Nordhalben
Museum

Ein Museumsbahnhof für Nordhalben: Den Warteraum wiederbeleben

Die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn haben sich ein Mammutprojekt vorgenommen: Im und um den ehemaligen Bahnhof Nordhalben soll die Schienenvergangenheit des Frankenwalds erlebbar werden und ein Museumsbahnhof entstehen.
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Hier bahnt sich die Natur ihren Weg: Ralf Ellinger im Eingang zum Warteraum des Bahnhofes Nordhalben. Anna-Lena Deuerling
Hier bahnt sich die Natur ihren Weg: Ralf Ellinger im Eingang zum Warteraum des Bahnhofes Nordhalben. Anna-Lena Deuerling
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Wart(e)raum. Dritte Klasse. Wenn es mal wieder länger dauert. Gut 45 Jahre muss es her sein, dass sich hier zuletzt ein Fahrgast am Bahnhof Nordhalben über eine Zugverspätung geärgert hat. Seitdem der planmäßige Personenverkehr auf der ehemaligen königlich-bayerischen Lokalbahn Kronach eingestellt wurde, sind Jahrzehnte vergangen. Und die sieht man dem Gebäude, das nahezu in seinem Ursprungszustand aus dem Jahr 1900 erhalten ist, deutlich an. Die Fensterscheiben sind gesprungen, der Lack blättert von den Rahmen und wo sie es schafft, bahnt sich die Natur langsam einen Weg in Fugen und Lücken.

Neues Leben einhauchen

Trotzdem lässt Ralf Ellinger in seinen Erzählungen wieder Leben in den Warteraum kommen. Wenn es nach dem Vorsitzenden und seinen Vereinskollegen der Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn geht, sollen Besucher hier bald wieder warten: auf Kaffee, Kuchen und andere Speisen aus dem vereinseigenen Bistro. Und auf die nächste Museumsbahn, die in den Sommermonaten zwischen Steinwiesen und Nordhalben pendelt. Denn der Verein will das in die Jahre gekommene Bahnhofsgebäude mit den Nebenanlagen in einen Erlebnisbahnhof verwandeln.

Neben Bistro, (barrierefreien) sanitären Anlagen und einem Informationsschalter für Touristen sollen unter anderem eine Ausstellung zur Geschichte der Lokalbahn Kronach und der Modellbahngruppe fester Bestandteil des "Erlebnisbahnhofs Nordhalben" werden. Im ersten und zweiten Obergeschoss sollen Ferienwohnungen entstehen. "Wenn man mit den Besuchern ins Gespräch kommt, hört man immer wieder, dass die Nachfrage nach Ferienwohnungen groß ist." Warum als nicht das Erlebnis Bahnhof mit einer Übernachtung in der ehemaligen Wohnung des Bahnhofsvorsteher perfekt machen?

Wenn es nach Ellinger gegangen wäre, wäre das längst Realität. "Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, meinen 50. Geburtstag hier zu feiern", sagt der 53-Jährige und lacht. Für den nächsten "Runden" will er dann aber in den Erlebnisbahnhof laden können.

Kaufvertrag fast abgeschlossen

Nach jahrelangen Bemühungen konnte der Verein das Objekt vom Privateigentümer erwerben und ist dem Ziel so ein kleines Stück nähergekommen. Der Kaufvertrag soll bald abgeschlossen werden. Die rund 80 000 Euro konnten zu 80 Prozent aus Mitteln der "Regionalen Partnerschaf Land(auf)-schwung" finanziert werden. Doch die große finanzielle Herausforderung kommt erst noch: Die Kostenschätzung für das Projekt liegt bei 1,9 Millionen Euro brutto.

Denn nicht nur das Hauptgebäude, sondern das komplette unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsensemble sollen saniert werden. In der Güterhalle nebenan soll ein Veranstaltungsraum mit Biergarten und in einem weiteren Nebengebäude eine Werkstatt Platz finden. Auch der Lokschuppen soll ein neues Gesicht bekommen und künftig als Unterstand für die vereinseigenen Fahrzeuge dienen. Die ehemaligen Dienstwohnungen der Lokführer könnten ebenfalls saniert und in ihrer ursprünglichen Funktion als Übernachtungsmöglichkeit für Personal dienen, das für Arbeitseinsätze nach Nordhalben kommt.

Finanzierung, die Zweite

Sowohl ein Konzept als auch einen entsprechenden Finanzierungsplan habe man bereits seit einigen Jahren in der Schublade liegen. Unter anderem habe man damals mit der Oberfrankenstiftung und der Landesstiftung für Denkmalpflege Kontakt aufgenommen, auch verschiedene Töpfe für Städtebauförderung habe man anzapfen wollen. Gescheitert sei es dann am Eigenanteil.

"Die zehn Prozent Eigenleistung - und das sind immerhin 190 000 Euro - haben wir damals nicht aufbringen können." Grund seien die vielen Baustellen, etwa der Erhalt der verschiedenen Brücken oder die Hauptuntersuchung der Waggons, die den Verein regelmäßig finanziell stark fordern. Über Spenden und viel praktische Eigenleistung soll es dieses Mal mit dem Projekt klappen. Nun sei es daran, erneut Gespräche mit potenziellen Fördergebern zu führen. "Eigentlich ist das Projekt viel zu groß für uns", gibt Ellinger zu. "Doch wir werden es schaffen - weil wir es eben schaffen müssen."

Woher Ellinger seine Zuversicht nimmt? "Ich hab ein gutes Bauchgefühl", sagt er. Das habe er bereits damals beim Erwerb der Strecke gehabt. "Viele haben damals gesagt: Das schafft ihr nie - und wir haben es geschafft." Dass es an Herzblut und Leidenschaft für das Projekt nicht fehle, zeige man zuverlässig seit 13 Jahren. Nun ist es vor allem eine finanzielle, aber auch eine Zeitfrage. "Die Zeit läuft gegen uns", weiß er. Denn Unkraut und Wildblumen sind hier das geringste Problem. Warte man noch länger, geht es an die Bausubstanz - die beispielsweise beim Nebengebäude schon stark angegriffen sei.

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