Laden...
Kronach
Diskussion

Warum die Kronacher Festung Rosenberg jetzt eine "Landebahn" hat

An dem neuen Parkplatz im äußeren Wallgraben scheiden sich die Geister. Mitglieder des Historischen Vereins Kronach kritisieren nicht nur die Optik. Sie sorgen sich um ihre historische Feldschlacht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der neue Parkplatz an der Festung Rosenberg erinnert manchen Bürger eher an eine Landebahn für Flugzeuge. Foto: Sandra Hackenberg
Der neue Parkplatz an der Festung Rosenberg erinnert manchen Bürger eher an eine Landebahn für Flugzeuge. Foto: Sandra Hackenberg
+1 Bild

Schon als kleiner Junge hat Jürgen Jakob auf der Festung Rosenberg gespielt. Die historischen Gemäuer waren sein Abenteuerspielplatz, dort kennt der Weißenbrunner jeden Stein. Umso geschockter war er, als er jetzt ein aktuelles Foto vom äußeren Wallgraben zu Gesicht bekam. Die grüne Wiese aus seiner Erinnerung ist einer Asphaltwüste gewichen.

"Ich bin recht erschüttert", wettert der langjährige zweite Vorsitzende des Historischen Vereins Kronach (HVK) in Richtung Stadtverwaltung. "Ich finde es immer gut, wenn sich auf der Festung was tut und die touristische Erschließung ist natürlich sinnvoll. Doch hier sind einfach Tatsachen geschaffen worden!"

Dass die Parkflächen erweitert werden sollen, war seit geraumer Zeit bekannt. Dieser Parkplatz erinnere Jakob aber eher an eine Landebahn für Flugzeuge: "Ein Quäntchen mehr Gespür für die alten Mauern täte Kronach gut. Das Gesamtambiente der Festung ist nachhaltig zerstört worden."

Feldschlacht in Gefahr

Auch Vereinsmitglied Walter Schinzel-Lang kann dem neuen Antlitz des äußeren Wallgrabens nicht viel Schönes abgewinnen: "Es ist entsetzlich. Die Wiese hat zu dem historischen Flair dazugehört. Ich verstehe gar nicht, warum der Denkmalschutz so etwas genehmigt."

Neben der Optik sieht Schinzel-Lang noch ein anderes Problem: "Der äußere Wallgraben wird ganzjährig für Veranstaltungen genutzt - und diese werden massiv beeinträchtigt." Vor allem die Feldschlacht mit inzwischen rund 100 Mitwirkenden ist laut ihrem Organisator in Gefahr. Eine ausreichend große Ausweichfläche gebe es nicht: "Die Festung ist zwar groß, aber nicht unendlich." Zudem waren bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Geschichtsfestival "Crana Historica" bisher auch Feldlager im äußeren Wallgraben aufgebaut. Das sei künftig nicht mehr möglich.

Die Schlacht kann laut Jakob aus Sicherheitsgründen nicht auf einem asphaltierten Untergrund stattfinden: "Wir schießen nicht nur mit Musketen und Kanonen, sondern auch mit Handwaffen und werfen uns auf den Boden." Das Verletzungsrisiko sei unter den neuen Bedingungen zu groß. Der Torbereich der Festung käme darum ebenfalls nicht in Frage. "Außerdem können wir aus Gründen der Sicherheit nicht während der Schlacht den einzigen Zugang zur Festung sperren."

Kronachs zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) räumt ein, dass es in der Frage der Parksituation keine Ideallösung gibt. "Der Parkplatz ist Teil unseres Mehrjahresprogramms, mit dem die Festung generalsaniert wird", erklärt sie. "Wir wollen in Zukunft allen Menschen Zugang zur Festung verschaffen." Ab kommenden Sommer soll es einen barrierefreien Zugang durch einen Mauerdurchbruch geben. Dafür könne ein früherer Eingang wieder freigelegt werden. "Ziel ist es, dass dieser Zugang dann dauerhaft geöffnet ist."

