Mitwitz
Denkmal

Eine Attraktion könnte in Mitwitz entstehen

Der Marktgemeinderat wird am Montag über die Zukunft des "Zapfenhauses" entscheiden. Es ist das älteste profane Gebäude und hat ein rituelles Tauchbad.
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Heinz Köhler (links), Odette Eisenträger-Sarter (Arbeitskreis Synagoge) und Kreisheimatpfleger Dieter Lau vor dem "Zapfenhaus"  Foto: Rainer Glissnik
Heinz Köhler (links), Odette Eisenträger-Sarter (Arbeitskreis Synagoge) und Kreisheimatpfleger Dieter Lau vor dem "Zapfenhaus" Foto: Rainer Glissnik
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Wird das historische "Zapfenhaus" mit seiner herausragenden jüdischen Mikwe unter Nutzung einer herausragenden Förderung hergerichtet oder wird es weiter verfallen? Kommenden Montag wird der Mitwitzer Marktgemeinderat wohl grundsätzlich beschließen.

Heinz Köhler, Odette Eisenträger-Sarter (Arbeitskreis Synagoge) und Kreisheimatpfleger Dieter Lau richten einen leidenschaftlichen Appell an die Mitglieder des Gremiums, sich für das vorliegende Konzept zu entscheiden. "Die Revitalisierung des Zapfenhauses würde der denkmalgeschützten Mikwe sicher helfen und für Mitwitz, den Zentralort im Steinachtal, einen touristischen Mehrwert bringen", unterstreicht Kreisheimatpfleger Dieter Lau. "Wir müssen die Entscheidungsträger in Mitwitz einfach unterstützen", erklärt er sein starkes Engagement in dieser Sache.

"Wir haben hier eine Mehrfachlösung", plädiert die Vorsitzende des Arbeitskreises Synagoge, Odette Eisenträger-Sarter. "Es geht uns nicht nur um den Erhalt der Mikwe, des jüdischen Lebens. Dank Heinz Köhler haben wir hier ein großartiges Nutzungskonzept."

Eine "Bienenwerkstatt"

Im Zapfenhaus könnte eine "Bienenwerkstatt" entstehen. Schulklassen und Interessierte könnten hier etwas über die Bienen erfahren. Die Imker, die derzeit ihren Lehrstand im Mitwitzer Wasserschloss haben, würden ebenfalls im Zapfenhaus einziehen. Hinter dem Haus soll eine Streuobstwiese angelegt werden. Außerdem würden die Imker im Haus einen Raum für sich erhalten. Der Zugang zur Mikwe würde separat gestaltet.

"Mikwe, Bienenwerkstatt und Imker" wünscht sich Odette Eisenträger-Sarter als tragfähiges Dauerkonzept für den Erhalt. Dazu würde auch die Ökologische Bildungsstätte Mitwitz das Zapfenhaus nutzen: Weil dieser in der "Alten Schule" künftig Möglichkeiten wegfallen, würde diese hier die Außenanlagen nutzen, erklärte Heinz Köhler. Unmittelbar vor dem kurzfristigen Pressetermin am Zapfenhaus hatte er noch Gespräche mit der Ökologischen Bildungsstätte geführt, mit Vorsitzendem Kai Frobel und Geschäftsführer André Maslo.

"Das Zapfenhaus ist ein prägendes Gebäude, wohl das älteste Profangebäude in der Marktgemeinde", appelliert Köhler sichtlich mit Herzblut, die Chance zur Sanierung dieses Bauwerks zu nutzen. "Für mich als Mitwitzer hat dieses Haus einen ganz besonderen Wert." Schließlich gebe es konkrete Verwendungsmöglichkeiten, die Mitwitz weiter aufwerten. Es wäre eine Aufwertung der Ökologischen Bildungsstätte und für die Imkerschule. Die jüdische Mikwe sei etwas Außerordentliches für die Marktgemeinde und den Fremdenverkehrsort Mitwitz. "Letztlich wertet dieses Haus den gesamten Ortsbereich im Grünen Tal auf. Es wird ein Schmuckstück für Mitwitz". Eine solche Chance werde nie mehr kommen.

