Kronach
Geschichte

Eine Spur führt nach Kronach

Georg Heinrich Spoerl, Urururgroßvater des Kronacher Apothekers Gerhard Spoerl, war erster Lehrer an der von Humboldt gegründeten "Freien Bergschule".
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Büste von Alexander von Humboldt im Kurpark von Bad Steben.  Foto: Gerd Fleischmann
Büste von Alexander von Humboldt im Kurpark von Bad Steben. Foto: Gerd Fleischmann
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Alexander von Humboldt, 1769 in Berlin geboren und im 90. Lebensjahr dort verstorben, war wohl einer der letzten großen Gelehrten, die auf allen Gebieten der Wissenschaft in hohem Maße gebildet waren. Humboldts größtes Interesse galt der Geographie. Durch viele Reisen, die ihn bis nach Südamerika führten, lernte er fremde Völker und Länder kennen. Das Universalgenie mit einem phänomenalen Gedächtnis, das gerade mal vier Stunden Schlaf am Tag benötigte, schuf die Grundlagen der modernen Geographie und Geophysik.

Doch auch die Menschen im Frankenwald haben diesem umtriebigen preußischen Spitzenbeamten viel zu verdanken. Der weltweit bekannte Bergmann, Naturwissenschaftler, Erfinder und Weltenbummler, der in der Zeit von 1792 bis 1795 in Bad Steben (früher Steben) als junger königlich preußischer Oberbergmeister mit dazu beitrug, den Bergbau im Frankenwald zu beleben, hat viele Spuren hinterlassen, unter anderem auch am Falkenstein. Die aktuell initiierte GEO-Tour "Alexander von Humboldt" erinnert an 18 Standorten im Frankenwald und Fichtelgebirge - wie bereits berichtet - an sein beachtliches Wirken.

Aber auch Tettau profitierte einst von seinem Weitblick. Unter seiner Mitwirkung wurde 1794 die Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau gegründet, die im 20. Jahrhundert bis zu 600 Menschen beschäftigte.

Der "globale Denker" gründete 1793 die "Königlich freie Bergschule zu Steben", die den Bergleuten eine bessere Aus- und Fortbildung sicherte. Es war dies die erste Arbeiter-Berufsschule in Deutschland. Als Erinnerung an diese große Forscherpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts veranstaltet Bad Steben seine Humboldt-Tage.

Mit dieser einst segensreichen schulischen Einrichtung in Steben führt auch eine bemerkenswerte Spur nach Kronach, und zwar zu Apotheker Gerhard Spoerl, Jahrgang 1935. Sein Urururgroßvater, Schichtmeister Georg Heinrich Spoerl, geboren am 22.6.1764 zu Steben, gestorben 30. Januar 1830 zu Steben, wirkte als erster Lehrer an der Bergschule zu Steben und war die rechte Hand des großen Wissenschaftlers. Diese wichtige Position hatte Georg Heinrich Spoerl, der es zum Berggeschworenen brachte, bis zu seinem Lebensende inne. Immerhin profitierten bis 1857 die heimischen Bergleute von der schulischen Einrichtung. Der Kronacher Apotheker Gerhard Spoerl ist auf diese hochinteressante Querverbindung zu Alexander von Humboldt ganz besonders stolz.

Mit Misswirtschaft aufgeräumt

Viele Menschen kennen den Naturforscher und Geographen Humboldt, aber nur wenige wissen, dass Humboldt während seines Lebens engste Beziehungen zum deutschen Bergbau hatte. Zunächst hatte der Berliner in Leipzig und Göttingen studiert, bevor er zur Freiberger Bergakademie kam, der ältesten Berghochschule der Welt. Anschließend trat Humboldt 1792 als Bergassessor in den Staatsdienst. Noch im selben Jahr erhielt er von dem preußischen Minister Friedrich Anton von Heynitz den Auftrag, den oberfränkischen Bergbau im Frankenwald, im Fichtelgebirge und um die Städte Ansbach und Bayreuth neu zu ordnen.

Mit Feuereifer ging Humboldt an die Arbeit. Energisch räumte er mit der Misswirtschaft auf, in die unkundige Bergbeamte den Bergbau in Oberfranken gebracht hatten. Die Beförderung zum königlichen Bergmeister war der Lohn für seine Bemühungen.

Wenn Alexander von Humboldt auch mitunter als Sanierer hart eingriff, so vergaß er jedoch in keiner Sekunde den treuen Bergmann, der das kostbare Gut aus der Erde holte. Er behandelte alle Menschen höflich und gerecht, und die alten Bergleute freuten sich wieder ihrer Arbeit, die ihre Existenz auf Jahre hinaus sicherte.

Berghilfskasse gegründet

Der Bergmeister dachte nie daran, das Bergvolk auszunutzen; er wollte es vielmehr wirtschaftlich heben und den Bergbau mit seinen Arbeitern krisenfest machen. So gründete er in Bayreuth eine Berghilfskasse. Diese Kasse sorgte dafür, dass die oberfränkischen Bergleute bei Krankheit, bei Unfall und im Alter keine Not zu leiden brauchten.

Humboldt ordnete an, den Schulunterricht an den Volksschulen seines Bergbezirks neu zu regeln. Jeder Bergmann konnte nun seine Kinder in die Schule schicken. Im Ort Steben ließ Humboldt ohne Befragung der preußischen Regierung 1793 eine Bergschule errichten. Diese Fachschule stand jedem Bergmann, der eine gewisse Grundbildung nachweisen konnte, unentgeltlich zum Besuch offen.

Aber auch die Arbeitsbedingungen der Bergleute unter Tage verbesserte Alexander von Humboldt. So studierte er eingehend die giftigen Grubengase und schlagenden Wetter, mit denen die Knappen täglich zu kämpfen hatten. Er entwickelte eine "Atmungsmaschine", die die Wetterführung der Gruben verbessern sollte. Die Grubenlampe, die Humboldt nach unzähligen Versuchen konstruierte, muss heute als eine Vorläuferin der Davyschen Wetterlampe von 1815 betrachtet werden.

Mit seinem Pro Memoria vom 13. März 1794 meldete Humboldt beim Königlichen Oberbergdepartement die Königliche freie Bergschule an, die er 1793 ohne Wissen der ihm vorgesetzten Behörden eröffnet hatte.

Dreh- und Angelpunkt und die gute Seele der Stebener Bergschule war Georg Heinrich Spoerl, den Humboldt auch auf eine Studienreise auf königliche Kosten in das sächsische Erzgebirge schickte. Das junge Bergvolk des Nailaer Reviers wurde unter seiner Obhut zu "verständigen und brauchbaren Knappen" ausgebildet, die mit bergmännischem Ehrgefühl ihren Berufsstand achteten. Spoerl behielt die Stelle als Lehrer bis zu seinem Tod im Jahre 1830 inne.

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