Zeyern
Straßenbau

Erklärung und Kritik: Reaktionen auf die Wiederaufnahme der B 173-Baustelle bei Zeyern

Nach rund einem Jahr des Stillstands wird wieder an der Zeyerner Ortsumfahrung gearbeitet. Die Gewährleistung liegt nun bei der zuständigen Firma.
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Nach einem Jahr Stillstand sind rund um Zeyern die Bagger wieder zurück. Foto: Marco Meißner
Nach einem Jahr Stillstand sind rund um Zeyern die Bagger wieder zurück. Foto: Marco Meißner

"Sobald die Baufirma ein schlüssiges Konzept vorlegt und wir dieses absegnen, können die Bauarbeiten im Oktober weitergehen." Diesen Satz sagte Uwe Zeuschel, stellvertretender Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, am 12. September - nach einem Krisengespräch zwischen seiner Behörde und der Baufirma Leonhard Weiss. Nun, acht Wochen später, sind die Ergebnisse der getroffenen Vereinbarung zu sehen. Seit Montag rollen wieder Bagger und Spezialfahrzeuge über die größte Baustelle im Kreis Kronach.

So verlief das Krisengespräch zwischen Bauamt und Baufirma im September

Vorher herrschte auf dem Terrain der zukünftigen Zeyerner Ortsumfahrung der Bundesstraße 173 rund ein Jahr lang Stillstand. Das Bauamt hatte der Baufirma im Herbst 2017 den Vertrag gekündigt. Stein des Anstoßes waren Rüttelstopfsäulen, die den Untergrund festigen und damit Grundlage für weitere Bauarbeiten sein sollen.

So jedenfalls war es vertraglich vereinbart worden. Die Baufirma Leonhard Weiss mit Hauptsitz im baden-württembergischen Satteldorf wollte aber ein anderes Bauverfahren anwenden, als im Schriftstück vereinbart.

Im Sommer 2018 einigten sich beide Seiten auf einen unabhängigen Gutachter, der Messungen vornahm. Das Ergebnis: "Es wird eine zweistufige Lösung geben", sagte Uwe Zeuschel nach dem Krisentreffen. Leonhard Weiss soll die Erdarbeiten zwischen den bereits errichteten Brücken über die Rodach und die Straße nach Roßlach weiter ausführen. Der andere Teil soll neu ausgeschrieben werden.

"Grundlage der Vereinbarung ist das Angebot der Firma, das Baugrundrisiko zu übernehmen", erläutert Uwe Zeuschel am Dienstag. Normalerweise liege dieses beim Auftraggeber. Bei Leonhard Weiss jedoch ist man sich sicher, auch mit einem anderen Bauverfahren die Vorgabe des Bauamts, eine garantiert mängelfreie Leistung, zu erreichen. Zeuschel: "Die Firma legt eine geprüfte Erdstatik vor, die von einem Sachverständigen abgenommen wird."

Nach der grundsätzlichen Einigung im September mussten noch vertragliche Feinheiten geklärt werden, die jetzt festgezurrt sind. Freude darüber, dass es weiter geht, herrscht im Marktrodacher Rathaus. Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) findet es ärgerlich, dass ein Jahr verloren wurde: "Wir bedauern das, die Straße ist für uns eminent wichtig. Und das Wetter hätte dieses Jahr für Tiefbau auch super gepasst."

Schlimmster Fall vermieden

Allerdings zeigt Gräbner auch für beide Seiten Verständnis. "Ich bin froh, dass man sich einigen konnte und die Zeit jetzt noch genutzt wird." Der schlimmste Fall, der Gang vor die Gerichte, sei vermieden worden. "Natürlich hätte ich gerne 2019 ein Band durchgeschnitten. Aber das Wichtigste ist, dass es jetzt weiter geht."

Deutlicher äußert sich Christian Zeuss, der direkt an der B 173 wohnt und Mitbegründer der Bürgerinitiative "Ortsumgehung für Zeyern" ist. "Wir freuen uns, dass es weitergeht. Für uns war es aber ein verlorenes Jahr." Dass die Bauleitung erst nach Monaten ein Veto gegen die Baufirma einlegte, kann Zeuss nicht verstehen. "Man hätte eher miteinander reden müssen. Irgendwie ist das mysteriös. Dem Bauamt kann man nicht mehr glauben."

Und wie geht es nun langfristig weiter? "Wir brauchen von der jetzigen Firma eine Aussage, wann der Damm überbaubar ist", sagt Uwe Zeuschel. Dies, so schätzt er, könne Ende des zweiten Quartals 2019 der Fall sein, sei aber wetterabhängig. "Frost wäre für das schwere Gerät gut. Bei Dauerregen sind die Rodachauen nicht befahrbar." Sobald Leonhard Weiss fertig ist, könne eine neue Baufirma mit dem zweiten Abschnitt beginnen. "Parallel geht es nicht, dazu ist das Baufeld nicht groß genug", erläutert Zeuschel.

Der ursprüngliche Bauamt-Plan, den zweiten Bauabschnitt noch 2018 auszuschreiben, hat sich etwas geändert. "Es wird wohl Anfang 2019 werden", berichtet Zeuschel, fügt aber hinzu: "Es ist wichtig, dass es im Winter ist, dann können Firmen planen. Ob Dezember oder Januar, spielt keine große Rolle."

Und wann fahren erste Autos? Dazu gibt es nicht Neues. Ursprünglich war die Einweihung im Spätsommer 2019 anvisiert. Ende September wurde aber ein Brief von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an den Coburg-Kronacher Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) publik, in dem der Minister von einem Jahr Verzögerung ausgeht - und damit genau um den Zeitraum, in dem sich auf der Baustelle nichts getan hat.

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