Kronach
Gesundheit

Ein Gerät, das im Notfall Leben rettet

Zum Ersthelfer können wir alle jederzeit werden. Weshalb vor dieser Aufgabe niemand Angst haben muss, erklärt Ralf Schmidt vom BRK Kronach.
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Ralf Schmidt vom BRK Kronach demonstriert, was im Ernstfall zu tun ist. Foto: Theresa Heim
Ralf Schmidt vom BRK Kronach demonstriert, was im Ernstfall zu tun ist. Foto: Theresa Heim

Stellen Sie sich vor, sie sind am Wochenende in einer Fußgängerpassage zum Einkaufen unterwegs. Plötzlich fällt vor ihren Augen ein Mädchen zu Boden und bewegt sich nicht mehr. Was ist jetzt zu tun?

Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und sich über die Verwendung eines Automatisierten externen Defibrillators (AED), kurz Defi, informiert zu sein.

"Ein Defi ist ein Gerät, das bei Herzkammerflimmern mithilfe eines elektrischen Schocks den normalen Herzrhythmus herstellt", erklärt Ralf Schmidt. Die öffentlich zugänglichen Geräte seien für Erwachsene und Kinder geeignet.

Unbegründete Angst

Schmidt betont: "Die Defis beißen nicht - wenn sie nichts erkennen, lösen sie auch keinen elektrischen Schock aus." Des Weiteren würde der Helfer genaue Anweisungen bekommen, sowohl bildlich als auch verbal, was genau im Moment zu tun sei.

Damit der Mensch eine reale Überlebenschance habe, sei vor allem der Ersthelfer entscheidend, denn die Sauerstoffversorgung sei noch zum Überleben ausreichend gewährleistet. "Dieser wählt den Notruf und wartet auf Anweisungen der Leitstelle zur Ersten Hilfe", erläutert der Ehrenamtskoordinator. Optimal sei es zudem, wenn sich ein Defibrillator in der Nähe befinden würde oder wenn dieser von weiteren Involvierten herbei geschafft würde. Schmidt ist überzeugt: "Viele Hände helfen im Ernstfall natürlich auch viel!"

Erfreuliche Erfahrungswerte

Obwohl die Geräte mit 800 bis 2000 Euro ordentlich zu Buche schlagen, können sie einem Menschen ein zweites Leben schenken.

Ralf Schmidt hat selbst in Einsätzen sehr gute Erfahrungen mit den Apparaten gemacht: "Einmal wachte ein Mann nach der Wiederbelebung auf und fragte, was passiert ist." Laut einer Richtlinie muss auch jeder Rettungswagen ein solches Gerät dabei haben. Ansonsten gelte er als untauglich.

Ebenfalls ist im Fahrzeug eines jeden Helfer-vor-Orts (HVO) ein Defi. Helfer vor Ort sind meist Sanitäter, die unter dem Dachverband des BRK agieren.

Funktionsweise des Defibrillators

Ein Defibrillator ist erstaunlicherweise sehr kompakt - unter dem Gesichtspunkt, was er für eine Leistung vollbringen kann. Beim Aufklappen des Geräts werden sofort die überschaubaren Bildhinweise sichtbar.

Der erste Schritt sei es demnach, den Notruf unter der 112 abzusetzen. Den Anweisungen der Leitstelle ist unbedingt Folge zu leisten. Dann wird der Defibrillator eingeschaltet. "Man kann eigentlich gar nichts falsch machen, jeder anstehende Schritt wird solange wiederholt, bis er tatsächlich ausgeführt wird", erläutert Ralf Schmidt.

Nachdem der Oberkörper freigemacht wurde, sagt das Gerät also beispielsweise solange, dass man die Elektroden aufkleben soll, bis dies auch wirklich getan wurde. Schmidt weist darauf hin, dass man als Helfer nach dem Aufkleben der beiliegenden Elektroden Abstand halten soll.

Solange bis der Defibrillator seine Analyse gemacht hat und aufgrund gespeicherter EKG-Bilder entscheidet, ob ein Schock oder eine Herzdruckmassage notwendig ist. "Auch wenn wir als Rettungsdienst da sind, sollte weitergemacht werden - schließlich müssen wir uns auch erst vorbereiten", fügt er hinzu. Möglich wäre es laut Schmidt auch, dass noch Zusatzmaterial dabei ist, etwa eine Schere zum Zerschneiden der Kleidung, oder Einmalhandschuhe.