Eine vierfache Nutzung

"Das Gebäude ist über 300 Jahre alt. Unser Glück ist dazu, dass es nahezu im Originalzustand erhalten ist", betonte Odette Eisenträger-Sarter. "Wir wollen das ganze Gebäude erhalten." Die Nutzung sei das ganze Jahr über gewährleistet und aufgrund der Erklärung von Heinz Köhler sei es jetzt eine Vierfachnutzung gewährleistet.

Wie Heinz Köhler betont, entstünden hier keine Folgekosten, weil sich alles selbst finanziere. Die Sanierung erhalte 90 Prozent Förderung durch die Nordostbayerninitiative.

Das Anwesen "Am Grünen Tal 10" in Mitwitz, das sogenannte "Zapfenhaus", beherbergt in seinem Keller eine bis heute erhaltene Mikwe (jüdisches Ritualbad). Nach der Geburt galten Frauen als unrein. Durch das vollständige Untertauchen im Tauchbecken wurde die Frau rituell wieder rein.

Von ursprünglich 2800 Mikwen gibt es heute in Deutschland noch rund 200. Das äußerst sanierungsbedürftige "Zapfenhaus" befindet sich noch weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand und steht heute unter Denkmalschutz. Der Erhalt ist jedoch bedroht und es besteht die Gefahr, dass dieses Denkmal nicht erhalten werden kann.

Vor wenigen Monaten plädierte auch der einstige Kultusminister Ludwig Spaenle, jetzt Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungskultur und geschichtliches Erbe, für den Erhalt des Hauses.

Juden prägten Mitwitz mit

Seinen Aufstieg zum zentralen Ort verdankt der Markt auch der jüdischen Bevölkerung, die sich bis ins 19. Jahrhundert intensiv mit dem Handel beschäftigte, erinnert Kreisheimatpfleger Dieter Lau - Handel mit den benachbarten Fürstentümern wie dem Coburgischen oder den Märkten im Hochstift Bamberg.

"Älteste Belege auf die jüdische Bevölkerung kennen wir aus den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, als die von Würtzburg in Mitwitz ihre Herrschaft ausbauten und sich der fränkischen Ritterschaft anschlossen. Die Ritterschaft besaß das Judenschutzprivileg des Kaisers und konnte somit Juden in ihren Territorien aufnehmen", so Lau.

Insbesondere nach der Vertreibung aus den Städten der Hochstifte und der Markgrafen siedelte sich die jüdische Bevölkerung in den ritterschaftlichen Dörfern Frankens wie in Mitwitz, Küps, Redwitz an, erklärt Dieter Lau. Gegen die Zahlung von Abgaben und Steuern erhielten sie die Religionsfreiheit in den christlichen Gemeinden. Die jüdische Kultusgemeinde Mitwitz besaß schon früh intakte kulturelle Einrichtungen wie eine Synagoge, eine Schule und ein rituelles Tauchbad. Bestattungen erfolgten auf dem Judenfriedhof in Küps. Im Laufe der Jahre wuchs die Größe der jüdischen Gemeinde an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bekannte sich beinahe jeder fünfte Einwohner von Mitwitz zum jüdischen Glauben. Das Zusammenleben zwischen Christen und Juden war lange problemlos, bisweilen von inneren und äußeren Konflikten überlagert. In der 2. Hälfte des 19.

Jahrhunderts wanderten die ansässigen Juden in die Städte und teilweise nach Amerika aus. Einer der bekanntesten Mitwitzer Juden war David Bamberger. Ihn zog es nach Lichtenfels. Dort baute er seinen Handel und die Produktion mit Korbwaren aus. Ludwig A. Freund und die Familie Bamberger machten mehrere Stiftungen für ihre Heimatgemeinde Mitwitz. Heute erinnert nur noch wenig an die ehemaligen Bewohner. Ein Straßenname Ludwig A. Freund und eine Mikwe im Zapfenhaus im Grünen Tal.

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