Kronach
Jubiläum

Ein Hoch auf die "Struwwels" in Kronach

Seit 20 Jahren gibt es das Jugend- und Kulturzentrum "Struwwel" in der Rodacher Straße in Kronach. Das Jubiläum wurde am Samstag gefeiert.
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Die Hauptamtlichen präsentierten eine ganz eigenwillige Titanic-Version.Heike Schülein
Die Hauptamtlichen präsentierten eine ganz eigenwillige Titanic-Version.Heike Schülein
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So bunt und abwechslungsreich wie das Leben im Jugend- und Kulturzentrum war auch die fröhlich-bunte Feier am Samstagabend. "Struwwelpeter"-Leiter Samuel Rauch konnte in der rappelvollen Scheune viele Weggefährten und Freunde sowie Repräsentanten aus der Politik begrüßen als auch seitens des Betriebsträgers die Geschäftsführerin Helga König und den stellvertretenden Leiter Klaus Achatzy des Jugendamts der Erzdiözese Bamberg. Anlass: Vor 20 Jahren schlossen sich die beiden Häuser Jugendzentrum "Old School" der Stadt Kronach und das Jugendcafé "Struwwelpeter" der CAJ Bamberg zusammen.

"20 Jahre ,Struwwelpeter' - es hat sich gelohnt", bekundete Landrat Klaus Löffler. Samuel Rauch und sein Vorgänger Lars Hofmann hätten die Einrichtung 20 Jahre geführt - ein sichtbarer Beleg von Stabilität. Verlässlichkeit und Vertrauen hätten das starke Fundament gebildet, das so reiche Frucht getragen habe. Allen Mitarbeitern - hauptberuflich oder im Ehrenamt - dankte er für ihr Riesenengagement, insbesondere in der Flüchtlingsarbeit.

"Im ,Struwwelpeter' wird seit 20 Jahren eine tolle Jugendarbeit auf hohem pädagogischen Niveau geleistet", würdigte Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann, die zu jener Zeit mit Ralf Völkl Jugendbeauftragte der Stadt war. "Der Weg ist das Ziel", zeigte sie sich angesichts der vielen Mitmachaktionen von Jugendlichen für Jugendliche sicher. Die jungen Leute lernten hier soziale Kompetenzen für das ganze Leben. Durch die Mitgestaltung des Lebens bauten sie zugleich eine enge Bindung zu ihrer Heimat auf.

Die Gründung des "Struwwelpeter"-Fördervereins vor 15 Jahren sei, so Vorsitzender Christian Kreuzer, aus der Überzeugung heraus erfolgt, dass die hervorragende Jugendarbeit der Einrichtung nicht ausschließlich von staatlichen Organen und der Kirche getragen werden sollte, sondern auch in der Kronacher Gesellschaft akzeptiert und verankert sein müsse. Der Verein sehe sich in einer integrativen Rolle. Einerseits wolle man ältere Erwachsene ohne Berührungspunkte in den Treff hineinholen; zum anderen gewähre man natürlich auch finanzielle Unterstützung. Seit seinen frühen Anfängen sei der "Struwwelpeter" ein Ort, an dem im Kleinen funktioniere, was man im Großen so dringend bräuchte: Menschen unterschiedlicher Kulturen kommen zusammen und miteinander aus. Damit sei er ein Lichtschimmer in einer Zeit, in der die Demokratie von extremen Kräften infrage gestellt und bedroht werde.

Laut Hubert Zapf von der Stadtverwaltung sei die Forderung nach einem Jugendzentrum seit den 70er Jahren jugendpolitisch und parteipolitisch intensiv diskutiert worden. Bis 1992, als der Kreisjugendring und die Initiative ihr Modell der gleichberechtigen Trägergemeinschaft aufgaben, habe sich das Traum-Karussell der Trägerschaftsmodelle und Standorte heftig gedreht. Entscheidend im Prozess sei dabei das Angebot der Erzdiözese Bamberg gewesen, als weiterer Partner in die Trägerschaft einzusteigen und die Bereitschaft der CAJ, ihre Einrichtung aufzugeben.

Die bisherigen "Struwwelpeter"-Leiter Alexandra Keller (ab Januar 1998) und Lars Hofmann (ab März 1999) sowie aktuell Samuel Rauch (ab September 2009) ließen die Gäste an ihren persönlichen Erinnerungen teilhaben. Keller erinnerte sich an eine "unfassbar große ehrenamtliche Kreativität". So sei beispielsweise die Theke in Eigenregie entworfen und gebaut worden. "Es war eine tolle und spannende Zeit", blickte sie zurück.

"Ich bin sehr glücklich, dass ich mit all den wunderbaren Menschen hier zehn Jahre und fünf Monate zusammenarbeiten durfte", bekundete auch Hofmann. Das Haus habe ihn geprägt; die Zeit hier sei die wichtigste Periode in seinem Leben gewesen. "Für mich war der ,Struwwel' immer das geilste und beste Jugendzentrum in ganz Bayern", meinte er.

"Die erste Zeit hier war die stressigste in meinem Leben", räumte Rauch ein. Einige der vielen Ideen habe man vielleicht etwas zu schnell umgesetzt. Seinen Schwerpunkt habe er von Anfang an auf die offene Jugendarbeit gelegt. Eine große Herausforderung habe die Flüchtlingswelle vor drei Jahren dargestellt. Im Gebäude sei alles bis auf den Saal umgebaut worden. Man müsse sich Gedanken machen, in die Bausubstanz zu investieren. Zudem sollte man eine rund um die Uhr erreichbare, entlohnte Rufbereitschaft einrichten.

Ein Tag im "Struwwel"

Sein Dank galt abschließend den Ehrenamtlichen, ohne die im Struwwelpeter nichts gehe. Für diese bereiten die Hauptamtlichen alljährlich eine kleine Aufführung an der Weihnachtsfeier vor. Eine davon - eine recht eigenwillige Version des Titanic-Songs - gab man zum Besten. Aber auch die Ehrenamtlichen hatten sich eine Überraschung ausgedacht, zeigten sie doch, wie es so zugeht - an einem Tag im "Struwwel". Auf großen Zuspruch stieß die große Ausstellung "20 Jahre Struwwelpeter", bevor das Jubiläum mit toller Livemusik im Rahmen der Kronacher Musiknacht ausklang.

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