Kronach
Justiz

Kronach: 18-Jährige fast vergewaltigt - Zeugin spricht von "Todesschreien" der Frau

Eine 18-Jährige wurde im Juli 2018 auf dem Weg zur Arbeit in Kronach brutal zusammengeschlagen. Der Tatverdächtige steht nun wegen versuchter Vergewaltigung in Coburg vor Gericht. Seine Befragung offenbarte eine erschreckende Biografie.
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Im Juli 2018 fand der Vorfall auf dem Landesgartenschau-Gelände in Kronach statt. Foto: Archiv/Marco Meißner
Im Juli 2018 fand der Vorfall auf dem Landesgartenschau-Gelände in Kronach statt. Foto: Archiv/Marco Meißner

Nur noch auf sie eingeschlagen habe er - wie ein Verrückter. Bis die 18-Jährige blutverschmiert vor ihm lag. Diese schreckliche Tat erschütterte im vergangenen Sommer ganz Kronach: Eine junge Frau wurde auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände von einem unbekannten Mann ins Gebüsch gezerrt, entkleidet und brutal zusammengeschlagen. Erst als eine Passantin die Schreie hört und ihr zur Hilfe eilt, lässt der Mann von seinem Opfer ab. Die 18-Jährige ist seit dem Vorfall traumatisiert.

Der Mann aus dem Landkreis Kronach ist nun vor dem Coburger Landgericht wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt. Am zweiten Verhandlungstag wurden sowohl die Geschädigte als auch ihre Retterin als Zeugen befragt. Während der Angeklagte bisher eine Aussage verweigert hatte, berichtete er diesmal ausführlich über seine Drogensucht und destruktiven Beziehungen.

Menschliche Abgründe

Die Hauptschule und mehrere Ausbildungen habe er abgebrochen, sich später von einem Gelegenheitsjob zum nächsten gehangelt. 30.000 Euro Schulden, mehrere Inhaftierungen, unter anderem wegen versuchten Totschlags, und eine schwere Crystal-Meth-Abhängigkeit finden sich mittlerweile im Lebenslauf des 36-Jährigen. Immer wieder tun sich in seinen Erzählungen neue Abgründe auf. Besonders über seinen Vater, der in Drogengeschäfte mit der rumänischen Mafia verwickelt gewesen sei und die Mutter des Angeklagten geschlagen und vergewaltigt habe.

Bereits früher wurde der 36-Jährige Frauen gegenüber gewalttätig. Wegen Körperverletzung an seiner Exfreundin sowie Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz steht er zusätzlich vor Gericht. Der zweite Verhandlungstag konzentrierte sich jedoch auf die Tat am 5. Juli 2018. Nur schemenhaft sei ihm der Morgen in Erinnerung geblieben. Nach einem Streit mit seiner Freundin habe er sich wie so oft zugedröhnt. Wie er zum späteren Tatort gekommen sei und was er dort gewollt habe, könne er nicht mehr sagen. Eine Fratze habe ihn plötzlich verfolgt, menschenähnlich und mit schulterlangen Haaren. "Ich weiß nur noch, wie ich zuschlage und zuschlage, damit sie ruhig ist", erzählte der Angeklagte stockend. "Bis die Kleine vor mir lag. Dann bin ich panisch weggerannt." Der Angeklagte wolle sich so selbst in die Opferrolle drängen, echauffierte sich die Anwältin der 18-Jährigen.

Schläge auf den Kopf

Der jungen Frau ist dieser Tag dagegen wie ins Gedächtnis eingebrannt. Wie sie gegen 8 Uhr die Abkürzung über das Landesgartenschau-Gelände nahm, um zu ihrer Ausbildungsstelle zu kommen. Wie sich der 36-Jährige zunächst im Vorübergehen zu ihr umdrehte und ihr sein Blick dabei Unbehagen bereitete. Wie sie ihn kurze Zeit später an einer Parkbank wiedersah. Und wie schließlich die Schritte hinter ihr immer schneller wurden, bis ihr plötzlich von hinten der Mund mit der Hand zugehalten wurde und sie der erste Faustschlag auf den Hinterkopf traf.

An ihrem Zopf zog er die 18-Jährige anschließend ins Gebüsch, riss ihr Haarbüschel aus und den BH herunter, drückte ihren Kopf immer wieder fest zur Seite. "Damit ich ihn dabei nicht ansehen konnte", ist sich die 18-Jährige sicher, die während der Befragung in Tränen ausbrach. "Ich dachte: Er will mir das Genick brechen." Um sich zu wehren, versuchte die junge Frau, ihrem Angreifer zwischen die Beine zu treten, bemerkte dabei die Erektion des 36-Jährigen. "Ich dachte mir, wenn ich jemals lebendig aus dieser Situation herauskomme, muss ich mir sein Gesicht merken", erzählte sie. Die Augen des 36-Jährigen seien ihr ganz besonders in Erinnerung geblieben: "Sie waren fast schwarz."

Schreie und Todesangst

Immer wieder habe sie ihn angefleht aufzuhören. "Halt die Fresse, du Schlampe!", sei seine einzige Antwort darauf gewesen. Erst als eine Fußgängerin bei ihrer morgendlichen Gassirunde die verstreuten Kleidungsstücke und ein kaputtes Handy an der Böschung bemerkte, flüchtete der 36-Jährige. "Das waren keine normalen Schreie, das war Todesangst", sagte die Zeugin vor Gericht. Sie habe die 18-Jährige aus dem hohen Gras gezogen, sie mit ihr zu sich nach Hause genommen und habe dort die Polizei alarmiert.

Die Geschädigte erlitt bei dem Angriff Abschürfungen und Verletzungen am Genick. Acht Wochen verbrachte sie in einer Klinik, ist seitdem in psychologischer Behandlung. Ihre Lehre musste sie abbrechen, zu schlimm seien die Panikattacken, die sie regelmäßig heimsuchen. Schlafen könne sie nur mit Hilfe von Tabletten - und dann plagen sie Alpträume.

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