Mit dem neuen Parkplatz seien 60 neue Stellplätze entstanden, davon vier Parkplätze für Behinderte. "Bei der erwarteten Nutzung mussten wir Begegnungsverkehr ermöglichen", erklärt die zweite Bürgermeisterin die landebahnähnliche Optik der Straße.

"Die historischen Schaukämpfe sind aber ein fester Bestandteil des Veranstaltungsprogramms", versichert Hofmann. "Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem 22 Hektar großen Festungsgelände eine Alternative finden." Für andere Veranstaltungen wie "Festung rockt" sei der asphaltierte Untergrund sogar von Vorteil, weil die Besucher nicht mehr im Matsch stehen müssten, falls es regnet.

"Wir wollen die Festung zum Leben erwecken und wer A sagt, muss auch B sagen", appelliert die Leiterin der Kronacher Tourist-Info, Kerstin Löw, an alle Beteiligten. Immerhin müsse man auch an die Kulturtouristen denken - und die seien eben häufig schon im betagteren Alter, in dem der Zugang zur Festung über das Eingangstor beschwerlich wird.

65 000 Besucher in einem Jahr

Bereits jetzt kämen die Parkplätze an manchen Tagen mit größeren Veranstaltungen an ihre Grenzen. 65 000 Besucher seien es alleine im vergangenen Jahr gewesen - und das ohne Übernachtungsgäste. "Wir gehen davon aus, dass die Besucherzahlen noch weiter steigen, wenn das Hotel erst mal richtig anläuft."

Löw stehe regelmäßig in Kontakt mit dem HVK und könne verstehen, dass die Organisatoren von "Crana Historica" sich erst einmal umgewöhnen müssen. "Ich hoffe sehr, dass für die Schlacht eine Alternative gefunden wird."

Der Verein plant für die kommenden Wochen eine Ortsbegehung. "Wir wussten, dass der Parkplatz befestigt werden soll - allerdings nicht in welchem Umfang", fasst der Vorsitzende Lucien Schmidt zusammen. Nun gehe es darum, das Beste aus der Situation zu machen. Ändern könne man jetzt sowieso nichts mehr.

Kommentar von Sandra Hackenberg: Eine wenig ritterliche Darbietung

Die Festung Rosenberg ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, in den geschichtsträchtigen Gemäuern herrscht wieder Leben. Rosenmesse, Festspiele oder "Crana Historica" locken auch Besucher aus der Ferne in die Lucas-Cranach-Stadt.

Wer länger bleiben möchte, kann jetzt sogar stilecht wie ein Fürstbischof im Hotel auf der Festung residieren.

Für den florierenden Tourismus müssen natürlich auch ausreichend Parkplätze geschaffen werden. Die hat die Stadt nun in Form einer großzügigen Asphaltdecke im äußeren Wallgraben geschaffen. So will man künftig auch gehbehinderten Besuchern den Zugang zur Festung ermöglichen - und für Hotelgäste mit Koffern ist es ohnehin bequemer.

Die Ziele sind rühmlich, die Umsetzung allerdings wenig ritterlich. Die Stadt hat den örtlichen Organisatoren wissentlich eine Veranstaltungsfläche genommen, ohne ihre Pläne offen und direkt zu kommunizieren. Stattdessen wurden schlicht Tatsachen geschaffen.

Dass ein neuer Parkplatz im äußeren Wallgraben entstehen soll, war kein Geheimnis. Doch selbst manche Ratsleute, die für den Bau gestimmt haben, zeigen sich nun erstaunt bis verwundert über das Endergebnis.

Wo Veranstaltungen wie die historische Feldschlacht Ende Mai 2020 nun stattfinden soll, das steht derzeit in den Sternen. Es bleibt abzuwarten, ob die Stadt ihr Wort hält und zusammen mit den Organisatoren eine Lösung findet. Denn wenn touristische Attraktionen für Parkplätze weichen müssen, ist das Ziel verfehlt.

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren