Kronach
Europawahl

EU bringt Dolce Vita nach Kronach: Warum Mirko Fontana der Abenteuerlust seines Vaters viel zu verdanken hat

Mirko Fontana lebt seit 31 Jahren in Kronach, auf dem Papier bleibt er aber weiterhin Italiener. An der EU schätzt er vor allem offene Grenzen - und dass ihm lästiges Rechnen erspart bleibt.
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Mirko Fontana bietet in seiner Kronacher Eisdiele zwar kein Europa-Eis an, aber die Sorte "Engelblau" hätte schon (fast) die richtige Farbe. Foto: Teresa Hirschberg
Mirko Fontana bietet in seiner Kronacher Eisdiele zwar kein Europa-Eis an, aber die Sorte "Engelblau" hätte schon (fast) die richtige Farbe. Foto: Teresa Hirschberg
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Europäischer geht's wohl nicht: Er kommt aus Italien, sie aus Portugal, gefunden haben sie sich in Kronach. Mirko Fontana und seine Frau betreiben ihre Eisdiele in der Innenstadt in zweiter Generation. Bruder Robertos Eiscafé liegt nur 95 Meter entfernt am Marienplatz. Jeden Winter geht es zurück in ihre Heimatstadt Belluno. Doch richtig zuhause fühlen sich die Fontanas mittlerweile wo anders.

Als Vater Guiseppe 1964 mit seinen beiden Brüdern nach Deutschland kam, sei das ein großes Abenteuer für die drei jungen Italiener gewesen. Zuvor hatte Fontana Senior in Mailand als Eisverkäufer gearbeitet. Von der Metropole Milano ins beschauliche Kronach: Dass die Fontanas ausgerechnet hier landeten, sei auch einer großen Portion Zufall zu verdanken. "Kronach ist eben eine schöne kleine Stadt, die im Grünen liegt", fasst Mirko Fontana zusammen. Und damit ist die neue Heimat der alten in den Dolomiten gar nicht so unähnlich.

Einreise nach Deutschland und neugierige Österreicher

Beschwerlich sei die Anreise gewesen, mit ihrem kleinen Auto ging es über schlecht ausgebaute Straßen. Sein Vater habe erzählt, dass die Einreise nach Deutschland dabei jedoch nicht die größte Hürde darstellte. Die Österreicher waren es, die alles ganz genau wissen wollten: Wo sollte es für die drei Männer hingehen? Was hatten sie dort vor? Und wie lange wollten sie bleiben? Rund 15 Jahre später kehrten seine Brüder nach Italien zurück, nur Guiseppe Fontana blieb in Kronach.

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Auf dem Papier ist Sohn Mirko Italiener, mit erstem Wohnsitz ist er jedoch in Kronach gemeldet. In Italien geboren, in Deutschland den Kindergarten besucht, in der Heimat zur Schule gegangen und dann doch in Kronach sesshaft geworden - diese Rückkehr ist mittlerweile 31 Jahre her. Dreimal wurde seine Arbeitserlaubnis damals vom Landratsamt verlängert, danach lief sie unbefristet weiter. Natürlich könnte der 45-Jährige auch einen deutschen Pass beantragen, die Notwendigkeit dafür sieht er jedoch nicht - den offenen Grenzen sei Dank. "Das ist doch das schönste an der EU!", bringt es Fontana auf den Punkt.

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Jedes Jahr im Winter, wenn den Kronachern das Speiseeis zu kalt wird und die Fontanas Urlaub in Italien und Portugal machen, weiß der 45-Jährige die EU-Zugehörigkeit der beiden Länder besonders zu schätzen: Denn die einheitliche Währung erspart lästiges Umrechnen. "Jeder jammert, dass die Deutsche Mark stärker und früher alles besser war", meint Fontana. "Aber so weiß ich, was der Euro hier wert ist und in Italien und Portugal ist es genauso."

Kein italienischer Brexit

In der Eisdiele seines Vaters hat Mirko Fontana auch seine Frau kennengelernt, die die Familie mit ihren portugiesischen Wurzeln noch ein Stück europäischer machte. Ihre beiden Kinder studieren derzeit in Lissabon. "Ich bin Italiener, sie ist Portugiesin. Aber wir passen zusammen, weil wir beide Europäer sind", sagt Fontana.

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Eine Ansicht, die die italienische Lega-Regierung nicht teilt. Sollten die Europa-Gegner jemals eine italienische Brexit-Variante durchsetzen, hat sich Fontana bereits entschieden: "Ich würde lieber in Deutschland bleiben." Hier fühle er sich nicht nur wirtschaftlich sicherer, sondern auch gesundheitlich besser versorgt als in seinem Geburtsland. Und Kronach fühle sich mittlerweile einfach mehr nach Zuhause für ihn an.

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Einen Austritt Italiens aus der EU könne er sich jedoch nicht vorstellen. Sein Vater Guiseppe habe sich in Belluno politisch immer sehr engagiert, mehr als sein Sohn Mirko heute in Kronach. Um seinen Stimmzettel für die Europawahl einzuwerfen, muss der 45-Jährige nach Bayreuth zum italienischen Konsulat fahren, von dem er auch die Wahlbenachrichtigung erhalten hat. Seine Stimmabgabe sei aber vom Eis-Appetit der Kronacher abhängig: "Ist am Wochenende wieder schönes Wetter, habe ich gar keine Zeit."

1936,27 Italienische Lire (ITL) entsprechen dem Wert eines Euros. 2001 wurde die neue Währung in Italien eingeführt.

Italien und die EU: Populisten bilden Regierung

Beitritt Das Schengener-Abkommen ermöglicht seit dem 26. März 1995 Reisen innerhalb Europas ohne Grenzkontrollen. Italien ist seit 1958 EU-Mitglied, trat jedoch erst 1997 dem Schengen-Abkommen bei.

Währung Die Italienische Lira wurde am 1. Januar 2002 vom Euro abgelöst.

Regierung Die rechtsextreme Lega-Partei ist Europa-kritisch ausgerichtet und fordert unter Innenminister und Vize-Premierminister Matteo Salvini schärfere Zuwanderungsgesetze und einen Einlassstopp für Flüchtlinge. Seit Juni 2018 bildet die Lega gemeinsam mit der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung eine Koalition.

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