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Mitwitz
Festakt

Ein "Juwel" wechselt den Besitzer

In Mitwitz wurde die Übernahme des Wasserschlosses durch den Landkreis Kronach festlich begangen.
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Landrat Klaus Löffler (links) überreicht Baron Theodor Rasso Freiherr von Cramer-Klett ein auf Schiefer gemaltes Bild des Schlosses.Maria Löffler
Landrat Klaus Löffler (links) überreicht Baron Theodor Rasso Freiherr von Cramer-Klett ein auf Schiefer gemaltes Bild des Schlosses.Maria Löffler
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Im Weißen Saal des Wasserschlosses waren zahlreiche Ehrengäste Zeugen, wie eine Ära endete und eine andere begann. Das Mitwitzer Wahrzeichen, das in den Besitz des Landkreises überging, solle künftig allen Bürgern gehören, versprach Landrat Klaus Löffler beim Festakt, der Landkreis werde es nur verwalten. "Und wir bekennen uns zu der Verpflichtung, dieses Kleinod zu bewahren und sein Entwicklungspotenzial auszuschöpfen. Ich habe eine Vision."

Ein Festakt, bei dem Baron Theodor Rasso Freiherr von Cramer-Klett die Wehmut ins Gesicht gezeichnet war. Fast 100 Jahre war es Familienbesitz der Cramer-Kletts und die endgültige Trennung fiel ihm sichtlich schwer. "So stehe ich hier mit gemischten Gefühlen. Es gibt so wundervolle Ideen für die Zukunft und ich hoffe, dass man diese Ziele weiterverfolgt. Dieses Bauwerk wurde über Jahrhunderte erhalten und Schlagworte wie ,Nachhaltigkeit' wurden von all meinen Vorfahren respektiert. Ich wünsche dem Landkreis eine glückliche Hand. Halten Sie Mitwitz am leuchten!" An diesem Abend hätte wohl schon das strahlende Gesicht des Landrats dafür gereicht. Stolz sprach er von "einem krönenden Geschichtskapitel", von zahlreichen Impulsen, die noch stärker in den Landkreis strahlen sollten und von einer fruchtbaren Verbindung aus Natur, Umwelt, Land- und Forstwirtschaft.

Mitgefreut hatte sich auch Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz: "Die guten Nachrichten aus dem Landkreis Kronach reißen ja gar nicht mehr ab." Piwernetz bezeichnete das Schloss als "Besuchermagnet", aber auch als finanzielle Herausforderung und als Gratwanderung zwischen Stabilisierungs- und Konsolidierungshilfe. "Ich wünsche auf jeden Fall ein glückliches Händchen beim Generieren von großzügigen Förderern." Am Ende versprach sie als Vorsitzende des Stiftungsrates aber auch eine finanzielle Unterstützung der Oberfranken-Stiftung.

Dass der Landkreis "Flagge zeigt", würdigte Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Er bezeichnete die Eigentumsübernahme als einen "mutigen Schritt", denn das Schloss sei für eine andere Zeit gemacht. "Eine Zeit, in der es noch Bedienstete gab und in der Prunk als ganz selbstverständlich galt." Schon allein die Denkmalpflege sei eine kulturelle Aufgabe. "Man muss die Stärken herausstellen und die Mauern wieder mit Leben erfüllen. Der Bezirk steht dabei fest an eurer Seite."

Bürgermeister Hans-Peter Laschka, bekannt dafür, dass er seine Fliege nur zu ganz besonderen Anlässen trägt, hatte die besten Nachrichten für Paare, die sich im Weißen Saal trauen lassen möchten: "Ich habe hier seit sechs Jahren Ehepaare aus der ganzen Welt verheiratet und alle Ehen haben bis heute gehalten. Aber vielleicht liegt da ja am Standesbeamten", fügte er augenzwinkernd hinzu. Er freute sich aber auch darüber, dass man künftig mit dem Schloss "ein Juwel" nutzen könne, an dem der Landrat wohl "einen Narren gefressen" habe.

Als die "Laurentius-Polka" der Kronacher Musikanten unter Leitung von Harald Scherbel verklungen war, trat Bezirksheimatpfleger Günter Dippold ans Rednerpult. Er führte die Zuhörer in die Zeit zurück, als das Wasserschloss 1266 das erste Mal urkundlich erwähnt worden sei. Es gehörte den Freiherren von Schaumberg, "einem fruchtbaren Geschlecht", wie er es ausdrückte.1425 hätten dann die Besitzverhältnisse gewechselt, und die ritterlichen Herren von Rosenau seien zum Zug gekommen. 1575 habe es Hieronymus von Würtzburg erworben. Ende des 16. Jahrhunderts ließ es dann Hans Veit der I. von Würtzburg wieder aufbauen und erweitern.

Bis 1922 habe die Ära derer von Würtzburg gedauert, bevor bevor es im Jahre 1903 in den Besitz der von Cramer-Kletts gewandert sei. Sein geschichtlicher Streifzug war aber keine blanke Aufzählung von Jahreszahlen, vielmehr vermittelte er beim Publikum ein Gefühl für die jeweilige Epoche und beschrieb die wechselnden Verhältnisse mit anschaulichen, bildhaften Worten.

Nicht unerwähnt ließ er den "den radikalen Bruch von Religion und Politik", der immer wieder zu massiven Veränderungen in der Glaubensrichtung geführt habe. Auch könne man am Schloss so vieles ablesen, unter anderem eben auch die konfessionellen Besonderheiten. Die jeweiligen Besitzer hätten zumindest innen versucht, mit der Mode zu gehen und zu repräsentieren.

Ein großes und würdevolles Erbe sei es, das der Landkreis übernommen habe. Jetzt gelte es, "den Bestand zu wahren und für vielerlei Nutzung zu öffnen. Es geht um den Abbau von Barrieren bei möglichster Schonung von Bau und Ausstattung. Dabei wünsche ich dem Landkreis eine glückliche Hand, einen langen Atem und ein gutes Gelingen."

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