Marktrodach
Sanierung

Ein Hauch von Hotel ist im Flößerhof geblieben

Monatelang wurde das einstige Hotel Flößerhof in Marktrodach in eine Behinderteneinrichtung für Menschen mit dem Prader-Willi-Syndrom umgebaut. Jetzt sind die Arbeiten in den letzten Zügen. Nächste Woche ziehen die ersten Bewohner ein.
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Teamwork gefragt: Willi Unglaub, Christoph Schwämmer und Alexander Braun (von links) sind mit dem Aufbau des Kleiderschranks beschäftigt.   Fotos: Sabine Herteux
Teamwork gefragt: Willi Unglaub, Christoph Schwämmer und Alexander Braun (von links) sind mit dem Aufbau des Kleiderschranks beschäftigt. Fotos: Sabine Herteux
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Sie hämmern. Schrauben. Bohren. Ein Möbelstück nach dem anderen kommt an seinen Platz. Die Zimmer nehmen Gestalt an. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt den Arbeitern des Möbelbetriebs zwischen Bett und Kleiderschrank aber nicht. In Akkordarbeit müssen sie alles aufbauen. Denn schon kommende Woche ziehen die ersten drei Bewohner in den Flößerhof St. Nepomuk der SeniVita Sozial gGmbH in Marktrodach ein. Eine stationäre Einrichtung für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom. Eine Behinderung, bedingt durch eine Störung des Chromosoms 15.

"PWSler haben kein Sättigungsgefühl, einen unstillbaren Hunger. Sie wiegen oft über 200 Kilogramm. Deshalb bieten wir ihnen hier ein spezielles Ernährungs- und Sportkonzept", erklärt die Hausleiterin, Andrea Driesch.
Platz in der neuen Einrichtung ist für insgesamt 28 Bewohner ab 18 Jahre. Von zwölf Eltern hat Driesch bisher Anfragen. "Bis Ende des Jahres werden wir allen gerecht werden. Wir staffeln die Einzüge der Bewohner ganz bewusst langsam", sagt Driesch. Auch ein komplett neues Mitarbeiterteam mit Ergotherapeuten, Heilerziehungspflegern und Krankenschwestern ist ab 2. September vor Ort.

Rezeption - ja oder nein?

Seit Ende 2012 wird das einstige Hotel in die heilpädagogische Einrichtung umgebaut. Und auch jetzt, in den letzten Tagen vor der Eröffnung, wird überall noch Hand angelegt. Elektrik, sanitäre Anlagen, Maler- und Fliesenlegerarbeiten - in allen Ecken ist noch etwas zu tun. "Das Schwierigste war, den Hotelcharakter herauszukriegen", sagt Driesch. Vor allem bei der Rezeption habe man lange diskutiert, ob sie bleiben kann oder nicht. Letztendlich hat man sich für sie entschieden: "Eigentlich gehört eine Rezeption nicht in eine Einrichtung wie diese. Aber sie macht was her und gibt viel Ambiente", findet Driesch. Ihr ging es bei der Sanierung vor allem darum, sich in die Bedürfnisse der künftigen Bewohner hineinzuversetzen: "Was braucht der Bewohner, und wie kann er sich wohlfühlen?"

Ebenfalls so geblieben wie vorher ist der Speisesaal. Die Räume für die Bewohner sind dagegen komplett umgebaut, Wände wurden versetzt, viele haben Balkon und Terrasse. In einem großen Wohnzimmer können die Bewohner gemeinsam Zeit verbringen. Die Küche und der Fußboden wurden aus hygienischen Gründen erneuert. "Das Unter- und Erdgeschoss ist bis zum 1. September fertig. Um das Obergeschoss kümmern wir uns anschließend", sagt Driesch. Zwei Millionen Euro hat der Kauf inklusive der Sanierung insgesamt gekostet. Im Frühjahr ist laut Driesch ein Tag der offenen Tür geplant. Doch jetzt wird erst einmal weiter gehämmert, gebohrt und geschraubt. Damit alle Möbel bis zum Einzug der ersten Bewohner dort stehen, wo sie sollen.

Was ist das Prader-Willi-Syndrom?

Krankheit Menschen mit dem Prader-Willi-Syndrom (PWS) sind meist kleinwüchsig. Sie empfinden kein Sättigungsgefühl, können ihr Essverhalten nicht regulieren. Lebensgefährliches Übergewicht und Sekundärerkrankungen wie Diabetes sind mögliche Folgen. Das PWS ist nicht heilbar.

Therapie Die Bewohner im Flößerhof St. Nepomuk bekommen sieben kalorienreduzierte Mahlzeiten am Tag. Beim Kochen werden sie eingebunden. Ebenso wichtig sind Bewegung und Sport. Ein Schwimm- und Fitnesstraining ist Pflichtprogramm.

Einrichtungen Die nächste Einrichtung für Menschen mit dem PWS ist in Marktredwitz. Auch sie ist von SeniVita. Sie hat 47 Bewohner.

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