule das Pilotprojekt "Berufsausbildung im Zeichen der digitalen Transformation" vorgestellt. Gleichzeitig erfolgte die Übergabe und Inbetriebnahme der Neuausstattung.

"Die berufliche Bildung ist aufgefordert, auf die Herausforderungen der digitalen Transformation die richtigen Antworten zu finden, um heute die Fachkräfte ausbilden zu können, die diese Herausforderungen der Zukunft auch meistern können", verdeutliche der Kronacher Schulleiter Rudolf Schirmer. Zusammen mit seinem Lichtenfelser Kollegen, Hans-Jürgen Lichy, freute er sich über die Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Wirtschaft, Berufs- und Schulausbildung sowie der Kommunalpolitik.

"Gemeinsam sind wir stark"

Als Partner der dualen Berufsausbildung wolle man, so Schirmer, der jungen Generation bestmögliche Voraussetzungen bieten, ihre berufliche Zukunft und damit die Zukunft der Betriebe sicher zu stellen. Er dankte den Sachaufwandsträgern der beiden Schulen, der Bayerischen Staatsregierung sowie der Oberfranken-Stiftung für die Finanzierung.

Die technische Ausstattung sei dabei aber nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite seien die pädagogischen Konzepte. Hierfür galt sein Dank dem "Motor" des Projektes, Werner Zahner, und den weiteren Lehrkräften beider Berufsschulen.

"Die hochmoderne 4.0-Anlage ist Mittel zum Zweck, um die betriebliche Wirklichkeit in die Berufsschulen zu holen, sie erlebbar und greifbar zu machen", verdeutlichte Lichy. Unter dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" habe man sich schon länger mit dem Gedanken eines gemeinsamen Projekts getragen, zumal sich die Schulen durch ihr Angebot an Ausbildungsberufen ideal ergänzten. Da sich die digitale Transformation auf alle Ausbildungsbereiche beziehe, habe man "Industrie 4.0" auf "Wirtschaft 4.0" erweitert. Mit der Anlage bereiteten die Schulen die Ausbildung auf die digitale Vernetzung von Produktionsprozessen in der Wirtschaft vor. Großer Dank gebühre Prof. Karl Wilbers von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. "Nachricht des Tages" sei, freute sich Lichy, dass dieser den Prozess auch weiterhin wissenschaftlich begleiten werde.

Die gleiche Sprache sprechen

In seinem spannenden Impulsvortrag zum Thema "Wirtschaft 4.0 - Chancen für die Unterrichts- und Regionalentwicklung" unterstrich Wilbers die - mit der Vernetzung von Berufsbildern einhergehende - Notwendigkeit einer berufsübergreifenden Fachkompetenz, weit über reines Fachwissen hinaus. Kaufmännische und technische Mitarbeiter eines Betriebs müssten die kompletten Arbeitsprozesse kennen, die "gleiche Sprache sprechen". Die beruflichen Schulen Kronach und Lichtenfels träten als Nukleus regionaler Innovationszwecke auf, was das Projekt für ihn besonders spannend mache.

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Landrat Klaus Löffler stellten die beispielhafte Kooperation der beiden Berufsschulen wie auch Landkreise heraus. "Eine erstklassige Berufsausbildung ist ein entscheidender Standortfaktor, gerade im ländlich strukturierten Raum in Oberfranken", verdeutliche Piwernetz. Sie ermögliche es den Betrieben, bestens ausgebildete junge Leute als Nachwuchskräfte zu gewinnen. Gleichzeitig könnten jungen Leute hier bleiben, weil sie einen zukunftsfähigen Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsplatz fänden. Der sichere Umgang mit Informationstechnik sei längst wichtige Schlüsselkompetenz geworden.

Unterstützt wird as Projekt vom Freistaat Bayern mit 225 000 Euro und von der Oberfranken-Stiftung mit 70 000 Euro. Insgesamt schlägt das Projekt mit rund einer halben Million Euro zu Buche.

Landrat: Geld ist gut angelegt

Auch Landrat Löffler bezeichnete den finanziellen Aufwand - Kronach übernimmt den Löwenanteil der beiden Landkreise als Sachaufwandsträger - als gut angelegt, weil man einen Mehrwert erhalte. Er dankte den Lichtenfelser Freunden dafür, über den Tellerrand hinaus zu schauen und das Ganze in den Blick zu nehmen. Auch in anderen Bereichen strebe man eine stärkere Vernetzung der Landkreise an. Das Projekt stelle zugleich ein Standortbekenntnis zur Berufsschule Kronach dar - ebenso wie die deren auf den Weg gebrachte Generalsanierung.

Kronachs stellvertretender Schulleiter Werner Zahner informierte über die technischen Details der Produktionsanlage. Die Einzelkomponenten befinden sich an der BS Kronach. Beide Standorte werden digital miteinander vernetzt. Das Herzstück bildet eine intelligente Fabrik mit Kommunikation zwischen Produkt und Fertigungsanlage. In einem Webshop kann ein Kunde zwölf Produktvarianten konfigurieren und bestellen. Ein Leitrechner bringt die benötigten Fertigungsinformationen in maschinell lesbarer Form auf einen Datenträger. Anhand dieser Daten wird der Weg des Produkts durch die Fertigungsanlage automatisch gesteuert. Alle prozessrelevanten Daten wie Lagerbestände, Energiemesswerte, Zustand der Sensoren und der Auftragsstatus werden erfasst und gespeichert. Dazu müssen alle Fertigungszellen miteinander über ein Datenbussystem kommunizieren.

Das didaktische Gesamtkonzept der BS Kronach sieht vor, dass die verschiedenen Berufe miteinander an einem Projekt arbeiten. Durch einen symbolischen Knopfdruck wurde die Anlage im Anschluss von Piwernetz, Löffler und stellvertretenden Landrat Helmut Fischer offiziell in Betrieb genommen. Derzeit befindet sie sich noch im Probebetrieb, bevor sie mit Beginn des neuen Schuljahrs im Unterricht zum Einsatz kommt.

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