Winterleithen
Fast vergessen

Erinnerung an einen Erfrorenen

Am Weg von Winterleithen nach Zeyern befindet sich eine Marter, die 1980 vor dem Verfall gerettet wurde. Ihr Ursprung ist nur mündlich überliefert.
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Die Einzelteile der eingelegten Sandsteinmarter waren durch tiefe Risse gespalten. Fotos: Archiv Roland Graf
Die Einzelteile der eingelegten Sandsteinmarter waren durch tiefe Risse gespalten. Fotos: Archiv Roland Graf
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Die Stiftungsanlässe von religionsgeschichtlichen Denkmälern sind sehr vielfältig. Sie reichen vom plötzlichen Tod eines Menschen über die Abwendung einer Seuche oder Krankheit bis hin zu Dankbarkeit gegenüber Gott und seinen Heiligen für erhaltene Wohltaten.

Leider sind im Laufe der Jahrhunderte die Geschichten immer mehr in Vergessenheit geraden. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die Stifter nahezu ausschließlich Privatleute waren. Schriftliche Quellen sind deshalb kaum vorhanden. Dennoch konnten manche Geschichten überleben, indem sie mündlich von Generation zu Generation bis in unsere Zeit weitergegeben wurden.

Mündlich überliefert hat sich auch die Stiftungsgeschichte einer der drei Martern in Roßlach-Winterleithen im Remschlitztal. Man findet sie an dem bergan führenden Weg, der von den Häusern in Winterleithen nach Zeyern führt, unweit vom Anwesen der Familie Wunder.

Ein Wirtshausbesuch und seine Folge

Bei meiner Feldforschung in den 1970er Jahren bekam ich von mehreren Bewohnern des Weilers stets den gleichen Stiftungsanlass genannt. Nämlich, dass die Marter an den Tod eines Zeyerner Bürgers erinnert, der nach einem Wirtshausbesuch in Friesen auf seinem Heimweg nach Zeyern hier erfroren sei.

Nach der Todesursache befragt, berichtete mir damals die hochbetagte "Wunders-Oma": "Noja, dä wäd halt a saftigs Räuschla kabt hom." Vermutlich war der Mann müde geworden, in der Kälte eingeschlafen und erfroren.

Als im Jahre 1862 die Marter eingestürzt war, kümmerte sich die Familie Wunder darum, ließ einen neuen Schaft anfertigen und stellte das religiöse Zeichen wieder am Weg auf. Daran erinnert die am Sockel eingemeißelte Jahreszahl "1862" und die Buchstaben "FGW" am Schaft. Der Aufsatz trägt vier reliefierte Bilder, die durch Eckvorlage voneinander getrennt werden. Es sind dies die Krönung Mariens, die Glosberger Muttergottes, der hl. Sebastian und eine Kreuzgruppe. Schon damals war ein Teil des Sockels abgespalten und nicht mehr ergänzt worden, was die Marter sehr schlank erscheinen lässt.

Kritischer Zustand

Im Jahre 1977 befand sich die Marter in einem äußerst kritischen Zustand, denn die stets wechselnden Witterungseinflüsse und die rostenden Eisendübel hatten dem Denkmal böse zugesetzt. Breite Risse durchzogen den Aufsatz und den Schaft, so dass ein Einstürzen zu befürchten war. Auch die rückwärtig stützende Eisenstange, die 1862 angebracht wurde, hätte dies nicht verhindern können.

Um diese Marter zu erhalten, fand der Arbeitskreis für Heimatpflege einen hilfreichen Unterstützer im Frankenwaldverein Ortsgruppe Roßlach-Friesen. Die Mitglieder des Vereins, unter der Führung von Obmann Baptist Geiger, übernahmen den Abbau, den Transport ins Atelier Schreiber nach Kronach, die Schaffung eines neuen Fundamentes und die Wiederaufstellung. Dies liest sich heute alles so einfach. Dabei war es eine wirkliche Leistung der Ehrenamtlichen, die immer wieder ihre Freizeit opferten, ihre Fahrzeuge zur Verfügung stellten und ein neues Fundament schafften, bis schließlich die Wiedererrichtung im Jahre 1980 stattfinden konnte.

Verständlich war die Freude über die unfallfrei abgeschlossene und gelungene Renovierung, denn ein "historischer Mosaikstein" war dem Gesamtbild unserer heimischen Bildstocklandschaft erhalten geblieben.

Als Lohn für die kräftige Unterstützung saß man in froher Runde bei einer kräftigen Brotzeit beisammen. Meine Mithelfer waren damals Josef Förtsch, Baptist Geiger, Markus Geiger, Robert Geiger-Hilk und Heinz Wich. An den Renovierungskosten beteiligten sich unter anderem die Gemeinde Wilhelmsthal, der Landkreis Kronach, der Bezirk Oberfranken und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.



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