Kronach
Prozess

Erschreckende Fotos nach Angriff in Kronach: Aufnahmen zeigen Verletzungen des Opfers (18) - Angeklagter sieht weg

Beim fünften Verhandlungstag zum Fall der versuchten Vergewaltigung in Kronach wurden am Coburger Landgericht Aufnahmen gezeigt, auf denen die Verletzungen des Opfers zu sehen sind. Der Angeklagte verbarg davor die Augen.
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Seit dem Angriff auf ihrem Weg zur Arbeit leidet eine junge Frau aus dem Kreis Kronach an einer posttraumatischen Störung.  Foto: Napixabay/Anemone123
Seit dem Angriff auf ihrem Weg zur Arbeit leidet eine junge Frau aus dem Kreis Kronach an einer posttraumatischen Störung. Foto: Napixabay/Anemone123
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Das Ohr violett angelaufen und blutig, eine Beule über dem linken Auge und Schürfwunden am ganzen Körper: So erschien eine 18-Jährige aus dem Landkreis Kronach am 5. Juli 2018 zur Untersuchung bei ihrem Arzt. Nicht einmal eine Stunde zuvor war sie auf dem Weg zur Arbeit auf dem Landesgartenschaugelände von einem Mann überfallen, ins Gebüsch gezerrt und verprügelt worden.

Der 36-jährige mutmaßliche Täter steht nun wegen versuchter Vergewaltigung vor dem Coburger Landgericht. In zwei weiteren Fällen ist er wegen Körperverletzung und Drogenhandel angeklagt. Der fünfte Verhandlungstag im Prozess war der bisher kürzte. Doch die Fotoaufnahmen, die das Opfer direkt nach dem Angriff zeigten, waren aussagekräftig genug.

Eindeutige Spuren entdeckt

Die vorsitzende Richterin Jana Huber verlas zunächst den Bericht der Spurensicherung. Nach dem Angriff auf die junge Frau waren die Beamten sogar mit zwei Spurensuchhunden der Bayreuther Polizei unterwegs, um nach dem flüchtigen Mann zu fahnden. Am Tatort wurden Kleidungsstücke sowie das Handy des Angeklagten gefunden. Die Kleidung des Opfers untersuchte die rechtsmedizinische Abteilung in Erlangen. Dabei konnten eindeutig DNA-Spuren des Angeklagten sowie der Zeugin festgestellt werden, die die 18-Jährige entdeckt und den Täter vertrieben hatte.

Das rechtsmedizinische Gutachten vom 24. August 2018 belegt zudem, dass die Kleidung des Opfers voller Blut war. Die rot-braunen Verfärbungen auf Oberteil, Jeans und BH hätten positiv auf den Test reagiert. Letzteren habe der Mann während des Angriffs an der Vorderseite zerrissen.

Auf Fotoaufnahmen, die als Beweismittel angefertigt wurden, sind blutige Kratzer sowie blaue Flecken im Gesicht und am Hals der 18-Jährigen zu sehen. "Er hat mir den Kopf überdreht, damit ich ihn nicht ansehen konnte", hatte das Opfer erzählt. "Ich dachte, er wollte mir das Genick brechen." Im Bericht des behandelnden Arztes ist auch vermerkt, dass die Frau durch die Faustschläge eine Gesichtsprellung erlitt und ihren Mund anschließend nicht mehr richtig öffnen konnte.

Bei einer Nachuntersuchung am 11. Juli wurde ihre Krankschreibung verlängert, zudem eine Überweisung für eine psychiatrische Klinik ausgestellt. Der Arzt hatte in seinem Bericht vermerkt: "Die Patientin kann nachts nicht mehr alleine schlafen." In ihrer Aussage hatte die 18-Jährige geschildert, dass sie seit dem Angriff unter Alpträumen leide, Angst vor Männern habe und sich kaum noch aus dem Haus traue. Ihre Lehre musste sie aufgrund einer posttraumatischen Störung abbrechen.

Angeklagter sieht weg

Im Bericht der Spurensicherung heißt es über den Angeklagten: "Er schlug sie mehrmals ins Gesicht, um sie gefügig zu machen." Der 36-Jährige verbarg beim Anblick der Fotos des Opfers die Augen hinter den Händen. Nach seiner Festnahme hatte die Polizei auch von ihm Aufnahmen gemacht, die Kratzer an Armen und Beinen zeigten. "Wo haben Sie sich denn die ganzen Verletzungen zugezogen? Sind Sie an den Dornen hängen geblieben?", wollte Richterin Huber wissen. Der 36-Jährige bekräftigte, sich an die Tat nur noch "verschwommen" erinnern zu können.

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Im weiteren Verlauf der Verhandlung gab die Kammer bekannt, ein Schmerzensgeld in Höhe von 7500 Euro für das Opfer als angemessen zu erachten.

Der Prozess wird am 29. April fortgesetzt. Dann sollen ein weiterer Polizeibeamter sowie ein Bekannter des Angeklagten als Zeugen aussagen.

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