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Mobilität

Fahrplanwechsel: Gibt es in den Zügen genügend Platz für die Schüler ais dem Kreis Kronach?

Der neue Zugfahrplan bringt ab 9. Dezember Änderungen im Schulverkehr des Landkreises Kronach. Bahn und Landratsamt bewerten das unterschiedlich.
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Am Dienstagmittag (27. November 2018) war um kurz nach 13 Uhr einiges los am Kronacher Bahnhof. Nicht alle Schüler fanden einen Sitzplatz im Zug. Foto: Andreas Schmitt
Am Dienstagmittag (27. November 2018) war um kurz nach 13 Uhr einiges los am Kronacher Bahnhof. Nicht alle Schüler fanden einen Sitzplatz im Zug. Foto: Andreas Schmitt

"Wir wollten diese Lösung nicht." Willibert Fehn, als Regionalmanager am Landratsamt Kronach für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständig, spricht seinen Unmut über die Auswirkungen des Fahrplanwechsels ab dem 9. Dezember deutlich aus.

Drei Pendel-Geschichten: Aus Tettau nach Kronach - oder doch nach Thüringen?

Wiederholt hätten die Verantwortlichen des Kreises ihre Ablehnung gegenüber der Deutschen Bahn (DB) und der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) zum Ausdruck gebracht. Fehn: "Wir waren überrascht, dass es im Fahrplan so abgedruckt wurde." Landrat Klaus Löffler habe anschließend per Brief noch einmal verdeutlicht, dass der Landkreis diese Lösung nicht für zielführend halte.

Bahn betont Verbesserungen

Das ändert sich grundsätzlich durch den neuen Fahrplan: "Der Kreis Kronach wird überregional entsprechend den langjährigen Bemühungen der Region deutlich besser eingebunden", erläutert Agnieszka Urban, stellvertretende BEG-Pressesprecherin. Der Franken-Thüringen-Express fährt künftig über den bisherigen Endpunkt Jena hinaus alle zwei Stunden bis Leipzig, wo Anschluss an den ICE nach Berlin und Hamburg besteht. Zusätzlich gibt es Richtung Nürnberg künftig stündliche statt bislang zweistündliche Direktverbindungen. Urban: "Der mittelfränkische Verdichtungsraum wird eine Viertelstunde schneller erreicht."

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille: "Die verbesserte überregionale Einbindung führt zu veränderten Taktzeiten an vielen Stationen", sagt Urban.

Verlängerter Freitagszug fällt weg

Die wichtigste Änderung für den Schülerverkehr: Der Zug, der freitags um 13.06 Uhr von Kronach nach Norden fährt, wird nicht mehr um drei Zugteile verlängert. Die Ursache seien produktionstechnische Gründe (siehe unten). Die 300 Sitz- und 200 Stehplätze würden für das Verkehrsaufkommen ausreichen. Fahrgasterhebungen von 2017 und 2018 hätten ergeben, dass der Zug freitags von etwa 280 Personen genutzt werde.

Kronach will eigenes Mobilitätskonzept für den ganzen Landkreis

Trotzdem soll künftig außerhalb der Ferien ein zweiter Zug um 13 Uhr fahren - aber nur bis Pressig. Dies wird ein Vierteiler mit 234 Sitzplätzen sein. Verglichen mit den 168 Sitzplätzen, die im angehängten Dreiteiler wegfallen, spricht die BEG von einem besseren Angebot. Urban: "Durch den neuen Entlastungszug werden die Kapazitäten auf jeden Fall völlig ausreichen."

Fahrkarten für alle Verkehrsmittel

Das Landratsamt konnte die Zahlen der BEG weder bestätigen noch dementieren. Die Schüler könnten mit ihren Fahrkarten in der Regel jeden Zug und jeden Bus benutzen, so Willibert Fehn. Es gebe keine Statistik darüber, welches Verkehrsmittel sie nutzen oder ob sie vor der Heimfahrt noch etwas in Kronach unternehmen.

"Für uns war der Fünf-plus -Drei-Zug eine gute Sache", sagt Fehn über die Lösung, die sich der Kreis 2014 erkämpft hat. "Es haben alle reingepasst. Es gab kaum Beschwerden."

Den Alternativzug um 13 Uhr erreichen viele Schüler nicht sicher. Um 12.40 Uhr endet der Unterricht. Die 850 Meter vom Kaspar-Zeuß-Gymnasium zum Bahnhof sind zu Fuß kein Problem. Bei den 1,4 Kilometern von der Realschule I wird es schon knapper. Google maps zeigt 17 Minuten Fußweg an. Die 1,8 Kilometer vom Schulzentrum (Google: 22 Minuten) sind sportlich. Allerdings fahren von dort auch zwei Busse, die den Bahnhof - wenn alles klappt - kurz vor 13 Uhr erreichen.

Mit Blick auf das neue, 2020 startende Mobilitätskonzept des Landkreises werden schon erste Stimmen laut, die Direktbusse wollen. "Wenn der Umstieg in Steinbach wegfiele, hätten die Schüler aufs Jahr gerechnet einige Wochen weniger auf der Strecke", sagt der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (BfT), für dessen Marktgemeinde im Nordwesten des Kreises das Thema eminent wichtig ist. "Wenn Kinder über eine Stunde in die Schule brauchen, ist das für Neubürger nicht attraktiv." Zu einem Direktbus nach Tettau kann sich Willibert Fehn noch nicht äußern.

Grundsätzlich aber werde die Bahn weiter das Rückgrat des Nahverkehrs stellen. "Sie durchzieht den Kreis in Nord-Süd-Richtung. Bislang gab es eine kooperative Zusammenarbeit. Das wird auch für das neue Mobilitätskonzept maßgeblich sein."

Argumente der Bahn

Teilung Der Zug, der um 13.06 Uhr in Kronach hält, startet um 11.38 Uhr in Nürnberg mit zwei Zugteilen. Er wird in Bamberg geteilt, so dass Fahrgäste sowohl nach Würzburg als auch nach Leipzig reisen können. Drei Teile zusammenzuhängen, ist laut Bahn weder von der Fahrzeugsoftware noch von den Bahnsteiglängen her möglich.

Anschlüsse Ein Verstärken des nach Norden weiterfahrenden Zuges in Lichtenfels wurde laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) geprüft, würde wegen der langen Rangierwege aber zu größeren Verzögerungen führen. Dadurch würden für den Kreis Kronach wichtige Busanschlüsse in Richtung Teuschnitz oder Tettau ebenso versäumt wie die aufgrund von Bauarbeiten einzig mögliche Fahrplantrasse in Richtung Leipzig.

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