Kronach
Konzert

Ein Musikfest von allen für alle in Kronach

Mit einem abwechslungsreichen Programm machten die Ensembles von 18 oberfränkischen Realschulen in Kreiskulturraum Lust auf gemeinsames Musizieren.
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Die Scheßlitzer hatten sichtlich Spaß bei ihrer Version von "Candy".Nicole Julien-Mann
Die Scheßlitzer hatten sichtlich Spaß bei ihrer Version von "Candy".Nicole Julien-Mann
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Sogar die Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piwernetz, hatte es sich nicht nehmen lassen, zum Musikfest der Oberfränkischen Realschulen nach Kronach zu kommen. Ensembles ab einer Mindestgröße von vier Mitgliedern durften sich beteiligen: es kamen 18 Delegationen aus allen Ecken der Region zusammen mit Schulleitern und Fachbetreuern. Dies bedeutete auch: 18 Auftritte von Formationen in unterschiedlichen Größen und Zusammensetzungen. Instrumente, Mikrofone, Stühle, Notenständer mussten in Windeseile auf oder abgebaut werden, damit sich der Programmablauf nicht allzusehr verzögerte. Das Technikteam der ausrichtenden Siegmund-Loewe-Schule Kronach leistete hier ganze Arbeit.

Die Schüler im Publikum hielten sich über die drei Stunden gut bei Laune. Als die Luft langsam dick wurde, die Temperaturen anstiegen und sich das Sitzfleisch bemerkbar machen wollte, betrat der kleine bunte gemischte Chor aus Kulmbach die Bühne und sang mit jugendlichen Stimmen zwei gefühlvolle Klassiker: "I have a dream" von Abba und "Sound of Silence". Die jugendlichen Zuhörer berauschten sich an diesen unvergänglichen Melodien und an sich selbst mit LED-Lichtern und Leuchtstäben und hielten diesen Modus bis zum Ende durch.

Der Abend hatte viel Spannendes zu bieten, jeder Aufritt eine Überraschung. Etwa bei der Zusammensetzung der Instrumente: Das Quartett aus Naila interpretierte das jazzige "Look out Little Ruth" von Kurt Engel mit Marimbaphon in der Lead-Stimme, begleitet von E-Gitarre, Cello und Schlagzeug. Die Trommelgruppe aus Ebermannstadt brachte den Saal mit afrikanischen Rythmen in Schwingung, aber nicht nur die Zuhörer vibrierten auf "Baga Giné" aus Guinea sondern auch die Tanzgruppe. Turnerische Akrobatik krönte den Auftritt der Schulen aus Marktredwitz und Rehau, die sich in einer Musical-Kooperation mit den dunklen Seiten des Internets befassten: "Ticket raus aus Loserville". Eine enge Zusammenarbeit zwischen Theater und Musik findet auch an der Johannes-Kepler-Realschule in Bayreuth statt. Band und Sänger wurden vom Chor mit einer Tücher- und Seifenblasen-Choreographie unterstützt sowie einer beeindruckenden einer Solo-Einlage in Ausdruckstanz. Einen frech-fröhlichen Auftritt ihrer Frontfrauen legte die Scheßlitzer Band hin mit ihrer Version von Robbie Williams' "Candy". Auch Ausflüge in die neueren Popcharts wurden unternommen. Die Band aus Hirschaid überzeugte mit rockigem Sound, fünf Sängerinnen und einer veritablen Rockröhre. In Helmbrechts heißt es "Fresse halten", wenn die Band auftritt und selbstbewusst ihre Version von "Greendays" "Boulevard of Broken Dreams" interpretiert. Eine tolle Band, sicher intonierende Sängerinnen, Hall auf die Mikros: so klingt Taylor Swifts "Love Story" in der Rehauer Version fast besser als im Original.
Mit tollen Chorleistunge überzeugten auch die Vertreter aus Hollfeld und Coburg. Alleinstellungsmerkmal des Abends boten die Hollfelder mit kräftigen Männerstimmen, unterstützt von den Mädels mit schönen Harmonien und Vocal Percussion. Die härtesten Metalbands bringen meistens die berührendsten Balladen hervor. "Nothing else matters" von "Metallica" ist dafür das beste Beispiel. Der Chor Der Realschule Coburg II überzeugte nicht nur mit seiner zweistimmigen Version des Klassikers, sondern auch mit den kreativen Konzertkleidchen, die den jungen Damen hervorragend standen. Big Band-Groove legten die Forchheimer hin mit "Just give me reason" von Pink sowie das sinfonische Blasorchester aus Wunsiedel mit einem Queen-Medley. Auch hier stieg das Publikum voll ein mit einem Adhoc-Chor zu "We are the Champions." Die beiden heimlichen Helden auf der Bühne kamen aus Gefrees und Bamberg. Der Gefreeser Gitarrenchor beeindruckte schon durch die Anzahl der Gitarren - etwa 30 waren auf der Bühne versammelt. Der Percussionist mit Armschlinge setzte mit Hölzern und Schnarren taktsicher kreative Effekte. Im schönsten Kindersopran rockten der Lead-Singer und seine Bamberger Band den Saal: "Wild Thing" von "The Troggs". "Was für eine Rampensau!", entfuhr es da Thomas Hauptmann, Lehrer für Deutsch und Geschichte. Er und die souveräne Schülerin Eva Kalamala verliehen dem Konzert mit ihren inspirierten Moderationen eine erfrischende Klammer.
Der Hausherr des Abends, Realschuldirektor Uwe Schönfeld, kann hochzufrieden mit seinen Teams sein, die alle einen tollen Job hingelegt haben: vom Technikteam, über die Medien-AG und natürlich das Bläserensemble mit seinen Gesangssolistinnen, die ihre Gäste mit einer tröstlichen Botschaft in die Nacht entließen: "Heal the World" von Michael Jackson.
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