Kronach
Konzert

Erfrischender Kunstgenuss in Kronach

Auch in diesem Jahr verzauberten die Hofer Symphoniker ihr Kronacher Stammpublikum. An drei Abenden bot das Orchester sinfonische Musik auf höchstem Niveau.
Artikel drucken Artikel einbetten
Solotrompeter Simon Höfele entlockte seinem goldglänzenden Instrument leichtfüßige, sehr wandlungsfähige Töne. Er und das Symphonieorchester boten eine harmonische Einheit. Foto: Heike Schülein
Solotrompeter Simon Höfele entlockte seinem goldglänzenden Instrument leichtfüßige, sehr wandlungsfähige Töne. Er und das Symphonieorchester boten eine harmonische Einheit. Foto: Heike Schülein

Es ist einfach die große Liebe - Jahr für Jahr freut sich die Lucas-Cranach-Stadt darauf, wenn sich "ihre" Hofer Symphoniker an drei Abenden die Ehre im Kreiskulturraum geben. Eine Kulturring-Saison ohne die Gäste aus Hof - undenkbar! Auch dieses Mal waren die Erwartungen hoch - und wurden noch übertroffen.

Das bis weit über die Region Hochfranken hinaus bekannte Orchester sprühte nur so vor Energie und begeisterte mit Spritzigkeit und Frische. In Johannes Wildner hatte es einen Dirigenten, der die Musiker zu Höchstleistungen zu beflügeln wusste. Unter seinem leidenschaftlichen Dirigat ließen diese anfangs Alexander Glasunows "Der Winter" aus "Die Jahreszeiten op. 67" und "Der Frühling op. 34" erklingen. Der Fantasie waren bei den eindringlichen tonmalerischen Naturschilderungen vom klirrend-kalten Winter bis hin zur sanften Frühlingsblüte keine Grenzen gesetzt.

Der herrlichen Orchestermusik setzte der hochkarätige Solotrompeter Simon Höfele die Krone auf. Die Trompete ist eher ein selten zu hörendes Soloinstrument und die Anzahl der Kompositionen zusammen mit Orchester leider recht klein. Umso erfreulicher, dass die Kronacher gleich zwei wunderbare Konzerte für Trompete und Orchester - eines aus der Feder von Johann Nepomuk Hummel und das andere von Joseph Haydn, beide in Es-Dur - als "Geschenk" erhielten.

Virtuosität, prägnante Gestaltung und wundervolle Töne voll sinnlicher Weichheit - bei den Meisterwerken galt die Aufmerksamkeit ganz dem exzellenten Solisten, der mit seinem brillant einfühlsamen Spiel für einen erfrischenden Kunstgenuss sorgte. Der mehrfach ausgezeichnete Trompeter spielte in höchster gedanklicher Konzentration und Wachsamkeit, total mit seinem Instrument verschmolzen. Immer war eine tiefe harmonische Innigkeit zwischen ihm und seiner Trompete spürbar - ein Traum von Schönheit, bei dem er spürbar mit ganzem Herzen dabei war.

Wahrhaft langer Atem wurde von ihm in Hummels Konzert verlangt, den er scheinbar mühelos bewies. Sein Spiel wurde zum Erlebnis - eine helle Freude, ihm dabei zuzuhören. Mit traumwandlerischer Sicherheit ließ er Klänge von betörender Schönheit entströmen. Der 24-Jährige und das Symphonieorchester boten eine harmonische Einheit, stets konzentriert geführt vom Dirigenten. Emotional mitreißend auch Höfeles Interpretation des bekannten Trompeten-Konzerts von Haydn aus dem Jahre 1796. Das Orchester gestaltete seinen Part als kompetenter Partner des Solisten. Die Streicher führten die vielen heiklen Figuren sauber und präzise aus; das Finale wurde spritzig und temperamentvoll dargestellt.

Dem minutenlangem Beifall folgte eine innige Zugabe aus der Feder des zeitgenössischen österreichischen Komponisten Heinz Karl Gruber (geboren 1943) - und was für eine! Das von Höfele dargebotene Ende eines Trompeten-Solostücks komplettierte das Bild dieses großartigen Künstlers; entlockte er doch seinem goldglänzenden Blasinstrument geradezu himmlische Klänge - einzigartig, atemberaubend, phänomenal!

Angesichts dieses "Feuerwerks" schüttelte sogar der Dirigent ungläubig mit dem Kopf. "Ich werde Gruber noch heute Nacht anrufen und ihm berichten, dass er in Kronach gespielt wurde - und damit den Olymp bestiegen hat", schmunzelte Wildner, der einmal mehr seinen ganzen Wiener Schmäh spielen ließ.

Ein Großteil seiner Charmeoffensive wurde am Freitagabend Gisela Lang zuteil. Als die Kreiskulturreferentin nämlich anfangs ein - bei Glasunows winterlichen Klängen - herabgeflattertes Notenblatt beherzt aufhob und wiederum auf die Bühne beförderte, lobte er: "Sie trägt nicht nur die Verantwortung, sondern auch noch das Akustikblatt" - und natürlich durfte auch ein dezenter Hinweis auf das Konzert zur Einweihung des Kreiskulturraums nicht fehlen: "Damals wäre das Notenblatt noch harmlos gewesen." Wie wahr!

Bei Haydn steppt der Bär

Seinen temporeich fesselnden Abschluss fand das musikalische Ereignis mit Haydns 1786 komponierter hochdruck-energetischen Symphonie Nr. 82 in C-Dur. Das ganz und gar opulente Werk voller Dichte und Dramatik ist die kraftvollste von Haydns Pariser Sinfonien. Der von Haydn nicht autorisierte lustige Beinamen "L'ours" ("Der Bär") bezieht sich auf den letzten Satz, in dem ein tapsig-dröhnender "Dudelsack-Bass" das ausgelassen derbe Finale prägt.

Mit Applaus und Jubelrufen feierten die Kronacher "ihre" Hofer Symphoniker - und wurden prompt dafür mit drei Zugaben belohnt. Als Hommage an Herbert von Karajan, der am Freitag seinen 111. Geburtstag gefeiert hätte, erklangen der 1904 entstandene Konzertwalzer "Valse triste" ("trauriger Walzer") von Jean Sibelius wie auch einer der Deutschen Tänze von Franz Schubert. Als musikalisches Abendgebet gaben die Symphoniker ihrem Publikum den zweiten Satz eines Streichquartetts mit auf den Weg, das eigentlich Haydn zugeschrieben wird; aber wohl eher eine Tonschöpfung einer der beiden Hofstetter-Brüder war. Wie auch immer: Spaß machte das "haydn'sche Hofstetter-Werk" allemal - so wie der ganze Abend. Die drei Konzerte am Freitag, Samstag und Sontag bildeten den Abschluss dieser Kreiskulturring-Saison.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren