Kronach
Schülerbeförderung

Eltern fordern weiteren Schülerzug im Kreis Kronach

Die Schülerzüge aus dem Landkreis -Norden nach Kronach und zurück sind Tag für Tag "vollgestopft". Manche Kinder bekommen gar keinen Platz mehr. Auf Facebook haben nun zwei Mütter mobil gemacht und übers Wochenende an die 1000 Unterstützer gefunden.
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Die Schüler drängeln, um noch einen (Steh-)Platz im Zug zu erhaschen.  Foto: Astrid Vetter
Die Schüler drängeln, um noch einen (Steh-)Platz im Zug zu erhaschen. Foto: Astrid Vetter
Die Problematik ist seit Jahrzehnten bekannt. Zahlreiche Artikel finden sich in unserem Archiv dazu. Doch verbessert hat sich die Situation in den Zügen, in denen die Kinder aus dem nördlichen Landkreis nach Kronach in die Schule fahren, nicht. Den Eltern und Schülern reicht es jetzt endgültig. Auf Facebook haben sie eine Gruppe gegründet unter dem Namen "Schülerverkehr mit der Bahn im Landkreis Kronach". Genauer gesagt war das Tanja Jakob aus Ludwigsstadt.

Sie selbst ist als Schülerin mit dem Zug nach Kronach gefahren. "Aber heute ist die Situation in den Zügen noch viel schlimmer", sagt die Mutter eines Sechstklässlers, der täglich mit dem Zug von Ludwigsstadt nach Kronach zur Schule fährt.

Im vergangenen Jahr hatte ihr Sohn sogar einen Zugunfall: "Er hat vorne dran an der Tür gestanden. Als der Zug in Kronach gehalten hat und die Türen aufgegangen sind, hat sich wegen des Frosts das Trittbrett nicht ausgefahren. Von hinten wurde aber schon gedrängt. Dann ist er in den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig gefallen. Ein Wegeunfall", erinnert sich Tanja Jakob.

Heute ärgert sie sich, dass sie das Ganze nicht schärfer weiterverfolgt hat. Doch vergangene Woche hat es ihr dann gereicht, als sie gesehen hat, dass Bekannte von ihr bei Facebook auf der Seite der Deutschen Bahn (DB) "Gefällt mir" gedrückt haben. "Wie kann man denn da ,Gefällt mir drücken‘?", hat sie sich gefragt und sich dadurch animiert gefühlt, an die Facebook-Seite der Deutschen Bahn zu schreiben: "Die Schülerzüge von Ludwigsstadt nach Kronach und zurück sind nach wie vor viel zu kurz und überfüllt [...]." Die Antwort kam prompt: "Im Nahverkehr fährt die DB im Auftrag der Bestellerorganisation. Die Auftraggeber legen unter anderem auch fest, welche Züge und wie viele Wagen in den Einsatz kommen sollen. Die DB stellt die Züge dann wie bestellt zur Verfügung."

Nach einem Gespräch mit dem zuständigen Mitarbeiter für Schülerbeförderung im Landratsamt Kronach, hat Tanja Jakob erfahren, dass die Bestellerorganisation in diesem Fall die Bayerische Eisenbahn Gesellschaft, kurz BEG, ist. "Laut dieser ist der Schülerzug am Morgen ein sogenannter Fünfteiler und am Mittag muss es ein Vierteiler sein. So sind die Züge bestellt. Die BEG ist der Meinung, das dies für die Anzahl der Schüler ausreichend ist. Nicht jedem Fahrgast stehe ein Sitzplatz zu auch die Stehplätze müssten berücksichtigt werden", hat Tanja Jakob erfahren.

Für sie ist klar: Es geht hier nicht um die Schüler, sondern um die Waggons. "Das ist eine Geldsache, je weniger Waggons bestellt werden, umso weniger zahlt man."

Es sei aber auch schon vorgekommen, dass die Züge gar nicht mit so viele Waggons wie bestellt gefahren sind. Am 18. Oktober sei beispielsweise nur ein sogenannter Zweiteiler gefahren, vergangenen Donnerstag nur ein Dreiteiler, weshalb die Kinder sogar in der Lok haben mitfahren müssen, zu wenig Platz sei im Zug gewesen. "Wenn die Länge des Zuges nicht mit dem bestellten übereinstimmt, sollte es möglichst umgehend dem Landratsamt mitgeteilt werden", berichtet Tanja Jakob, welche Auskunft sie im Landratsamt diesbezüglich bekommen habe.

1000 Schüler und nur 300 Plätze

"Das Grundübel ist, dass es hier oben bei uns eine weiterführende Schule gebraucht hätte. Das ändern wir wohl nicht mehr. Aber was ich ändern will, ist die Schülerbeförderung", sagt die Mutter. Und deshalb hat sie die Facebook-Gruppe gegründet: "Wenn es über Facebook möglich ist, dass 2000 Leute zu einer Geburtstagsparty kommen, dann muss doch auch in dieser Sache über Facebook etwas gehen."

Ihrer Meinung nach könne die Lösung nur so aussehen, dass künftig zwei Züge fahren - nur wenige Minuten hintereinander. Denn im Moment gingen die Kinder im nördlichen Landkreis gegen 6 Uhr morgens aus dem Haus, der Zug fährt um 13.05 Uhr zurück, so dass die Kinder erst gegen 14 Uhr heim kommen. Müssen sie, weil sie vielelicht nicht mehr mit in den früheren Zug gepasst haben, den nächst späteren Zug um 14.14 Uhr nehmen, kommen sie gar erst um 15 Uhr nach Hause.

Am Bahnsteig drängeln sich deshalb alle Kinder um einen Platz im Zug. "Klar", sagt Astrid Vetter aus Ludwigsstadt. Sie ist ebenfalls Mutter zweier Kinder, die in Kronach zur Schule gehen, wie auch sie selbst vor circa 25 Jahren. "Ein Fünfteiler hat zwischen 270 und 300 Sitzplätze. Die gehen nach unseren Recherchen allein schon für die Kinder aus dem Rennsteig drauf, die die Realschulen besuchen. Aber es gehen ja auch noch einige an die Gymnasien oder andere weiterführende Schulen", weiß Astrid Vetter.

Die Kinder wüssten, dass das Drängeln gefährlich ist, aber sie haben keine andere Wahl, "wenn sich 1000 Schüler um 300 Plätze streiten". Mit dem nächsten Zug kämen sie nun erst einmal eine Stunde später heim und diese Stunde müssten sie sich am Bahnhof um die Ohren schlagen. Sie spricht von einer "bodenlosen Frechheit", wenn sie an die Aussage eines Mitarbeiters im Landratsamt denkt, dass die Kinder hier flexibler sein sollten.
Dabei könnte das Ganze aus ihrer Sicht so einfach sein: "Man weiß doch im Landratsamt, an wie viele Schüler Fahrkarten verteilt werden. Dann kann ich doch dementsprechend viele Züge bestellen."

Die beiden Mütter haben sich sogar selbst ein Bild von der Situation gemacht, am Freitag sind sie selbst in dem Schülerzug mitgefahren. Seitdem spricht Tanja Jakob davon, dass "Tiere auf Viehtransportern mehr Platz haben".

"Überwältigende Resonanz"

Und die Facebook-Gruppe hat tatsächlich schon eine "unglaubliche Resonanz" gebracht: an die 1000 Mitglieder hatte die Gruppe bereits gestern, eine Unterschriftenaktion soll in die Wege geleitet werden und sogar der Fernsehsender RTL habe bereits Interesse an einer Berichterstattung bekundet, berichtet Tanja Jakob.








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