Schritt für Schritt zum Herzensretter

Schmidt berichtet noch von der vom BRK initiierten Aktion "Herzensretter". Bei diesem Projekt kann man in verschiedenen Stufen, von Bronze, Silber, Gold bis hin zu Platin zum Retter werden. Es gehe darum, sich stufenweise vom Notruf-Absetzen in der ersten Einheit bis hin zur Reanimation mit Defi und Beatmung in der Platinstufe zu steigern. Das eigenständige Projekt richtet sich an jeden Bürger und wurde bislang an Schulen und öffentlichen Veranstaltungen durchgeführt.

Das BRK Kronach zeigt sich erfreut darüber, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Defibrillatoren im Allgemeinen gestiegen ist. Vor allem in Betrieben sei die Ausstattung vorbildlich. Auch im Ebersdorfer Feuerwehrhaus gibt es seit Kurzem ein Gerät für den Ernstfall. Schmidt appelliert trotzdem: "Wir dürfen uns auf diesem Fortschritt nicht ausruhen - die Verfügbarkeit könnte noch besser sein, zumindest hier in unserem Landkreis."

Firmen ziehen mit

Auch der Unternehmensgruppe Dr. Schneider aus Neuses liegt das Thema Defibrillatoren am Herzen.Am Hauptstandort Neuses sind seit 2008 Defibrillatoren verfügbar. Derweil sind es zehn an der Zahl. Frank Müller-Blech, Fachkraft für Arbeitssicherheit, zeigt sich zuversichtlich: "Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute, deshalb ist das Ziel, eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen."

Es soll gewährleistet sein, dass ein Defi in zwei Minuten erreicht werden kann, damit die Wiederbelebung innerhalb von vier bis fünf Minuten nach Herzstillstand erfolgen kann. Laut Müller-Blech gab es schon Fälle in der Firma, bei der sicherheitshalber ein Defi eingesetzt wurde. Am Standort Neuses gibt es 220 Ersthelfer, welche alle zwei Jahre verpflichtend an einer Ersthelferschulung des BRKs teilnehmen müssen.

Erfreulich, dass selbst die lokalen Firmen Herzensretter sind.

Lesen Sie auf infranken.de, wie im Landkreis Kronach die Hilfe im Notfall auch aus der Luft kommt.

Übersicht der Defibrillatoren im Landkreis Kronach:

Kronach:

Turnhalle des KZGs (Langer Steig 1)

Sparkasse (Kulmbacher Straße 11)

Frankenwaldgymnasium (Am Schulzentrum 5)

Küps:

Raiffeisenbank (Radweg 1)

Turn-/Festhalle (Am Hirtengraben 7)

Das Bürgerbüro (Am Rathaus 1)

Ludwigsstadt:

Sparkasse (Lauensteiner Straße 11)

Ebersdorfer Feuerwehrhaus (Außen)

Marktrodach:

Sparkasse (Hauptstraße 41)

Rodachtalhalle (Hirtenwiesen 6)

Nordhalben:

Sparkasse (Lobensteinerstraße 3a)

Pressig:

Sparkasse (Bahnhofsplatz 1a)

Naturbad Rothenkirchen (Badstraße 69)

Steinwiesen:

Raiffeisenbank (Servicebereich, Nordhalbener Straße 4)

Schwimmbad (Mühlwiesen 1)

Stockheim:

Rebhans Business & Wellness Hotel (Hintereingang an Nordseite, Ludwigsstädter Straße 95)

Feuerwehr Burggrub (Außen, Bahnhofstraße 7)

Sparkasse (SB-Bereich, Kronacher Straße 6a)

Feuerwehr Stockheim (mobil, Rathausstraße 3)

Tettau:

Arztpraxis Michael Müller (Christian-Müller-Straße 21)

Hausarztzentrum Frankenwald (Christian-Müller-Straße 36)

Helfer-vor-Ort-Fahrzeug

Teuschnitz:

Sparkasse (Hauptstraße 31)

Wallenfels:

Bildungszentrum (Schützenstraße 35b)

Kulturzentrum (Jakob-Degen-Straße 1)

Freibad (Angerstraße 36)

Altes Schulhaus (Wolfersgrün)

Feuerwehrhaus Schnaid (Mittlere Schnaid 22)

Weißenbrunn:

Raiffeisenbank (Kronacherstraße 5)

Leßbachtalhalle (im Eingangsbereich, Schulweg 11)

Zahnarztpraxis Dr. Schwarz (Waldweg 3)

Sparkasse (SB-Bereich, Braustraße 28)

Wilhelmstal:

Mehrzweckhalle (Am Mühlbach)

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